
Bis Ende Juni steht der scheidende Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger noch als Da Ponte auf der Bühne, danach „taucht" er am Roten Meer ab, wo er in eine Immobilie investiert hat.
trend: Als Direktor eines großen Theaters ist man natürlich auch mit den Budgetfragen konfrontiert. Haben Sie privat eine gute Hand fürs Geld?
Herbert Föttinger: Es gibt bei der Erste Bank so eine App namens George, da kann man abfragen, wie fit man ist in seinen Geldgeschäften, also was man wofür ausgegeben hat. Ich bin ein spielerischer Mensch und gehe das gerne durch. Aber ich liege da, wenn ich ehrlich bin, mit meinen Einschätzungen meistens daneben. Ich habe aber im Laufe der Jahre die Cervik’sche Haltung angenommen (Anm: Föttingers Ehefrau ist Sandra Cervik), die da lautet: Es wird sich schon ausgehen.
Haben Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer?
Das kann ich nicht verallgemeinern. Aber ich glaube, dass meine Frau besser mit Geld umgehen kann, sie hat ein gutes Organisationstalent, während ich eher zu sinnlosem Verschwenden neige, ich lade gerne ein. Dadurch, dass ich als Direktor im Thespiskarren eingespannt war, hatte ich auch immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, und um das zu beruhigen, habe ich viel in Familienurlaube investiert, wo Geld keine Rolle spielte. Ein Zauberwort war Upgraden.
Hätten Sie in Ihren Anfangsjahren gedacht, dass Sie von Ihrer Kunst leben können? Oder gab es einen Plan B?
Nein. Ich wusste damals nicht und wüsste auch heute nicht, was ich sonst hätte machen sollen. Aber es gab eine Phase, wo es mir nicht so gut ging, Anfang der 90er-Jahre, als ich tatsächlich nicht wusste, wie es weitergeht, habe ich eine Reise auf die Malediven gemacht und einen Tauchkurs. Und für einen kurzen Moment habe ich überlegt, als Tauchlehrer dort zu bleiben – dann kam das Engagement an der Josefstadt.
Hat Sie das Spiel an der Börse je interessiert?
Nie. Aber jetzt habe ich auch ein Konto, wo nur ägyptische Pfund drauf sind, da sieht man, wie Politik und Währung ein Spiel treiben. Das beobachte ich.
Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Wie wirtschaftliche Prozesse auch politisch gesteuert werden können. Die ganze Welt schlittert gerade in eine Krise, die ein Land alleine gar nicht bewältigen kann. Schon gar nicht Österreich. Da wird etwa eine Meeresstraße gesperrt, und alles bricht wirtschaftlich zusammen.
Wie haben Sie für die demnächst eintretende Pension vorgesorgt?
Nicht wirklich gut, das muss ich ehrlich sagen. Heute würde ich in eine zusätzliche Pensionsvorsorge investieren. Meine Vorsorge, wenn es wirklich eng wird, sind die Immobilien, die wir haben.
Sie haben auch in Ägypten in eine Immobilie investiert. Riskante Anlage oder neues Abenteuer?
Ich wollte damit nie ein Geschäft machen. Mir ging es lediglich darum, mich auf etwas in der Zukunft freuen zu können. Ich bin leidenschaftlicher Taucher, und wir sind gerne im Warmen, wenn es hier ab Jänner trüb, grau und kalt ist.
Was halten Sie heute sonst noch für ein sinnvolles Investment? Gold? Bitcoins?
Gold und auch Uhren. Bei Bitcoins kenne ich mich überhaupt nicht aus, das klingt für mich wie eine Gefahr aus dem Darknet.
Wofür geben Sie leichten Herzens Geld aus?
Wahnsinnig gern fürs Leben, für eine Form von bacchantischem Leben: essen, trinken, reisen. Autos dagegen sind nicht mein Thema.
Guilty Pleasures?
Schöne Uhren.
Was war denn das Verrückteste, das Sie sich geleistet haben?
Als ich im Volkstheater gespielt habe, habe ich mir, obwohl ich gar nicht viel verdient habe, aus lauter Freude über eine tolle Probe ein Sofa um 42.000 Schilling gegönnt.
Was halten Sie für Ihren persönlichen Reichtum?
Meine Familie. In all den schwierigen Phasen des Lebens, Höhen wie Tiefen, fühlt man sich nirgendwo so geborgen und aufgehoben, als wenn man eine empathische Familie hat.
Karte oder Bargeld?
In jüngster Zeit hat die Karte gewonnen. Aber in Ägypten brauche ich Bargeld, weil man auch Bakschisch geben muss.
Was empfinden Sie als Luxus?
Wenn man finanziell so abgesichert ist, dass man sich auch spontan einen Wunsch erfüllen kann und nicht ein Jahr drauf sparen muss.
Was würden Sie als Künstler auch für viel Geld nicht machen?
„Dancing Stars“ oder „Dschungelcamp“. Man kann ja auch in Würde sterben.
Und wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?
Für die Gesundheit meiner Frau und meiner Familie. Dafür würde ich alles hergeben.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 12. Juni 2026 erschienen.
