
Carolina und Heinz Winterer haben sich für 365 Tage Meerblick entschieden und beleben seither die Immobilienszene auf Mallorca.
Wenn man erfolgreiches Business und erfüllendes Privatleben auf harmonische Weise miteinander verbinden kann, hat man definitiv viel erreicht. Heinz Winterer – gutbürgerlich als Sohn eines hochrangigen Beamten und einer Krankenschwester aufgewachsen – folgte schon in jungen Jahren seinen Interessen und seinem wirtschaftlichen Instinkt, erkannte Geschäftsmodelle zur richtigen Zeit und fand später in seiner Frau Carolina, halb Argentinierin, halb Steirerin, eine kongeniale Partnerin in allen Lebensbereichen. Vor drei Jahren verlagerten die beiden samt drei gemeinsamen Kindern ihren Lebensmittelpunkt auf die spanische Insel Mallorca. Ihr sehenswertes Eigenheim am Hang von Costa d’en Blanes bietet zugleich das perfekte Referenzobjekt für zukünftige Bauprojekte.
Wir machen nur mehr Dinge, die uns Spaß machen und von denen wir hundertprozentig überzeugt sind.
Eine Verlagerung des Lebensmittelpunkts nach Mallorca ist ein großer Schritt. Was waren die entscheidenden Faktoren?
Ich denke, es hat viel mit Reflexion zu tun. Wir sind nicht die Einzigen, die bewusster Leben wollten. Durch Covid ist vielen klar geworden, wie schnell sich alles ändern kann. Man muss lernen, irgendwann zurückzuschrauben und sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Daraus ist der mutige Entschluss entstanden, nach vielen wunderschönen Jahren in Wien einen neuen Lebensabschnitt hier auf Mallorca zu beginnen. Wir wollten unseren noch schulpflichtigen Kindern unbedingt noch ein anderes, neues Umfeld zeigen, fernab von dem doch manchmal stressigen Alltag davor.
Und das Leben hier spiegelt all das wider: easy-going von früh bis spät, alles läuft ganz natürlich ab, keine High Heels, kein Make-up, kein teurer Schmuck, kurze Wege. Kein Terminstress bestimmt dein Leben, sondern die Familie steht im Mittelpunkt, einfach Leben pur.
Im Grunde versteht jeder Mensch unter dem Begriff Luxus etwas anderes. Wie ist das bei Ihnen?
Für mich ist das größte Luxusgut die Zeit … für all die Dinge, die nicht möglich sind, wenn man einen stressigen Alltag hat: die Kinder persönlich von der Schule abzuholen oder zu ihren Fußball- und Volleyballmatches zu begleiten. Gemeinsame Reisen geben uns auch sehr viel – es muss gar kein Hotspot sein, mir geht es vor allem um das gemeinsame Erleben, Entdecken und Genießen.
Luxus bedeutet, die Dinge dann tun zu können, wann es gerade am besten passt, und nicht an strikte zeitliche Abläufe gebunden zu sein. Außerdem nur Dinge zu tun, die man auch wirklich gerne macht. Wir leisten auch hier viel, wir arbeiten gerade an drei Projekten gleichzeitig, aber wir haben uns ein Umfeld geschaffen, das viel mehr Flexibilität zulässt.
Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?
Verlässlichkeit, einen gewissen Ehrgeiz und Perfektionismus, Empathie, Verantwortungsbewusstsein. Sie sollen ein offenes Herz haben, rücksichtsvoll und achtsam sein – nach dem Motto „Wie du selbst behandelt werden möchtest, so begegne auch du deinen Mitmenschen“.
Eine Philosophie, die in der Leistungsgesellschaft nur von wenigen gelebt wird. Welche Geisteshaltung sollte Ihrer Ansicht nach wieder die Oberhand gewinnen?
Ich würde es so formulieren: In der Lage zu sein, etwas zurückzugeben, ist ebenfalls ein großer Luxus. Darauf sollte man sich besinnen, auch in Zeiten, in denen alle sparen und kaum mehr jemand an den anderen denkt, weil es uns ja angeblich so schlecht geht. In Wahrheit gibt viele, denen es sehr, sehr gut geht. Also sollten wir auch Verantwortung übernehmen für Menschen, die nicht so privilegiert sind und denen es tatsächlich schlecht geht.
Ihre karitative Initiative geht weit über das durchschnittliche Engagement hinaus. Was steckt dahinter?
In Kooperation mit Schmuckstars und der Timelounge versteigern wir vor Weihnachten alljährlich feine Armbanduhren, Juwelen und Kunstobjekte. Der Erlös geht zu je 50 Prozent an Licht ins Dunkel und Pink Ribbon. Zum einen wollen wir unseren Kindern ein gutes Beispiel sein – zum anderen hatten wir ein einschlägiges Schicksal im Familienkreis, als die Mutter meiner ersten beiden Kinder an Lungenkrebs verstorben ist. Meine große Tochter ist mittlerweile Pink-Ribbon-Botschafterin, und wir erleben unser gemeinsames Engagement jedes Jahr aufs Neue als extrem wertvoll. Wenn wir uns diesen Luxus leisten, anderen im großen Stil zu helfen, dann bewegt das auch bei unseren Kindern etwas. -Obwohl es zum Teil wirtschaftlich fordernd ist: Bei dem gespendeten Volumen – Uhren im Einkaufswert von rund 100.000 Euro – handelt es sich um deutlich mehr als zehn Prozent des Timelounge-Jahresergebnisses. Trotzdem sollte man gewisse Werte hochhalten. Daher werden wir das Projekt weiterführen, auch wenn es aufgrund der schwierigen Marktsituation nicht mehr so leichtfällt, in dieser Höhe zu spenden.
Solche Veranstaltungen erregen natürlich auch öffentliche Aufmerksamkeit. Ruft das nicht die viel zitierte Neidgesellschaft auf den Plan?
Ehrlich gesagt haben wir so etwas wie Neid nie gespürt – weder in Wien noch auf Mallorca. Unser Freundeskreis ist hier wie dort sehr bodenständig und entspannt.
Selbstdarsteller gibt es überall auf der Welt. In unserem persönlichen Umfeld herrscht jedoch eine gewisse Low-Profile-Einstellung. Alle haben ein schönes Eigenheim und sind finanziell abgesichert, aber man trägt das nicht vor sich her – im Gegenteil. Wir haben Freude am Leben und brauchen dazu nicht unbedingt Statussymbole. Ein gutes Beispiel: Auch wenn wir unseren alten Porsche lieben, verlässt er die Garage höchst selten. Wir sind hauptsächlich mit Rädern, Vespas oder mit unserem E-Mini unterwegs. Das ist irgendwie viel praktischer. Die Wege sind hier so kurz, die Schule ist zwei Minuten den Berg hinunter, zum Strand sind es drei, nach Palma zwölf und zum Flughafen fünfzehn Minuten.
Erleben Ihre Beschäftigten in der Timelounge eine veränderte Stimmungslage aufgrund der weltpolitischen Lage?
Ja, natürlich hat sich die Stimmungslage unserer Kunden und damit das Kaufverhalten geändert. Ich sehe im Wesentlichen drei grundlegende Veränderungen: Einerseits gibt es kaum mehr Spontankäufe. Alles wird sehr genau überlegt, mit anderen Angeboten verglichen, und viel auch über den Preis entschieden. Die Zeiten, als wir als „Marktführer“ mit schönem Geschäft und jahrelanger Erfahrung höhere Preise verlangen konnten, sind längst vorbei. Wir stellen uns dieser Herausforderung und versuchen, auch preislich die Besten zu sein. Andererseits haben wir mit einem generell rückläufigen Markt zu kämpfen. Nach einem jahrelangen Uhrenboom mit stetig steigenden Preisen kam es nach Covid und nach Beginn des Ukrainekriegs zu einem deutlichen Markteinbruch – ähnlich dem Immobilienmarkt. Viele Kunden, die Uhren in den letzten Jahren als Wertanlage gekauft haben, sind enttäuscht. Dabei eignen sich Uhren nach wie vor als Anlage, man sollte allerdings hauptsächlich aus Begeisterung und Freude und weniger aus Wertsteigerungsgedanken in Uhren investieren. Auch in diesem Punkt können wir aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung den Kunden bestmöglich beraten. Und zu guter Letzt hat sich doch auch generell die Einstellung vieler heimischer Kunden zu Luxusgütern verändert. Auch wenn das Verlangen nach schönen Uhren nach wie vor groß ist, haben viele Kunden ihre Sammlungen verkleinert. Ein paar Uhren weniger, meist auch in einer günstigeren Preisklasse – das spiegelt eine neue Einstellung zu Luxusgütern wider. Das trifft aus meiner Sicht im speziellen auf Kunden aus Mitteleuropa zu. Als Grund dafür nennen uns Kunden meist Sicherheitsbedenken beziehungsweise eine bewusste Zurückhaltung in Bezug auf die Wahrnehmung nach außen.
Das bedeutet, es haben sich auch die Prioritäten verändert?
Ja, ich nehme das auch im Freundeskreis wahr. Es wird eher noch auf teuren Schmuck oder Uhren verzichtet – im Gegensatz zu Dingen, die das eigene Zuhause oder das tägliche Leben betreffen. Auch bei Urlauben kann es nicht luxuriös genug sein.
Womit wir wieder beim Thema „Leben auf Mallorca“ wären. Inwieweit unterscheidet sich das Immobiliengeschäft hier von der Branche in Wien?
In Wien konnten vor Beginn der Immobilienkrise 2022 viele Projekte mit einem hohen Fremdfinanzierungsanteil umgesetzt werden. Banken waren bei der Kreditvergabe sehr großzügig, Finanzierungen von bis zu 90 Prozent des Projektvolumens waren keine Seltenheit. Das Ende der niedrigen Zinsen und die dramatisch steigenden Projektkosten haben vielen Immobilienentwicklern Probleme bereitet und eine große Veränderung eingeleitet. Anders als in Wien war es hier auf Mallorca für Entwickler immer schon sehr schwierig, Immobilienkredite zu bekommen. Die hiesigen Banken waren schon immer sehr restriktiv. Immobilienprojekte konnten und können nur mit hohem Eigenkapitalanteil bzw. Investorengeldern umgesetzt werden. Was davor als ein großer Nachteil empfunden wurde, hat sich in Krisenzeiten sehr stabilisierend ausgewirkt. So hat der Immobilienmarkt auf Mallorca keinen Preisdruck erfahren, einzig das Volumen der Transaktionen hat nach 2022 etwas nachgegeben. Mittlerweile merken wir aber wieder ansteigendes Interesse am Standort, besonders im Bereich der Luxus-Eigenheime. Immer öfter wird Mallorca als ganzjähriger Lebensmittelpunkt gesehen und nicht mehr nur als Feriendomizil und Zweitwohnsitz.
Wie kam es zu diesem Umdenken?
Die Erfahrungen der Coronakrise haben bei vielen Menschen zu einem Sinneswandel geführt. Die Idee, etwas im Leben grundsätzlich zu verändern, hat gerade Mallorca mit seinen vielen Vorteilen noch stärker in den Fokus gerückt. Die technologische Evolution, welche Homeoffice, Videokonferenzen und verstärkte Mobilität ermöglicht, hat diese Entwicklung zusätzlich befeuert.
Sind Ihre Käufer jeweils in die Planung involviert?
Nein, wir bauen keine Auftragsobjekte. Wir kaufen das Grundstück, analysieren, planen, reichen ein und errichten das Haus, das nach Fertigstellung von Immobilienvermarktungsbüros angeboten wird.
Wir planen alles bis ins kleinste Detail – so, als würden wir selbst einziehen. Ganz ehrlich, niemand will sich den Stress antun, in einem fremden Land alles von null weg selbst zu machen. Es gibt mehr als ein Dutzend Regionen auf Mallorca und jede hat ihre eigene Bauordnung. Eine Projektentwicklung dauert hier vier bis sechs Jahre, und ohne Spanisch-Kenntnisse geht sowieso gar nichts. Ergo sollte man unbedingt etwas kaufen, das bereits fertig ist.
Was spricht für Mallorca als Hauptwohnsitz?
Vieles. Wir verfügen hier über einen der bestfunktionierenden Flughäfen Europas mit ganzjährig täglichen Verbindungen zu allen wichtigen Destinationen. Mittlerweile dient Mallorca auch als Drehscheibe für transkontinentale Flüge. Die ärztliche Versorgung ist ebenfalls hervorragend. Palma zählt 400.000 Einwohner, das wäre in Österreich immerhin die zweitgrößte Stadt. Und: Das Leben hier ist mindestens 20 Prozent günstiger als in Wien.
Palma kann wirklich alle Bedürfnisse abdecken. Es gibt kaum etwas, das es nicht gibt. Die Infrastruktur ist top, inklusive Bildungsangebot: Auf Mallorca gibt es mittlerweile zehn internationale Schulen.
Dazu kommen – gerade aktueller als je zuvor – geopolitische Stabilität und Sicherheit. Daher rechnen wir auch weiterhin mit einer positiven Marktentwicklung am Immobilienmarkt. Immer vorausgesetzt, dass man Immobilienprojekte entwickelt, die möglichst einzigartig sind, denn an Konkurrenz mangelt es auch hier nicht.
Luxus ist, für die Kinder da zu sein und die Zeit ohne Stress flexibel gestalten zu können.
Timing ist alles
Der Unternehmergeist von Heinz Winterer zeigte sich schon während des Studiums, als er gemeinsam mit einem Freund frühzeitig den aufkommenden Vintage-Uhren-Boom erkannte. Sie veranstalteten ab 1990 regelmäßig die Wiener Uhrenbörse im Palais Ferstel und eröffneten 1993 ihr erstes Geschäft in der Dorotheergasse. Nach dem berufsbedingten Ausstieg des Partners setzte Winterer den Handel mit Vintage-Uhren im Alleingang fort. 2004 eröffnete er angesichts der steigenden Nachfrage nach Gebrauchtuhren in der Naglergasse die erste Pre-owned-Uhren-Boutique Österreichs – die Timelounge, die sich rasch als Hotspot für Liebhaber und Sammler feiner Armbanduhren etablierte.
Ende der 90er-Jahre begann Winterer nebenbei mit Investitionen im Immobilienbereich, anfangs als zweites Standbein, später im größeren Stil – stets mit Fokus auf Zinshäuser in guter Lage und auf Topqualität in der Verwertung. Bei Real24 konzentrierte sich -Winterer auf die Projektentwicklung, seine Frau Carolina auf die Immobilienvermarktung.
Während der Covid-Pandemie fiel die Entscheidung, mehrere Objekte zu veräußern, um sich mehr auf neue Aktivitäten auf Mallorca zu konzentrieren. Auch bei diesem Schritt erwies sich das Timing rückblickend als perfekt.
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