Sprechen Sie Wirtschaft, Theres Cassini?

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Theres Cassini
 © Theres Cassini

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Die Künstlerin Theres Cassini schätzt ihre finanzielle Unabhängigkeit und hat mit einem gut aufgearbeiteten Werkarchiv vorgesorgt.

trend: Geld schafft wirtschaftliche und persönliche Sicherheit. Was ist Ihr persönlicher Zugang?

Theres Cassini: Ich bin mir ziemlich sicher, keine libidinöse Beziehung zu Geld zu haben. In meiner Kindheit bekamen meine drei Geschwister und ich – nach Alter gestaffelt – wöchentlich Taschengeld, über das wir frei verfügen konnten. So habe ich sehr früh gelernt, mit Geld umzugehen.

Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?

Ärger ist nicht das richtige Wort, es ist eher ein Gefühl der Ohnmacht, einem selbstzerstörerischen System ausgeliefert zu sein, auf das man keinen Einfluss hat.

Was hat Sie familiär im Umgang mit Geld geprägt?

Mein Vater hatte einen kleinen Handwerksbetrieb, aber er war kein Geschäftsmann. Es kam schon vor, dass er unter der Woche, wenn schönes Wetter war, seine vier Kinder in den VW-Bus packte und zum Skifahren oder Baden fuhr. Lebensqualität kam vor dem Geschäft. Wir hatten immer eine Jause mit dabei, ein Lokalbesuch kam nicht in Frage. Wir lebten sparsam, hatten aber immer genug, und ich hatte nie das Gefühl, dass zu wenig da war. Über Geld wurde nicht gesprochen.

Sie sind mit einem Wirtschaftspsychologen verheiratet. Halten Sie Finanzbildung für eine Schlüsselkompetenz für ein selbstbestimmtes Leben?

Das Finanzwesen ist ein äußerst komplexes System und wird – öfter, als man glaubt – von Irrationalitäten und psychischen Befindlichkeiten beeinflusst. Wissen darüber ist unentbehrlich.

Als freiberufliche Künstlerin lernt man früh, wie man in einkommensschwachen Zeiten überlebt. War eine gewisse finanzielle Absicherung dennoch Thema in Ihrem Leben? Und nach welcher Strategie haben Sie vorgesorgt?

Unabhängigkeit war mir immer wichtig. Bevor ich von meiner Kunst leben konnte, habe ich daneben als Auftragsfotografin für Museen und Werbeagenturen gejobbt. Damals konnte man damit noch gutes Geld verdienen. Meine Absicherung/Vorsorge ist ein gut aufgearbeitetes Werkarchiv – meine Kunst ist meine Sicherheit.

Sehen Sie Kunst als Investment?

Ich sehe Kunst als emotionales Investment, im Gegensatz zur Kunst, die in Zollfreilagern als reines Investment gehortet wird.

Was halten Sie für Ihren ganz persönlichen Reichtum?

Dass ich seit 28 Jahren in einer glücklichen, ausgefüllten und wertschätzenden Beziehung mit meinem Mann lebe, und das in einem Land, in dem ich uneingeschränkt über meine Ausdrucksmöglichkeiten bestimmen kann.

Haben Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer?

Geld ist Macht – und diese Macht ist ungleich verteilt. In patriarchalen Systemen bedeutet dies für Frauen vor allem Abhängigkeit. Diese Erfahrung prägt das Verhältnis zu Geld bis heute. Wer zahlt, entscheidet.

Gutes Essen, Design, Ihre Katzen, Mode, Pflanzen, andere Guilty Pleasures? Wofür geben Sie leichten Herzens viel Geld aus?

Essen, Design und Mode schaffe ich mir selbst, bei Katzen, Pflanzen und kulturellen Aktivitäten wird nicht gespart.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?

Meine Tendenz, Dinge, die mich begeistern, in großen Mengen zu kaufen, verführte mich vor 30 Jahren dazu, am Wiener Flohmarkt über 100 Stück ramponierte, zerfledderte, kindsgroße italienische Bettpuppen zu erwerben. Doch letztlich hat sich diese Unmäßigkeit als Glücksfall für mein aktuelles Kunstprojekt „Objekt. Subjekt. Abjekt.“ erwiesen.

Was empfinden Sie als Luxus?

Luxus ist für mich das Privileg, in relativer Sicherheit zu leben – im Bewusstsein, dass diese Sicherheit weder selbstverständlich noch gerecht verteilt ist.

Wofür würden Sie Ihren letzten Cent investieren?

Ich würde ihn der Zeit entziehen. Ich würde ihn einfrieren. Wortwörtlich – als Skulptur. So wie ich bei meinem „Glühend Eis“-Projekt Blüten eingefroren habe. Ein letzter Cent ist keine Währung mehr – er ist nur ein Moment.

Zur Person

Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 22. Mai 2026 erschienen.

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