Durchstarten im Jahr 2023: Leadership-Tipps für Führungskräfte und Teams

7 Tipps von Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy: Wie aus Vorsätzen Ziele und Erfolge werden und der Schwung zum Jahresbeginn genutzt werden kann, um alte Rituale abzulegen und neue, erfrischende und inspirierende Wege einzuschlagen.

Thema: Leadership
Durchstarten im Jahr 2023 mit den Tipps von Barbara Stöttinger, Dekanin WU Executive Academy

Durchstarten im Jahr 2023 mit den Tipps von Barbara Stöttinger, Dekanin WU Executive Academy

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, ist das für Führungskräfte traditionell die Zeit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen und sich zu überlegen, was gut funktioniert hat und was möglicherweise hätte besser laufen können.

Aber noch viel wichtiger ist es, sich für das neue Jahr etwas ganz Konkretes vorzunehmen, um gemeinsam mit dem eigenen Team besser zu werden, an Herausforderungen zu wachsen und – gerade in schwierigen Zeiten – Dinge zum Positiven zu verändern.

Mit den richtigen Leadership-Vorsätzen kann diese – zugegebenermaßen nicht ganz leichte – Übung gelingen. Dabei gilt bei Neujahrsvorsätzen wie bei allen anderen Veränderungsprozessen auch: man sollte zu allererst bei sich selbst beginnen – und das gilt ganz besonders für erfolgreiches Leadership. Überlegungen zur Verbesserung der Self-Leadership stehen daher an erster Stelle.

Genauso wichtig ist es aber, sich Team-Leadership-Vorsätze zu überlegen: Was braucht es von mir als Führungskraft, um für mein Team da zu sein und es optimal zu unterstützen – vor allem, wenn die Rahmenbedingungen sehr herausfordernd sind.


Self-Leadership-Vorsätze:


1. Verbessern Sie Ihre Fähigkeiten zum kritischen Denken – mit den richtigen Fragen

Um als Führungskraft erfolgreich zu sein, ist kritisches Denken, also die Fähigkeit, ein Problem zu erfassen und zu analysieren, um eine Lösung zu finden, von zentraler Bedeutung. Mit den folgenden Tipps können Sie trainieren, die richtigen Fragen zu stellen:

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  • Nicht an den eigenen Hypothesen festklammern: Gute Fragen können Sie dazu bringen, Ihre ursprünglichen Annahmen grundlegend zu überdenken - aber Sie müssen bereit sein, dies ohne inneren Widerstand zu tun.
  • Mehr zuhören, weniger reden: Aktives Zuhören ermöglicht es Ihnen, eine andere Sichtweise vollständig zu erfassen, was es Ihnen wiederum erleichtert, Ihre eigenen Annahmen und Vorurteile zu hinterfragen.
  • Stellen Sie offene Fragen: Vermeiden Sie es, Ja-oder-Nein-Fragen zu stellen. Versuchen Sie stattdessen, Ihr Gegenüber dazu zu bringen, sich detailliert zu äußern.
  • Ziehen Sie auch das Gegenteil von dem, was Sie denken, in Betracht: Jede Gruppe braucht jemanden, der sich nicht scheut, den Status quo in Frage zu stellen, für den Fall, dass Sie den Kurs ändern müssen.
  • Schlafen Sie darüber: Eine erholsame Nacht kann Ihnen helfen, ein Problem klarer zu sehen.

2. Lernen Sie, mit Misserfolgen besser umzugehen

Wir alle kennen das: Man nimmt sich etwas vor und... hält es nicht ein. Warum ist das so? Oft liegt es daran, dass wir es uns anfangs nicht erlauben, schlecht darin zu sein. Wir scheitern ein paar Mal und beschließen dann aufzugeben. Aber jede neue Gewohnheit fühlt sich anfänglich schwerfällig an. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich mit dem Scheitern vertraut zu machen. Und so geht's:

  • Beginnen Sie damit, sich gegen große Enttäuschungen zu wappnen, indem Sie ausprobieren, wie Sie „im Kleinen“ scheitern können. Wenn Sie sich zum Beispiel vornehmen, jeden Tag ihre wichtigsten To-dos für den nächsten Tag aufzuschreiben und entsprechend zu priorisieren. Wenn Sie von der Nützlichkeit ihrer Aufzeichnungen noch nicht überzeugt sind, dann ist das nicht schlimm. Es ist ja nur eine Liste. Schreiben Sie morgen einfach eine neue.
  • Als Nächstes sollten Sie Ihr Vorhaben anderen mitteilen, bevor sich Selbstzweifel einschleichen und Sie kneifen. Diese Verbindlichkeit anderen gegenüber wird Ihnen helfen, Ihr Ziel tatsächlich durchzuziehen - egal wie schlecht Sie beim ersten Mal sind.
  • Und schließlich sollten Sie ein Protokoll über Ihre Bemühungen führen. Mit der Zeit werden Sie feststellen, was Sie alles erreicht haben. Anstatt sich an den kleinen, unvermeidlichen Misserfolgen aufzureiben, haben Sie Ihren Gesamtfortschritt im Blick.

3. Kennen Sie Ihre Vorurteile

Wenn Sie sich der Vorurteile bewusst sind, die Sie selbst als Führungskraft haben, dann sind Sie besser in der Lage, diskriminierendes Verhalten innerhalb Ihres Teams zu identifizieren. Hier sind ein paar Fragen, über die Sie nachdenken können:

  • Wie würde mein Team meinen Führungsstil andern gegenüber beschreiben?
  • Spiegeln meine Worte und Handlungen tatsächlich auch meine Absichten wider?
  • Welche Grundüberzeugungen habe ich und wie können diese mich und meine Kollegen bei der Arbeit einschränken oder befähigen?

Suchen Sie in Ihren Antworten nach bestimmten Denkmustern. Vergessen Sie nicht, Feedback von Ihren Kollegen einzuholen, um zu verstehen, wie Sie wahrgenommen werden und was Sie besser machen können. Je mehr sich die Sichtweisen und Meinungen anderer von den Ihren unterscheiden, desto aufschlussreicher und wertvoller das Feedback. Auf diese Weise lernen Sie, eine reflektierte Führungskraft zu sein, die ihre Vorurteile ständig hinterfragt.


Team-Leadership-Vorsätze:


1. Werden Sie ein großartiger Remote-Leader

Spätestens seit der Corona-Pandemie wissen wir, dass hybrides Arbeiten gekommen ist, um zu bleiben. Für Führungskräfte bedeutet das jedoch, dass ein mitunter nicht geringer Teil ihrer Führungsarbeit virtuell stattfindet. Um mit (vielleicht noch wenig erfahrenen) Mitarbeitern eine für beide Seiten wertschätzende und effektive Beziehung aufbauen zu können, bedarf es in der digitalen Welt ganz besonderer Sorgfalt. Das können Sie ganz konkret machen:

  • Konzentrieren Sie sich zunächst auf das Thema Vertrauen, denn es stellt die Basis einer wechselseitig funktionierenden Beziehung dar. Im virtuellen Kontext spielt Vertrauen eine klarerweise noch größere Rolle. Sprechen Sie daher aktiv darüber, wie Sie die virtuelle Beziehung zu einem sicheren Raum für beide Seiten machen können, und vereinbaren Sie Vertraulichkeit in Bezug darauf, welche Informationen festgehalten oder weitergegeben werden sollen und welche nicht, und vor allem: Halten Sie sich an Ihre Vereinbarungen. Ihre Mitarbeiter können ja nicht einfach kurz bei Ihnen im Büro vorbeikommen, um Sie an eine Abmachung zu erinnern. Verdienen Sie sich das Vertrauen ihrer Mitarbeiter, indem Sie sich ausnahmslos an Vereinbartes halten.
  • Definieren Sie gemeinsam die Regeln, Art und Häufigkeit ihrer virtuellen Kommunikation. Wie wollen Sie miteinander kommunizieren, über Email, Teams-Calls oder interne Messaging-Services? Oder soll es eine Mischung aus allem sein mit regelmäßig stattfindenden physischen Treffen im Büro? Je mehr sie vorab festlegen, desto weniger Missverständnisse entstehen später.
  • Und schließlich sollten Sie – wo immer möglich – auch an gemeinsamem Projekten mit Ihren Mitarbeitern arbeiten. Dies fördert nicht nur die Motivation und stärkt das Team-Gefühl, es erlaubt Ihnen auch, die Stärken und Schwächen Ihres Teams zu identifizieren und diese entsprechend zu fördern bzw. abzubauen.

2. Führen Sie ein Team, das intelligenter arbeitet - nicht härter

Manchmal stecken wir zu viel Zeit und Mühe in die falschen Dinge und setzen die falschen Prioritäten - sei es, dass wir Stunden mit Status-Updates verbringen, die ohnehin niemand liest, oder wir Unmengen an Zeit in das Layout einer Präsentation investieren und dabei ganz auf die Qualität des Inhalts vergessen. Als Führungskraft ist es eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, Ihrem Team dabei zu helfen, genau diese Fallstricke zu vermeiden und jenen Aufgaben, die am wichtigsten sind, Priorität einzuräumen:

  • Legen Sie zunächst klare Deadlines für die großen strategischen Stoßrichtungen fest, hinterlegen Sie wichtige Projektmeilensteine mit ungefähren Stundenanzahlen und informieren Sie Ihre Mitarbeiter, wenn sie zu viel Zeit in eine bestimmte Aufgabe investieren. Vermeiden Sie es aber gleichzeitig, ins Mikromanagement abzurutschen.
  • Betonen Sie, dass das Perfekte oft der Feind des Guten ist.
  • Ermutigen Sie Ihre Teammitglieder, Zeitvorgaben für kleinere Aufgaben zu machen, etwa für das Verfassen von E-Mails oder die Suche nach Bildern für Präsentationen.
  • Erinnern Sie sie auch daran, dass es völlig in Ordnung ist, Fehler zu machen: der Tippfehler im Newsletter oder die Datei, die nicht an die E-Mail angehängt wurde, werden ziemlich wahrscheinlich nicht über das Ge-oder Misslingen ihrer Karriere entscheiden.
  • Und schließlich sollten Sie sie dabei unterstützen, Kontakte innerhalb des Unternehmens zu knüpfen, damit sie stets wissen, wer ihnen helfen bzw. bei Bedarf Fragen beantworten kann.
  • Betonen Sie auch, dass Sie nicht erwarten, dass sie alles alleine schaffen müssen, und dass die Zusammenarbeit mit anderen sicherstellen kann, dass alle gemeinsam am selben, dem richtigen Strang zum Wohle des Unternehmens ziehen.

3. Hören Sie nicht auf, Ihr Team immer wieder neu zu motivieren

Wenn Ihr Team erschöpft, demotiviert oder ausgelaugt ist, gibt es einige Strategien, die Sie einsetzen können, um es mit neuer, positiver Energie zu versorgen.

  • Führen Sie proaktiv zielgerichtete Karrieregespräche - und machen Sie sie zur Routine. Ihre Mitarbeiter wollen wissen, dass sie sich gemeinsam mit Ihnen auf dem richtigen Weg befinden und die Möglichkeit haben, aktiv mitzugestalten. Geben Sie gerade bei verbesserungswürdigen Bereichen besonders wertschätzendes Feedback, damit Ihre Mitarbeiter bereit sind, mutig neue Chancen zu ergreifen, wenn sie sich ihnen bieten.
  • Schaffen Sie Teamrituale, die die Beziehungen untereinander und ein Gefühl der Zugehörigkeit fördern. Wenn sich Menschen mit ihren Kollegen verbunden fühlen, belebt dies die Arbeit und macht sie gleichzeitig interessanter. Sie können Meetings mit verschiedenen Aktivitäten eröffnen, etwa indem Sie die Teilnehmer bitten, etwas zu sagen, wofür sie an diesem Tag dankbar sind, oder ein Wort zu nennen, das ihre Gefühle am besten beschreibt. Die Idee dabei ist, dass das Team so selbst mit der Zeit zu einem Ort der Wertschätzung und des Vertrauens wird.
  • Und schließlich sollten Sie sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, ob ihre Mitarbeiter genug arbeiten, sondern ihnen stattdessen dabei helfen, Prioritäten richtig zu setzen. Unterstützen Sie sie dabei, Tätigkeiten wegzulassen, die keinen Mehrwert generieren, und verknüpfen Sie die Arbeit jedes Einzelnen mit den wichtigsten Prioritäten des Unternehmens. Dies trägt dazu bei, ein positives Gefühl des „wir schaffen das“ zu erzeugen, weil die Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten und den Sinn hinter ihrer Tätigkeit verstehen.

Self/Team-Leadership-Vorsatz:


Last but not least ein Vorsatz, der für Führungskräfte und Mitarbeiter im neuen Jahr gleichermaßen gelten sollte, in der Praxis aber in vielen Unternehmen deutlich zu kurz kommt:

Haben Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit!

Untersuchungen haben ergeben, dass Spaß eines der wichtigsten Kriterien im beruflichen Kontext überhaupt ist, weil er sich positiv auf das Engagement, die Kreativität und die Mitarbeiterbindung auswirkt. Hier ein paar Tipps, wie Sie für sich und Ihre Mitarbeiter wieder mehr Spaß in den Arbeitsalltag einbauen können:

  • Gestalten Sie ihre To-do-Listen spielerisch: Sobald Sie eine Aufgabe erledigt haben, belohnen Sie sich mit einer Kleinigkeit - gehen Sie spazieren, rufen Sie einen Freund an oder gönnen Sie sich etwas.
  • Ändern Sie die Dinge. Einfache Veränderungen können Ihnen eine neue Perspektive geben. Versuchen Sie zum Beispiel, schwierige Arbeitsaufgaben auf Post-it-Zettel zu schreiben, damit Sie sie zu Kugeln formen und in den Müll werfen können, wenn Sie sie erledigt haben.
  • Erstellen Sie einen Soundtrack für Ihren Arbeitstag. Stellen Sie unterschiedliche Playlists für verschiedene Arten von Aufgaben zusammen. Wenn Sie Ihre Energie und Ihren Rhythmus auf die Musik abstimmen, kann dies ein effektiver Weg sein, um während des Tages eine positive Dynamik aufzubauen.
  • Variieren Sie Ihren Arbeitsort. Haben Sie das Gefühl, immer im selben Trott zu sein? Abwechslung heißt das Zauberwort. Gehen Sie in Ihr Lieblingscafé, um sich in Ruhe einer kniffligen Herausforderung zu widmen, oder erledigen Sie Ihren nächsten Anruf bei einem Spaziergang oder im Garten, während sie einen Espresso-Macchiato genießen. Sie werden sehen, ein vorübergehender Ortswechsel kann erholsam, verjüngend und mitunter auch sehr lustig sein.
  • Und ganz wichtig: Vergessen Sie nicht, Ihre Mitarbeiter dazu zu ermuntern, es Ihnen gleich zu tun. Es funktioniert, versprochen...

DIE AUTORIN

Barbara Stöttinger, Dekanin WU Executive Academy

Barbara Stöttinger, Dekanin WU Executive Academy

Barbara Stöttinger ist Dekanin der WU Executive Academy. Sie absolvierte ihr Doktoratsstudium an der WU und habilitierte sich 2003 im Fachbereich Internationales Marketing.

Vor ihrer Zeit am Institut für Internationales Marketing Management war sie im Marketing eines internationalen Konsumgüterherstellers (Consumer Electronics) und in der Beratung tätig. Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem längere Zeit in die USA und Kanada. Darüber hinaus arbeitet Barbara Stöttinger seit Jahren als Vortragende für Marketing und Internationales Marketing in Europa, Asien und Nordamerika und wurde mehrfach mit Teaching Awards ausgezeichnet.


WU Executive Academy

Die WU zählt seit über 120 Jahren zu den führenden Hochschulen weltweit und bündelt in der WU Executive Academy ihr Programmportfolio im Bereich „Executive Education“. Zu diesen zählen MBA, Master of Laws und Professional Master Programme, das Universitätsstudium Diplom BetriebswirtIn, Universitätslehrgänge, kompakte Weiterbildungsprogramme und Custom Programs. Die WU Executive Academy gehört heute zu den führenden Weiterbildungsanbietern in Zentral- und Osteuropa.

Durchschnittlich 750 Graduate Students und ca. 900 Führungskräfte, Fachleute und High-Potentials aus über 75 Ländern werden jedes Jahr in den Programmen aus- und weitergebildet. Studienreisen und Lehrgänge finden derzeit in über 15 Ländern und auf drei Kontinenten statt. Die Vortragenden setzen sich aus international renommierten ProfessorInnen und Top-ManagerInnen zusammen, wobei das berufsbegleitende Format der Programme effizientes, interdisziplinäres und nachhaltiges Lernen parallel zum beruflichen Alltag garantiert. executiveacademy.at

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