
Schauspielerin, Sängerin, Intendantin: Maria Happel hat viele Talente. Strategische Finanzplanung zählt sie nicht dazu.
TREND: Sie stehen als Schauspielerin wie Sängerin auf der Bühne, sind Regisseurin, Pianistin, Autorin und nicht zuletzt Intendantin der Festspiele Reichenau, also mit reichlich Talent ausgestattet – wie talentiert sind Sie denn im Umgang mit Geld?
Maria Happel: Da könnte ich mir bei der einen oder anderen Talentvergabe von mir etwas abschneiden.
Haben Sie Ihren Kontostand parat? Wissen Sie, wo das Geld am Monatsende geblieben ist?
Das weiß ich alles nicht. Aber das macht auch nichts. Ich komme gut klar, so, wie es ist. Das Geld reicht. Nicht mehr und nicht weniger. Es wächst einfach mit den Aufgaben mit. Ich bin auch niemandem neidisch, der mehr hat. Manchmal denke ich, die Nachhilfestunden von meinen Töchtern wären zwei sehr schöne kleine Eigentumswohnungen geworden. Aber man soll ja in Bildung investieren. Und das habe ich getan.
Was hat Sie denn familiär im Umgang mit Geld geprägt? Und was haben Sie Ihren Töchtern weitergegeben?
Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Wenn Maria Geld hat, haben alle Geld.‘ Und das ist so. Bei meinen Töchtern ist das sehr unterschiedlich: Die eine hat schon als Kind auf ihre Zimmertür geschrieben: ‚Bank und Steuer‘ und hat auch, als ich in Zürich gespielt habe, angefangen, Schweizer Franken zu sammeln, also die hatte schon als Kind einen Zugang dazu. Der Rest der Familie lebt eher so in den Tag hinein. Aber ich brauche auch keine besonderen Sachen, keine Markenartikel …
Es heißt, High Heels und modische Statements zählen zu Ihren Guilty Pleasures.
Ich brauche sie nicht, aber ich bin gerne großzügig, auch zu mir selbst. Ich mag es einfach, wenn ich nicht aufpassen muss, was ich ausgebe. Wenn ich im Schaufenster etwas sehe und davon ausgehe, dass es mir steht, dann kaufe ich es mir, ohne groß nachzudenken, ob ich es mir leisten kann. Aber das kommt nicht so oft vor.
Was war denn das Verrückteste, das Sie sich bisher geleistet haben?
In meinen Anfängen in Hannover gab es einen Laden mit Haute Couture, und da gab’s einen Mantel, der hat buchstäblich nach Maria Happel geschrien, hat aber eine ganze Monatsgage gekostet, damals 2.000 D-Mark. Ein Irrsinn. Aber ich habe ihn heute noch.
Haben Sie am Beginn Ihrer Karriere gedacht, dass Sie einmal von Ihrer Kunst leben können?
Meine Mutter hat immer gesagt: „Du kannst jederzeit wieder nach Hause auf den Weinberg kommen.“ Ich wollte in Plan A Kirchenmusik studieren, bevor Plan B, Schauspiel, zum Einsatz kam. Ich habe erst vor Kurzem meine Geschwister in Elsenfeld im Spessart besucht, bin die verwinkelten Gassen abgegangen und habe drüber nachgedacht, wie es möglich war, von dort dahin zu kommen, wo ich heute bin. Meine Eltern hatten immer wenig Geld, und ich habe schon mit neun Jahren begonnen, bei der Messe die Kirchenorgel zu spielen, und dafür Geld bekommen, dann habe ich Klavierunterricht gegeben … also ich habe mich immer für meine Pläne eingesetzt.
Was halten Sie für Ihren ganz persönlichen Reichtum?
Meine Familie. Und der größte Reichtum ist wohl Zufriedenheit. Wenn man zufrieden ist, schließt das viele Dinge wie Neid, Gier oder Habgier aus. Bis auf die Neugier, auf die möchte ich nie verzichten.
Gibt’s schon Träume für die Pension, etwa von einer gepflegten Seniorenresidenz?
Ich habe mich eigentlich immer im Künstlerheim in Baden gesehen, und dann dort einmal im Jahr mit den anderen Gleichgesinnten Theater spielen. Aber mein Mann und ich haben uns ein kleines Häuschen am Semmering gekauft, lange bevor ich Intendantin in Reichenau wurde. Einfach als Ort, wo wir gemeinsam alt werden wollen.
Wer hat denn im Künstlerhaushalt die Finanzhoheit?
Ich bin die Hauptverdienerin, das hat sich so ergeben. Aber wir haben immer getrennte Konten gehabt, das meiste wird geteilt, der Rest ergibt sich: Wer gerade einkauft, zahlt …
Was empfinden Sie als Luxus?
Zeit zu haben für ein Miteinander. Mein Mann und ich leben ja immer noch auf engem Raum mit den Töchtern zusammen, und es ist herrlich, dass wir das immer noch genießen können. Und ein Teil meiner Familie ist mir hinterhergezogen. Also für mich ist Luxus, wenn sonntags 15 Menschen am Familientisch sitzen.
Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Dafür, ein Jahr in die Zukunft schauen zu können.
Dieser Artikel ist in der trend.EDITION vom 26. Juni 2026 erschienen.