
Über den Wolken wird es enger: Businessjet-Hersteller matchen sich bei Geschwindigkeit, Reichweite und Luxus. Mit der Falcon 10X greift nun Dassault ins Geschehen ein. Die Franzosen setzten dabei vor allem auf Komfort und Savoir-vivre.
Im superengen High-End-Segment der privaten Langstrecken-Businessjets tut sich seit geraumer Zeit einiges. Im Vorjahr präsentierte der kanadische Hersteller Bombardier mit der Global 8000 das schnellste Passagierflugzeug seit der Concorde. Mach 0,95 erreicht das Modell und kratzt damit an der Überschallgrenze. Auch der US-Mitbewerber Gulfstream mischt mit seiner G700 in diesem Segment kräftig mit. Mit der Falcon 10X steigt nun auch Dassault in das Spiel ein. Die Franzosen wollen damit einen neuen Standard für Komfort, Leistung und Innovation setzen, wie sie jüngst bei der Präsentation ihres neuen Luxus-Vögelchens verkündeten.
Der Jet, von dem aktuell vier Exemplare gebaut werden, hat bereits eine längere Vorgeschichte. Vorgestellt wurde das Konzept schon 2021. Da war gerade Pandemie. Lieferkettenprobleme verzögerten die Produktion, anschließend folgte eine geopolitische Krise auf die nächste. Zynischerweise belebte das Dassaults milliardenschweres Kerngeschäft: den Bau von Militärflugzeugen, allen voran den Kampfjet Rafale.
Dennoch blieb die Falcon 10X im Fokus. Nicht zuletzt, weil der direkte Vorgänger Falcon 8X mittlerweile selbst schon zehn Jährchen auf dem Rumpf hat. Zusätzlichen Druck erzeugte die Konkurrenz aus Übersee, von der man sich natürlich nicht die Flügel stutzen lassen will.
Fliegendes Apartment.
Entsprechend solide positioniert sich die Falcon 10X daher im Wettbewerb. Sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 0,925 und kommt auf eine Reichweite von 13.890 Kilometern. Der Antrieb wurde von Rolls-Royce eigens entwickelt. Damit ist sie weder das schnellste noch das reichweitenstärkste Modell ihrer Klasse, ermöglicht aber Nonstop-Verbindungen etwa von Paris aus in nahezu alle globalen Metropolen. Südamerika im äußersten Süden oder entlegene Regionen Australiens bleiben außen vor. Zwingend nötig ist das freilich nicht, weil dort am Ende der Welt gibt’s eh nicht viel, nicht einmal Offshore-Oasen.
In Sachen Savoir-vivre spielen die Franzosen ihre Stärken dafür konsequent aus. Die Falcon 10X bietet Platz für bis zu 19 Passagiere und setzt auf großzügige Raumverhältnisse. Die Kabine gehört zu den größten ihrer Klasse: Mit knapp drei Metern Breite, gut zwei Metern Höhe und über 16 Metern Länge entsteht ein Raumvolumen, das eher an ein fliegendes Apartment als an ein Flugzeug erinnert. Ergänzt wird das durch einen außergewöhnlich großen, während des Flugs zugänglichen Gepäckbereich, der selbst für umfangreiches Reisegepäck ausreichend Reserven bietet.
Für Helligkeit sorgen 38 extragroße Fenster, eines davon sogar in der Marmordusche. Zur Ausstattung zählen außerdem ein Queen-Size-Bett, eine eigene Bar, eine voll ausgestattete Küche sowie durchgehender Onlinezugang. Die Kabine ist zudem auf maximale Ruhe ausgelegt. Ein modernes System reguliert Druck, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität und schafft damit Bedingungen, die Arbeiten und Entspannen gleichermaßen erleichtern.
Der Jungfernflug der Falcon 10X wird jedenfalls demnächst erwartet, die Zertifizierung soll dann innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre erfolgen. Parallel plant Dassault eine internationale Präsentationstour, um das Modell bereits unter realen Bedingungen zu erproben. Ach ja, der Einstiegspreis liegt bei rund 85 Millionen US-Dollar.