Sprechen Sie Wirtschaft, Michael Schade?

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Startenor Michael Schade
 © Lukas Beck

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Startenor Michael Schade erklärt, warum er in Sachen Finanzen nur seiner Frau vertraut und die Familie auch sein größter Reichtum ist.

trend: Musikalischen Menschen wird oft auch ein spezielles Verhältnis zu Zahlen nachgesagt. Wie gut sind Sie denn im Umgang mit Geld?

Michael Schade: Manche glauben ja eher, dass Musiker nur von Luft und Liebe leben. Aber ich bin auch studierter Naturwissenschaftler. Der Bezug zu Mathematik sollte sich bei einem Sänger wie bei jedem freiberuflichen Künstler weniger beim Addieren als beim Subtrahieren zeigen. Denn am wichtigsten ist es, zu wissen, was von einer schönen Gage am Ende aller Abzüge und Spesen überbleibt.

trend: Was hat Sie denn familiär in Sachen Geld geprägt?

Mein Vater war Ingenieur, ich komme aus einer mathematisch versierten Familie, da wurde genau abgerechnet und finanziell geplant. Ich glaube aber, die wichtigste Regel, die ich gelernt habe, ist, die Füße am Boden halten zu können und nicht abzuheben.

trend: Ist finanzielle Vorsorge für den Startenor ein Thema? Und was halten Sie in inflationären Zeiten für ein sicheres Investment?

Unsere Welt ist eine schnelllebige, vor allem im Showbusiness gilt: Du bist nur so gut, wie dein Kalender voll ist. Man muss also Geld auf der Seite haben. Dazu sollte man immer ausbalancieren, wo es sicher ist. Aktien können einen Absturz erleiden, aber wenn man sein Geld nur unter die Matratze legt, kann es auch gestohlen werden.

trend: Sie gelten ja als sehr gläubiger Mensch – wem vertrauen Sie denn da bei der Geldanlage?

Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich nur die Hände aufmachen muss, und der liebe Gott wird mir alles schenken. Meine Geheimwaffe ist meine Frau. Sie ist eine gloriose Mischung von Mutter Teresa und einem deutschen Feldmarschall, auch wenn sie Kanadierin ist. Sie hat einen irrsinnig guten Riecher für alles, was Finanzen angeht. Wir investieren auch in aggressivere Fonds, auf die wir aber immer ein Auge haben. Und natürlich sind Immobilien wunderbar. Unsere Immobilie in Wien ist ein Traum, sie ist um das Doppelte gestiegen. Das ist ein Glück und lässt einen auch besser schlafen. Aber sie wird im Familienbesitz bleiben, weil wir sie lieben.

trend: Sie sind seit 14 Jahren erfolgreich Intendant der Internationalen Barocktage in Melk, singen an den wichtigsten Opern-und Konzerthäusern, unterrichten an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und leben in einer Patchwork Family mit acht Kindern. Was halten Sie für Ihren ganz persönlichen Reichtum?

Das Familienleben und die Möglichkeit zu haben, dass ich zwischen den Vorstellungen nach Hause fliegen kann oder dass meine Kinder zu mir fliegen können, dass ich sie weltweit besuchen kann oder dass ich sie einladen kann, gemeinsam Urlaub zu machen. Dafür geben wir viel Geld aus. Das ist mein Luxus. Das sind meine Reichtümer.

trend: Was war das Verrückteste, das Sie sich bisher geleistet haben?

Ich hatte, als ich einmal in Amsterdam geprobt habe, so eine Sehnsucht nach meiner Familie in Kanada, dass ich an drei Wochenenden hintereinander nach Toronto geflogen bin, für jeweils nur eine Nacht. Finanziell gesehen völlig absurd, aber nicht untypisch Schade. Aber ich habe, wie schon erwähnt, eine sehr clevere Frau, die bucht alles für mich und ist besser organisiert als jedes Reisebüro.

trend: Sie waren auch schon Feinschmecker des Jahres, gelten als guter Koch und Grillmeister. Wie viel darf gutes Essen kosten?

Ich koche tatsächlich sehr gerne und viel, auch mit meiner Frau gemeinsam. Und ich liebe auch guten Wein. Wobei beim Einkauf vor allem Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist. Wenn ich ein Lamm kaufe, schaue ich, woher das kommt. Bohnen aus Kenia lasse ich liegen.

Zur Person

Das Interview ist in der trend.EDITION vom 19. Dezember 2025 erschienen.

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