
Mit Norwegerpulli und entschleunigtem Schmäh zählt Benedikt Mitmannsgruber zu den Stars einer neuen Kabarettgeneration. Neben ETFs investiert er auch in seine Tenniskarriere.
trend: Kind zeugen, Haus bauen – in Ihrem letzten Programm nahmen Sie die Lebensplanung Ihrer Freunde ins Visier. Wie gut haben Sie Ihre eigene finanzielle Planung im Griff?
Benedikt Mitmannsgruber: Ich würde sagen, dass ich relativ gut mit Geld umgehen kann. Da materielle Dinge für mich wenig Wertigkeit haben, gebe ich eigentlich sehr selten Geld für etwas aus. Die große Ausnahme ist Tennis – hier gibt es für mich keine Grenzen. Ich investiere sehr viel in meine Karriere, leider hat sich das bis jetzt aber noch nicht ausgezahlt.
Sie haben Lehramt studiert. Für wie wichtig halten Sie Finanzbildung?
Finanzbildung müsste viel näher an der Praxis sein. Der aktuelle Trend bei meiner Generation geht immer mehr in Richtung Selbstoptimierung, Geld wird oft nur noch dafür verwendet, sich selbst zu perfektionieren. Ich fände es wichtig, Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Geld wieder einen solidarischen Zugang zu vermitteln. Viel Geld macht selten glücklich, aber eine funktionierende Demokratie schon.
Ihr neues Programm „1996“ ist eine Reise in Ihre Vergangenheit. Was hat Sie familiär in Sachen Geld geprägt?
Ich bin in einer klassischen Mühlviertler Mittelstandsfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Maurer und hat sich später zum Berufsschullehrer weitergebildet. Meine Mama war Einzelhandelskauffrau und arbeitet jetzt in einer Gärtnerei. Von meinem Papa habe ich gelernt, sich nicht selbst zu bereichern, sondern anderen zu helfen. Er war in Dutzenden Vereinen aktiv und hat jeden Sommer Verwandten auf Baustellen geholfen – ohne je Geld dafür zu verlangen. Meine Mama ist genauso. In dieser Hinsicht habe ich mir glücklicherweise sehr viel von meinen Eltern mitgenommen. Status und Materialismus waren in unserer Familie nie ein Thema, dafür bin ich sehr dankbar.
Was macht Geld mit Menschen?
Meistens nichts Gutes, wenn man einen Blick in die Epstein-Files wirft. Viele reiche Menschen glauben, dass es für sie keine Konsequenzen gibt – und leider stimmt das zum Teil auch. Ein gutes Beispiel dafür ist der derzeitige Präsident der USA.
Ist finanzielle Absicherung ein Thema in Ihrem Leben als freischaffender Künstler oder genügt der Norwegerpulli?
Der Norwegerpulli sollte reichen! Aber ja, ich versuche derzeit schon, mich ein wenig abzusichern, falls ich meinen Beruf irgendwann nicht mehr ausüben kann. Irgendwann möchte ich auch eine Familie gründen und vielleicht wieder aufs Land ziehen. Außerdem ist es mein Traum, einmal ein Jahr Pause zu machen und wieder runterzukommen. Durch Social Media und die ständige Ablenkung vergeht die Zeit für mich einfach zu schnell. Ich weiß zum Beispiel nicht, wie es passieren konnte, dass ich im Juni 30 werde. Das versuche ich derzeit zu rekonstruieren.
Wie investieren Sie?
In diesem Bereich kenne ich mich leider zu wenig aus. Glücklicherweise hat sich meine Freundin intensiv informiert. Sie hat mir empfohlen, mein Geld in nachhaltige ETFs anzulegen, was ich inzwischen auch gemacht habe. Außerdem habe ich seit zehn Jahren einen Bausparer bei der Raiffeisenbank in Liebenau – darin ruhen meine gesamten finanziellen Hoffnungen.
Was halten Sie für Ihren persönlichen Reichtum?
Ich bin unfassbar dankbar, dass ich diesen Job machen darf. Generell führe ich ein sehr privilegiertes Leben. Ich habe eine wunderschöne Wohnung und bin in einer sehr glücklichen Beziehung. Mehr brauche ich nicht.
Keine Guilty Pleasures? Wofür geben Sie denn Geld aus?
Die einzigen drei Bereiche, für die ich wirklich Geld ausgebe, sind Tennis, Kino und Reisen. Über teure Kleidung oder Autos habe ich mir noch nie viele Gedanken gemacht.
Was war das Verrückteste, das Sie sich geleistet haben?
Ich weiß nicht, ob das wirklich verrückt ist, aber ich mache mit meiner Freundin und einem anderen Paar einen einwöchigen Tennisurlaub in Kroatien. Wir haben jeden Tag zwei Stunden Tennistraining und wollen damit im Sommer an die Weltspitze anschließen.
Haben Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer?
Ja. Tendenziell gibt es auf der Welt mehr Männer, die ihr Geld dafür einsetzen, Kriege zu finanzieren, die Gesellschaft zu spalten und Minderheiten zu unterdrücken.
Was bedeutet Luxus für Sie?
In der Früh gesund aufzuwachen, mit meiner Freundin und meinem Hund einen langen Spaziergang auf den Pöstlingberg zu machen und danach vielleicht noch zwei Stunden am Tennisplatz zu verbringen.
Wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?
Vermutlich für einen veganen Döner beim Front Food in Linz!
Zur Person
Benedikt Mitmannsgruber, 29. Der Oberösterreicher begann schon neben seinem Lehramtsstudium, Texte zu schreiben. 2018 gab's den ersten Auftritt. Mittlerweile bringt der Mann mit dem signifikanten Bühnenoutfit sein drittes Soloprogramm auf die Bühne. „1996" ist eine furiose Reise durch die Vergangenheit von Mitmannsgrubers Familie und seinen eigenen absurden Alltag, eine Liebeserklärung an die vergessenen Kaffs und eine Hommage an das Aufwachsen im Nirgendwo.
Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 6. März 2026 erschienen.
