Sprechen Sie Wirtschaft, Hans Schabus?

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 © Dorothea Brunialti

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Die Architektur- und Rauminterventionen des Künstlers Hans Schabus zwingen zur Wahrnehmungserweiterung im räumlichen Denken. Hier schildert er seine Wahrnehmung in Sachen Investment und Wirtschaft.

trend: In Ihrer bildhauerischen Arbeit wie auch in der als Professor an der Universität für angewandte Kunst steht im Zentrum, den Dingen auf den Grund zu gehen, sehr genau hinzuschauen. Haben Sie auch Ihr Finanzgebaren so gut im Blick?

Hans Schabus: Grundsätzlich ja. Ich bin auf einem Bauernhof in Kärnten aufgewachsen, und ein Bauernhof ist vielleicht so etwas wie der Ursprung von Wirtschaft. Was ich da gelernt habe, ist, die Dinge, die man zum Leben oder für die Arbeit braucht, zu organisieren und darüber hinaus auch ein monetäres Einkommen zu generieren.

trend: Was hat Sie denn sonst familiär geprägt?

Eine Form von Selbstbestimmung und Autonomie, eine Verantwortung für die eigenen Handlungen. Das deckt sich auch gut mit dem künstlerischen Feld. Die Arbeit verlangt in beiden Bereichen viel Identität.

trend: Die meisten Menschen arbeiten für Geld. War Geld auch je ein Antrieb für Sie?

Nein, tatsächlich nicht. Als ich angefangen habe, künstlerisch zu arbeiten, war nicht daran zu denken, davon leben zu können. Die Kunst war ein emanzipatorischer Vorgang.

trend: Sie sind heute ein arrivierter Künstler. Ist eine finanzielle Absicherung Thema in Ihrem Leben?

In diesem Beruf ist Altersarmut ein großes Thema. Das realisiert man als junger Künstler nicht und investiert alles Geld und Energie in die künstlerische Arbeit. Die Dynamiken eines künstlerischen Lebens unterliegen großen Schwankungen, weil wir Dinge verfertigen, die keine klare Funktion haben, und dadurch den Geschicken der Diskurse und der eigenen Möglichkeiten darin ausgesetzt sind. Vor ein paar Jahren habe ich jedenfalls begonnen, mir einen Notgroschen zurückzulegen.

trend: Wie sieht da Ihr Investmentplan aus?

Ich habe immer einen Bausparer laufen, der verlangt nicht viel und bringt alle paar Jahre ein bisschen Spielraum. Seit meiner Studienzeit zahle ich einen Minimalbetrag in eine Privatpension, da kommt auch was zusammen. Am Land investiere ich in ein ehemaliges Sägewerk für meine Arbeit, aber das ist eher ein künstlerisches denn ein finanzielles Investment.

trend: Was ärgert Sie denn am aktuellen Wirtschaftssystem?

Für mich ist die Umverteilungsproblematik ein großes Thema. Ich sehe, dass es die Politik nicht schafft, Themen wie Vermögens und Erbschaftssteuer umzusetzen. Bizarr, dass der Industriellenpräsident mit Bannern wie „Todessteuer“ durch die Lande zieht. Und wo bleibt überhaupt die Klimawirtschaft?

trend: Aktuell ist Florentina Holzinger mit Ihrem Biennale-Beitrag in aller Munde. Sie haben Österreich – nicht minder spektakulär – bereits 2005 in Venedig vertreten. Was ist denn so eine Biennale-Teilnahme „wert“?

Die Biennale ist sicher eine unglaubliche Chance für große Sichtbarkeit. Wenn eine Arbeit dann das Prinzip der Erkennbarkeit und Wiederholung längerfristig weiter interessant gestalten kann und will, dann freut sich der Markt. Es gibt aber auch den künstlerischen Wert, der andere Wege nehmen kann. Wert verweist auch auf die, die nachfragen. Der Marktwert entspricht ja nicht unbedingt dem künstlerischen Wert.

trend: Wissen Sie noch, wofür Sie Ihr erstes selbst verdientes Geld ausgegeben haben?

Ich war als Jugendlicher Briefmarkensammler und habe von meinem ersten Ferialjob Briefmarken gekauft. Das war mein Museum, damit habe ich die Welt kennengelernt. 6.000 Briefmarken, die ich vor etwa 15 Jahren neu nach Farben geordnet habe. Daraus ist die Arbeit „Welt“ entstanden, die jetzt im Nationalmuseum in Monaco beheimatet ist.

trend: Wofür geben Sie heute leichten Herzens Geld aus?

Für Bücher und Schallplatten. Ich mag auch werthaltige Dinge, egal, ob Werkzeug oder Alltagsgegenstand. Dinge, die mir mehr erzählen, als das, was sie vorgeben zu sein. Ah ja, und ich esse gerne.

trend: Was bedeutet Luxus für Sie?

Mein Luxus ist, mich freizumachen, aufs Rad zu setzen und für ein paar Wochen mit möglichst wenig Gepäck und ohne Termine unterwegs zu sein.

trend: Was war denn das Verrückteste, das Sie sich bisher geleistet haben?

Am Ende meiner fünfwöchigen Radreise mit meinem Hund Enzo, im ersten pandemischen Sommer, habe ich in Tarifa das Fahrrad zusammengepackt, um es per Post retour zu schicken. Enzo und ich mussten dringend zum Zug nach Sevilla, aber kein Bus hat Hunde mitgenommen. So sind wir dann über drei Stunden mit dem Taxi gefahren.

trend: Und wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?

Für eine Leberwurst vom Stich am Karmelitermarkt.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 14. August 2026 erschienen

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