
Die Kabarettistin Sonja Pikart wird für ihren scharfsichtigen Blick auf das Menschsein gefeiert. Ihr neues Programm heißt „Stark“ und beschäftigt sich mit den Schwächen des Optimierungswahns.
trend: Warum heißt es hierzulande immer noch: Über Geld spricht man nicht?
Sonja Pikart: Also, ich rede ja wahnsinnig gerne über Geld. Ist ja auch wichtig – wie soll man sonst merken, ob man unfair bezahlt wird?
trend: Sie sind studierte Humanbiologin, haben auch ein Schauspielstudium abgeschlossen, um sich dann als Kabarettistin an den Marotten der Menschen um Sie herum abzuarbeiten. Wie strategisch sind Sie denn im Umgang mit Ihren Finanzen?
Ich bin ehrlich gesagt immer wieder erstaunt darüber, wie gut ich das hinkriege. Ich mache mir nämlich keinen Plan, werfe nur unregelmäßig einen Blick auf mein Konto und gebe gerne Geld aus – aber ich habe wohl eine recht gute Intuition und merke schnell, wann ich mich mal wieder ein bisschen einschränken sollte.
trend: Wie viel Humor bleibt angesichts der aktuellen Wirtschaftsverhältnisse?
Ich glaube, Humor ist das Einzige, was uns da durchbringt. Das Soda-Zitron kostet fünf Euro – wenn ich darüber nicht lachen kann, muss ich weinen.
trend: Was hat Sie denn familiär im Umgang mit Geld geprägt?
Wie die meisten Menschen meiner Generation habe ich auch von meinen Eltern ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken mitbekommen – was mitunter nützlich ist, einem aber auch oft im Weg stehen kann. Hätte ich mich nur davon leiten lassen, wäre ich nie Künstlerin geworden.
trend: Was schade wäre, denn es läuft: Preise, Topkritiken, neues Programm. Bleibt die Angst, dass es auch wieder anders sein kann bzw. ist finanzielle Absicherung ein Thema in Ihrem Leben? Und was halten Sie für eine gute Anlagestrategie?
Ich finde eine gewisse Vorsorge sehr wichtig und versuche auch, mir einiges beiseitezulegen. Aber irgendwo hört der Spaß auf – bei Krypto bin ich raus, das kostet mir zu viel Lebenszeit. Letztes Jahr habe ich eine Wohnung gekauft. Nachdem die Bank mich etwa zwei Monate lang ausgelacht hat, hat sie mir dann doch noch einen Kredit gegeben. Den werde ich circa mit 102 abbezahlt haben, und dann gibt’s eine richtig fette Einweihungsparty!
trend: Was halten Sie für Ihren ganz persönlichen kleinen Reichtum?
Meine Zucchinipflanze. Ich befürchte, wenn ich all die Zucchinis verkaufen würde, die dieses Monster innerhalb eines Sommers erzeugt, würde ich mehr verdienen als mit Kabarett. Vielleicht verbinde ich das mal und verkaufe nach meinen Shows signierte Zucchinis.
trend: In Ihrem neuen Programm durchleuchten Sie das „Schneller, höher, stärker“ einer Gesellschaft von High Performern. Was wird heute überbewertet?
Wir versuchen gerade, alles, wirklich alles, zu optimieren – Finanzen, unseren Körper, sogar unsere mentale Gesundheit. Ich glaube, überbewertet wird die Idee, dass irgendwas Tolles passiert, sobald wir die beste Version von uns selbst sind. Wahrscheinlich ist man dann sehr perfekt, aber auch sehr müde.
trend: Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?
Da fällt mir einiges ein: Gala für Rheinmetall, Autorin für Politikerreden, Comedy-Festival in Riad, Politsatire auf Only Fans, Werbung für Nestlé, Tiere auf der Bühne …
trend: Wofür geben Sie leichten Herzens viel Geld aus?
Ich liebe gutes Essen, das ist auf jeden Fall an erster Stelle, außerdem habe ich eine Schwäche für Mode. Reisen definitiv auch – aber nur mit Zug.
trend: Wofür sind Sie sich zu neidig?
Für ein Auto würde ich nie Geld ausgeben, ich finde das ein furchtbares Fortbewegungsmittel. Mir ist schleierhaft, wieso Leute das mit Freiheit assoziieren. Hin und wieder borge ich mir eins aus, fahre fünf Kilometer, um irgendwas irgendwohin zu bringen, und davon muss ich mich dann eine Woche erholen.
trend: Was war das Verrückteste, das Sie sich bisher geleistet haben?
Als mir 2024 der Österreichische Kabarettpreis verliehen wurde, habe ich mir von einem Designer einen Halsschmuck anfertigen lassen – das war sehr verrückt, aber hat sich wahnsinnig gut angefühlt!
trend: Was empfinden Sie als Luxus?
In erster Linie Zeit! Ich bin so viel unterwegs, dauernd auf Tournee, da ist es einfach der größte Luxus, nach Hause zu kommen und einfach mal ein paar Stunden am Balkon zu sitzen, Kaffee zu trinken und gar nichts zu tun.
trend: Und wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Essen – immer wieder Essen.
Zur Person
Sonja Pikart, 41. Die geborene Deutsche studierte Humanbiologie in Marburg, ehe sie 2009 nach Wien kam, um am Konservatorium Schauspiel zu studieren. Nach Erfahrungen am Theater, u. a. bei der immersiven Gruppe Signa, entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Kabarett. 2015 hatte ihr Debütprogramm „Gluten Abend!“ Premiere. Für ihre scharfsichtigen Gesellschaftsanalysen vielfach preisgekrönt (Österreichischer Kabarettpreis, Salzburger Stier), ist Pikart auch in den ORF-Formaten „Pratersterne“ oder „Was gibt es Neues?“ zu Gast. Am 23. 9. hat ihr fünftes Programm, „Stark“, Premiere: Kabarett Niedermair, 19.30 Uhr, sonjapikart.com
Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 4. September 2026 erschienen.