
Walter Ruck tritt als Chef der Wiener Wirtschaftskammer zurück.
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Der zuletzt wegen umstrittener Aussagen in einem publik gewordenen Privatgespräch unter Druck geratene Chef der Wiener Wirtschaftskammer (WKW) und des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes, Walter Ruck, ist zurückgetreten. Die bisherige WKW-Vizepräsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits wird an seine Stelle an der Spitze von WKW und Wirtschaftsbund Wien treten, teilte der Wirtschaftsbund in einer Aussendung mit.
Ruck habe am Donnerstag bei einer Vorstandssitzung des Wiener Wirtschaftsbundes (WBW) mitgeteilt, dass er sich ins Privatleben zurückzieht, heißt es in der WBW-Aussendung. „Die Ereignisse der letzten Wochen haben zu nachvollziehbaren Irritationen geführt, die von unserer eigentlichen Arbeit abgelenkt haben“, wird Kriz-Zwittkovits darin zitiert. „Meine Aufgabe sehe ich darin, möglichst rasch einen Neubeginn zu organisieren und das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, sowie den laufenden Reformprozess zügig und umsichtig umzusetzen.“
Kriz-Zwittkovits: Neuanfang kommt
In einer etwas später veröffentlichten Aussendung der Wiener Wirtschaftskammer führte sie weiter aus: „Ich habe keinen Weinkeller (eine Anspielung an den Ort, an dem die kolportierten Aussagen getätigt wurden; Anm.), sondern offene Türen für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt. Jetzt kommt es zu einem Neuanfang.“ Laut der Aussendung ist die Unternehmerin seit 2020 WKW-Vizepräsidentin. Zwischen 2021 und 2025 war sie zudem Abgeordnete und Gemeinderätin für die ÖVP in Wien.
Ruck war vor rund zwei Wochen in die Defensive geraten, nachdem die Medien „profil“ und „Krone“ zahlreiche Passagen aus einem Gesprächsprotokoll zitierten, in denen Ruck erzählte, wie er bei Postenbesetzungen und Listenerstellungen in Wien und in der Wiener Volkspartei mitmischte. Zudem habe er sich wenig schmeichelhaft über die Wiener Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ). ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sowie Vertreter der Industrie geäußert.
Später folgten weitere Medienberichte mit weiteren Passagen. Am Mittwoch veröffentlichte der TV-Sender Oe24 Teile eines Audio-Mitschnitts des Gesprächs und nannte die Namen der weiteren Teilnehmer des Gesprächs - darunter der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) und der Chef des roten Wirtschaftsverbandes in Wien (SWV), Marko Fischer. Am Donnerstag berichtete der „Kurier“ weiters über Passagen, in denen Ruck von angeblichen Interventionen bei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Zusammenhang mit dem Unfallkrankenhaus Meidling sprach.
Ruck bereits aus der ÖVP ausgeschlossen
Ruck war immer mehr unter Druck geraten. Seine Partei, die ÖVP, reagierte vergangenen Freitag mit einem Parteiausschluss auf die Affäre - dieser führte aber zunächst nicht zu seinem Ausscheiden aus den Ämtern bei Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund. Innerhalb der Wiener Organisationen schien er weiter Rückhalt zu genießen. Selbst der rote Bürgermeister Ludwig stärkte ihm öffentlich den Rücken.
Auch Kriz-Zwittkovits rückte in den ersten Tagen noch zu Rucks Verteidigung aus. Sie widersprach Berichten von „Krone“ und „profil“, wonach sie auf Rucks Befehl und zu Gunsten von dessen Sohn auf einen ÖVP-Listenplatz bei der Wienwahl verzichtet habe.