
Jennifer Frankl
©ARIANA SCHIRASI-FARDJenny Frankl, Co-Chefin des Simpl, weiß, wie man Pointen setzt. Warum aber am Ende des Geldes oft noch Monat übrig ist, weiß sie nicht.
trend: Am 15. 10. hat die neue Simpl Revue „Alles bleibt anders“ Premiere gefeiert, die Sie wieder gemeinsam mit Michael Niavarani geschrieben haben. Wo bleibt Ihnen aktuell das Lachen im Hals stecken?
Jenny Frankl: Das Lachen bleibt einem derzeit tatsächlich manchmal im Hals stecken. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so, dort kann es wenigstens nicht von der Inflation aufgefressen werden. Wir leben in einer Zeit, in der alles teurer wird, außer der eigenen Arbeitskraft, und die Weltlage täglich neue Gründe liefert, die Nachrichten gar nicht erst aufzudrehen. Gerade deshalb brauchen wir Satire: Wenn wir schon nichts zu lachen haben, können wir wenigstens darüber lachen, dass wir nichts zu lachen haben.
trend: Haben Sie eine gute Hand im Umgang mit Geld?
Ich kann überhaupt nicht mit Geld umgehen. Wie heißt dieses Sprichwort? „Wer das Geld zum Fenster hinauswirft, muss schauen, dass es zur Tür wieder hereinkommt.“ Tja. Das mit dem Fenster beherrsche ich hervorragend. Nur meine Tür scheint zu klemmen. Ich habe meistens am Ende des Geldes noch erstaunlich viel Monat übrig. Aber irgendwie geht es sich immer aus. Und falls ich mich frage, wo das Geld eigentlich geblieben ist, muss ich nur die Kinderzimmertüre öffnen. Labubus, Dumplings, Squishies – ich sehe teilweise die Kinder nicht mehr.
trend: Apropos, was hat Sie denn familiär im Umgang mit Geld geprägt?
Mein Vater. Obwohl es uns finanziell wirklich gut ging, hatte er Sparregeln, als müssten wir jederzeit mit dem wirtschaftlichen Totalzusammenbruch rechnen. Licht durfte grundsätzlich nur dort brennen, wo sich gerade ein Mensch befand. Beim Klopapier wurde es noch strenger: ein Blatt fürs große Geschäft.
trend: Ihre Programme sind auf Pointe geschrieben. Haben Sie auch in Sachen Geldanlage so ein gutes Gespür, was zündet?
Geldanlage ist eigentlich ganz einfach: Man braucht Geld, Zeit und Vertrauen. Ich hab von allem zu wenig. Bitcoins versteh ich nicht, Rüstungsaktien will ich nicht. Gold ist zu teuer, Start-ups sind für Leute mit mehr Nullen am Konto. Bleibt nur das Sparbuch, da weiß man wenigstens ganz genau, wie man sein Geld verliert.
trend: Notgroschen?
Ich finde, ein Notgroschen ist schon ein sehr beruhigendes Gefühl. Eine Notmillion wäre natürlich noch beruhigender. Ich hätte einfach gerne die Gewissheit, dass jederzeit die Waschmaschine, der Geschirrspüler und im Idealfall auch noch der Kühlschrank gleichzeitig eingehen können, ohne dass ich den Marktwert meiner Niere googeln muss.
trend: Reisen, Mode, Guilty Pleasures? Wofür geben Sie leichten Herzens viel Geld aus?
Momentan sind es definitiv die Reisen, die mich am meisten Geld kosten. Aber es ist auch unbezahlbar, die eigenen Kinder in einem schönen Kinderhotel sitzen zu sehen, vor einem All-inclusive-Buffet, 47 verschiedenen Gerichten und frisch gegrilltem Fisch – und sie kommen mit einem Teller nackerter Nudeln zurück. Aber gut, es sind Erinnerungen fürs Leben. Und ich achte zumindest darauf, möglichst viele schöne Fotos zu machen. Damit ich später den Therapeuten meiner Kinder beweisen kann, dass sie eigentlich eine wunderschöne Kindheit hatten.
trend: Was war denn das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Mein Ex-Mann.
trend: Haben Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer?
Nein, das glaube ich nicht. Ich kenne Männer, die sich hervorragend mit Geld und Veranlagung auskennen, und Männer, bei denen man froh sein muss, dass sie ihre Bankomatkarte richtig herum ins Gerät stecken. Bei Frauen ist das nicht anders. Wir müssen uns nur noch daran gewöhnen, unser eigenes Geld nicht nur auszugeben, sondern es auch für uns arbeiten zu lassen.
trend: Was empfinden Sie als Luxus?
Luxus bedeutet für mich vor allem, genug zu haben, um großzügig sein zu können. Ich finde, Geld ist dann am wertvollsten, wenn man damit nicht nur sich selbst eine Freude machen kann.
trend: Und wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Ich möchte so lange mit Michael Niavarani zusammenarbeiten, bis er wirklich nicht mehr kann. Mein letztes Geld wird also vermutlich für seine Altenpflege draufgehen. Aber beim Pflegepersonal werde ich auf eines bestehen: Mehr als ein Blatt Klopapier pro Geschäft gibt’s nicht. Mein Vater soll stolz auf mich sein und wissen, dass ich mit Geld umgehen kann.
Zur Person
Jennifer Frankl, 39. Die Wienerin absolvierte ihre Schauspiel-, Tanz- und Gesangsausbildung in Hamburg. Nach Engagements in den Kammerspielen, an der Volksoper und am Kabarett Simpl ist sie seit 2022 Autorin für die Simpl-Revue und teilt sich seit 2023 mit Michael Niavarani auch die künstlerische Leitung des Hauses. Die neue Revue „Alles bleibt anders" von Jenny Frankl und Michael Niavarani hat am 15. Oktober Premiere gefeiert.
Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 9. Oktober 2026 erschienen.