Sprechen Sie Wirtschaft, Jakob Kirchmayr?

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Künstlerisch setzt sich Jakob Kirchmayr mit dem Zustand der Welt auseinander. Den Kauf seines eigenen Ateliers hält er nach wie vor für eines seiner besten Investments.

trend: Der Kunstmarkt ist bekanntlich kein Ponyhof. Sind Sie ein guter Verhandler in eigener Sache?

Jakob Kirchmayr: Ich habe meine Prinzipien, und diese versuche ich auch durchzusetzen. Aber ich habe auch gelernt, dass die besten Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit Transparenz und Ehrlichkeit sind.

trend: Sie sind einer der wenigen freischaffenden Künstler, die von ihrer Kunst leben können. Bleibt die Angst, dass es auch wieder anders sein könnte?

Wählt man diesen Beruf, wählt man auch finanzielles Risiko. Ich lernte über die Jahre, dass ich darauf vertrauen kann, dass ich, auch wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, wieder Boden unter die Füße bekomme. Darüber hinaus ist das ständige Arbeiten an Synergien und dem Netzwerk wie ein Fundament, das mich trägt. Kurz vor meinem 30. Geburtstag kaufte ich mein Atelier. Diese Immobilie war nicht nur ein gutes Investment, sie gab mir auch über all die Jahre Sicherheit.

trend: Sie sind Künstler in dritter Generation. Was hat Sie familiär im Umgang mit Geld geprägt?

Mein Vater wurde 1940 geboren und wuchs in einem kleinen Dorf in Tirol in sehr bescheidenen Verhältnissen auf, ohne fließendes Wasser, ohne Strom. Dazu meinte er: „Alle waren damals arm, alle hatten gleich wenig, aber niemand fühlte sich arm.“ Ich finde diese Feststellung ganz besonders, wenn man sie mit der Gegenwart vergleicht und an die Einkommensschere, die steigenden Lebenshaltungskosten und den gleichzeitigen Anspruch der Gesellschaft an Konsumgüter denkt. Mein Vater hat als Künstler viel erreicht und mit unserer Mutter meinen Brüdern und mir eine tolle Kindheit ermöglicht, mit einem außerordentlichen Hang zur Großzügigkeit, die sich auch in ganz kleinen Aufmerksamkeiten widerspiegelte. Die Zeit, die wir gemeinsam als Familie hatten, der Zusammenhalt, Liebe, der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sind der wahre Reichtum, den ich erfahren durfte.

trend: In Ihren Arbeiten thematisieren Sie globale Missstände, was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?

Ständiges Wirtschaftswachstum ist ein Irrweg. Wir leben in einer von Überkonsum geprägten, lauten und brutalen Welt voller Brandherde, in der die Zerstörung der Natur durch uns Menschen in beängstigendem Tempo vorangetrieben wird und wir noch immer nicht begriffen haben, dass unser Lebensraum und schließlich unsere Existenz bedroht ist. Umfassender Umweltschutz würde eine radikale Veränderung der bestehenden Machtstrukturen und Wirtschaftsmodelle erfordern. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft unseren Konsum überdenken. Doch der Verzicht auf Überflussgüter fällt uns ganz offensichtlich schwer. Um es mit Peter Sloterdijk auszudrücken: „Wir sterben lieber aus, als auf Überfluss zu verzichten.“ Und das macht mich ziemlich wütend.

trend: Wofür geben Sie leichten Herzens Geld aus? Schon in Ihrem ersten Atelier gabs eine Top-Kaffeemaschine …

Kaffee hat tatsächlich einen sehr hohen Stellenwert. Die Kaffeemaschine gibt es übrigens noch immer, sie war ein Gemeinschaftsgeschenk von lieben Menschen zu meinem 40er. Es geht hier aber auch stark um das Ritual: Die Siebträger-Kaffeemaschine erfordert Zeit und Hingabe, damit wird die Kaffeepause zu einer sehr bewussten Pause. Und tatsächlich macht mir auch gute Abenteuerausrüstung viel Freude. Das Abenteuer gehört zu meinem Beruf, ich liebe das langsame Reisen mit dem Kajak – daraus schöpfe ich Kraft und Inspiration.

trend: Was halten Sie denn von Kunst als Investment?

Den Begriff „in Kunst investieren“ mag ich nicht. Bei den Blue-Chip-Künstlern kann man zwar von Investment sprechen, aber ich würde grundsätzlich allen kunstinteressierten Menschen dringend empfehlen, jene Kunst zu kaufen, die sie berührt.

trend: Die Menschen werden immer älter. Was wäre Ihr Vorschlag zum Pensionssystem? Denken Sie als Künstler überhaupt an Pension?

Wie soll man denn aufhören? Ich wollte nie Künstler werden, denn ich dachte, dieser Weg sei bereits durch meinen Vater und dessen Vater belegt. Man kann also eher von Berufung sprechen, und diese legt man nicht irgendwann zur Seite. Ganz grundsätzlich denke ich, man sollte diejenigen Menschen arbeiten lassen, die arbeiten wollen, und vor allem das System dahingehend anpassen. Sprich, Menschen, die über das derzeitige Pensionsalter hinaus arbeiten, mit deutlichen Steuer- und Sozialversicherungsentlastungen belohnen. Ich ärgere mich auch über eine gewisse Wehleidigkeit der Gesellschaft, wenn dieses Thema diskutiert wird. ­

trend: Und wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?

Für meine Kinder.

Zur Person

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 23. Oktober 2026 erschienen.

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