
Der Ökonom sieht den Hype vor dem Börsegang von Anthropic kritisch: „Es ist noch nicht ausgemacht, dass die Geschichte so gut ist."
IHS-Chef Holger Bonin nutzte einen Auftritt im Klub der Wirtschaftspublizisten, um vor den Risken des KI-Booms zu warnen. Die hohe Verschuldung der großen KI-Modelle wie Anthropic oder Open AI bedeute eine „Wette mit hohem Risiko". Denn bisher habe die Technologie die großen Produktivitätsversprechen noch nicht eingelöst. „Das Produktivitätswachstum bleibt ziemlich schwach", beobachtet Bonin, zudem seien Menschen und Unternehmen im Umgang mit KI vielfach überfordert.
Daher agieren Unternehmen wie Anthropic, das einen Börsegang für November angekündigt hat, für ihn „wie große Start-ups". Die groß hinaus posaunte Story sei zentral, „aber es ist noch nicht ausgemacht, ob die Geschichte so gut ist". Anthropic schuldet den Cloud-Anbietern Google, Amazon und Microsoft laut seinem Börseprospekt 265,6 Milliarden Dollar an festen Computing-Zahlungen, die unabhängig von der tatsächlichen Nutzung bezahlt werden müssen. Laut einer neuen Auswertung des Flossbach von Storch Research Institute beträgt die „Schattenverschuldung" allein bei den fünf US-KI-Riesen zusammen 2,7 Billionen Dollar.
Dazu kommt aus Sicht des IHS-Chefs die Gefahr, dass externe Kosten auf die Gesellschaft überwälzt würden, während einige wenige „natürliche Monopolisten, die schwer zu regulieren sind", künftig Gewinne einfahren könnten. Zu den externen Kosten zählt er den Energieverbrauch, den Flächenverbrauch, aber auch die die Kosten zur Transformation des Arbeitsmarkts. Bonins Fazit: „Die KI-Risiken sind massiv."