US-Midterms: Die Bipolarität der Technologieaktien

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Der Wahlsieg der Demokraten sorgt an den US-Börsen für Auftrieb. Welche Branchen profitieren und warum sich im Technologiesektor neue Gewinner und Verlierer abzeichnen.

Die Demokraten haben bei den US-Midterm-Wahlen sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus erobert. Für die Privatbank Gutmann KAG kommt dieses Ergebnis nicht überraschend, denn die Prediction Markets hätten nahezu alle Wahlausgänge richtig vorhergesagt. Lediglich South Carolina sei eine Überraschung gewesen. Vor allem die hohen Lebenshaltungskosten, die Inflation und der Iran-Krieg waren die ausschlagebenden Themen der Wahl.

An den Börsen sorgte das Ergebnis zunächst für Unsicherheit, doch am Mittwoch folgte die Erholung: Der S&P 500 legte um 1,6 Prozent zu. Entscheidend war laut Robert Karas, Chief Investment Officer bei Gutmann, nicht nur der Wahlausgang, sondern auch die Reaktion von US-Präsident Donald Trump. Dieser akzeptierte die Niederlage seiner Partei. Karas betont:„Man kann sich nach wie vor auf die Institutionen in den USA verlassen“ – die Börse habe daraufhin aufgeatmet.

Neue Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt

Der Wahlsieg der Demokraten verändert die politischen Rahmenbedingungen in Washington – trotzdem bleibt Trump bis zum Ende seiner Amtszeit Präsident und kann Gesetze mit seinem Veto blockieren. Die neuen Mehrheiten im Kongress können allerdings Gesetzesvorhaben der Regierung aufhalten, politische Kontrolle ausüben und eigene regulatorische Initiativen vorantreiben.

Besonders deutlich zeigten sich die Auswirkungen der Wahl deshalb im Technologiesektor und beim Ausbau von KI-Rechenzentren. Deren enormer Strom- und Wasserverbrauch sowie der steigende Flächenbedarf waren im Wahlkampf Thema sowohl bei Republikanern als auch bei den Demokraten.

Laut Christoph Olbrich, Leiter des Aktienfondsmanagements bei Gutmann, könnten die Demokraten strengere Vorgaben für den Ausbau der KI-Infrastruktur verfolgen. KI-feindlich seien sie deshalb aber nicht. Außerdem argumentiert er, dass mehr Regulierung auch zu höherer Investitionssicherheit führen könnten.

Große Cloud-Anbieter, sogenannte Hyperscaler, wie Microsoft, Alphabet und Amazon profitierten bisher vom Wahlergebnis. Sie verfügen bereits über umfangreiche Rechenkapazitäten und können zusätzliche regulatorische Anforderungen leichter erfüllen. Halbleiterunternehmen und kleinere Cloud-Anbieter gerieten dagegen unter Druck. Denn der Ausbau neuer Rechenzentren könnte sich unter demokratischer Führung verlangsamen. Der Engpass liege derzeit vor allem bei Chips, Energie und verfügbaren Flächen. „Das verändert das Kräfte- und Machtverhältnis“, erklärt Olbrich.

An der grundsätzlichen Wachstumsstory der KI ändere das jedoch wenig. Die großen Technologiekonzerne dürften heuer rund 800 Milliarden Dollar investieren, im kommenden Jahr sogar mehr als eine Billion Dollar. Die Nachfrage nach KI und Cloud-Diensten sei zudem weiterhin hoch.

Gutmann bleibt bei Aktien optimistisch

Die Privatbank hält trotz politischer Veränderungen an ihrer positiven Einschätzung der Aktienmärkte fest. Seit Mai sei man in Aktien übergewichtet und weiterhin „bullish“, aber nicht blauäugig, wie Karas betont. Neben Technologieunternehmen setzt Gutmann bewusst auf Gesundheits- und Konsumtitel, um das Portfolio breiter aufzustellen. Gerade letztere profitierten nach der Wahl, von der Hoffnung auf eine Entlastung bei den Lebenshaltungskosten.

Neben Aktien sieht die Privatbank auch bei länger laufenden Anleihen Chancen. Sowohl in den USA als auch in Europa seien die Renditen attraktiv genug, um langfristig einen realen Werterhalt zu ermöglichen. Auch Gold spielt eine Rolle: Im Rahmen der im September gestarteten Strategie „Tactical Alpha“ hält die Privatbank eine kleine Goldposition. Karas sieht darin vor allem eine langfristige Absicherung gegen den Kaufkraftverlust von Währungen und wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Schulden.

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