
Schloss Hernstein, im Besitz der WK Wien, ist ein verlässlicher Verlustbringer.
©APA-IMAGES / SEPA.MEDIA / JOHANN SCHWARZInsbesondere die Wirtschaftskammer Wien hat unter ihrem abgetretenen Präsidenten Walter Ruck ein reges Immobilien-Eigenleben entwickelt. Nun soll dort aufgeräumt werden.
Martha Schultz kündigt einen „Verwendungsplan“ für die Immobilien im Besitz der WKO an. Konkreter wird sie nicht. Während die Gebäude der Bezirksstellen oder des Wifi unangetastet bleiben sollen, könnte zur Disposition stehen, was nicht betriebsnotwendig ist.
Wie viel stille Reserven im Immobilienreich der Kammer stecken, wissen nicht einmal Insider. Im Geschäftsbericht für 2025 wird etwa das Sachanlagevermögen im Ausland mit 35 Millionen Euro angegeben. Doch allein die Liegenschaft für das Haus der österreichischen Wirtschaft in Brüssel, für Kammer-Kritiker Schellhorn ein „Prachtpalast“, hat im Jahr 2022 Kosten von 22 Millionen Euro verursacht.
Wie auch in allen anderen Bereichen führen die Länder im Immobilienbereich ihr Eigenleben. Die Tiroler Wirtschaftskammer verkaufte im Juli die rund 60.000 Quadratmeter große ehemalige Zollfreizone in Hall um rund 50 Millionen Euro an den Vorarlberger Logistiker Gebrüder Weiss. Mit dem Erlös sollen die Erweiterung des Wifi Tirol und ein neuer Bildungscampus finanziert werden.
In Wien werden für die frühere Kammerzentrale am Stubenring aktuell Mieter gesucht. Im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht jedoch Schloss Hernstein in Niederösterreich, seit 1963 im Besitz der Wiener Kammer und Location für Seminare und Hochzeiten. Im Pförtnerhäuschen hatte laut „Profil“ Walter Ruck, der abgetretene Präsident der Wiener Kammer, sein Drittbüro. Hernstein gilt als schwierig zu verwerten, weil es als Seminarhotel zu klein ist.
Seit 2015 flossen laut Rechnungshof 28,39 Millionen Euro in Verlustabdeckungen und Investitionszuschüsse für Schloss Hernstein. Und das Millionengrab könnte weiter Geld verschlingen: Für den Hotelbetrieb ist auch künftig eine jährliche Verlustabdeckung von einer Million Euro vorgesehen.
Die Wirtschaftskammer Wien (WK Wien) hat in den vergangenen Jahren große Teile ihres Immobilienvermögens in Gesellschaften ausgelagert. Das Anlagevermögen der Wiener Wirtschaft Holding Liegenschaftsverwaltungs GmbH & Co KG stieg laut den trend vorliegenden Unterlagen von 10,8 Millionen Euro 2023 auf 154,6Millionen Euro 2024. Die disponiblen Rücklagen der WK Wien sanken im selben Zeitraum von 80,8 auf 45,6Millionen Euro. Kari Kapsch, Vizepräsident der WK Wien, verteidigt diese Auslagerung: Sie sei auf Anraten des Kontrollausschusses erfolgt.
Für Diskussionsstoff sorgt eine geplante neue IT-HTL, die Vienna Digital School, um geschätzte 80 Millionen Euro auf ehemaligen Kapsch-Gründen am Wienerberg. Gerald Zmuegg, Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft Wien, hinterfragt, warum die Kammer ein solches Projekt zur Hälfte finanzieren und dafür ein weiteres Gebäude errichten soll. Der Freiheitliche kritisiert generell die mangelnde Kontrolle im Wiener Immobilienreich: In der Holdingstruktur gebe es weder Aufsichtsrat noch ein internes Kontrollsystem. Entscheidungen könnten ohne Zustimmung des Präsidiums getroffen werden.
Nicht nur der Rechnungshof fordert einen fundierten Beteiligungsbericht. Auch vom trend befragte Immobilienexperten wie Eugen Otto oder EHL-Chef Michael Ehlmaier empfehlen eine unabhängige Due Diligence, um festzustellen, welche Objekte betriebsnotwendig sind, welche Mietverträge marktgerecht, welche Verkäufe sinnvoll. Immounited-Gründer Roland Schmid würde lieber einen Großteil der Rücklagen an die Mitglieder ausgeschüttet sehen.
Der Artikel ist Teil der aktuellen trend-Coverstory zu den Plänen der neuen Wirtschaftskammerpräsidentin Martha Schultz. Hier geht es zur aktuellen Ausgabe.