
Das Wiener Start-up Logicx AI lässt neuerdings KI-Agenten Bewerbungen schreiben und verschicken. Die Reaktionen zeigen: HR steht vor einem strukturellen Wandel.
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Wenn man als Start-up ganz am Anfang steht, muss man sich etwas einfallen lassen – wie das Wiener Unternehmen Logicx AI, das im Vorjahr von vier jungen Gründern ins Leben gerufen wurde. Das Start-up ist angetreten, um zu zeigen, dass künstliche Intelligenz in Unternehmen mehr leisten kann als bloße Unterstützung einzelner Aufgaben. Hierfür entwickelt ein siebenköpfiges Team virtuelle Mitarbeitende – quasi KI-Agenten mit Charakter –, die in bestehende Arbeitsprozesse integriert werden sollen. „Besonders relevante Einsatzbereiche sind dabei Vertrieb, Buchhaltung, Assistenztätigkeiten und administrative Aufgabenbereiche“, erzählt Co-Gründer Jakob Norman, der auch gleich die Zielgruppe nennt: „Unser Fokus liegt auf größeren KMU bis hin zu Enterprise-Kunden.“
In einer Werbekampagne wurde diese Zielgruppe nun adressiert. Man schickte eine Armada an virtuellen Mitarbeitenden auf Jobsuche. Die personifizierten KI-Agenten verfassten und verschickten dabei ihre Bewerbungen selbst. „Wir stellten uns die Frage, wie reagieren Unternehmen, wenn sich plötzlich kein Mensch, sondern ein virtueller Mitarbeiter bei ihnen bewirbt?“, so Norman.
50 Bewerbungen gingen raus, und erste Rückmeldungen gibt es auch schon. „Wir sehen einen spannenden Mix: Es gibt generische oder automatisierte Antworten, etwa dass das Profil nicht zu 100 Prozent zur Position passt, aber auch Rückmeldungen von Unternehmen, die sagen, dass KI für sie ein großes Thema ist, sie aber noch nicht genau wissen, wie sie damit starten sollen. Und erfreulicherweise gibt es auch großes Interesse an einem Austausch mit uns.“ Wichtig bei der Aktion war vor allem Transparenz. Norman betont, dass die KI-Agenten immer als KI aufgetreten sind. Die Ironie, dass die künstlichen Bewerber mitunter selbst automatisierte Antworten oder Absagen erhielten, ist dem Jungunternehmer durchaus bewusst.
Ein Paradoxon, das Lukas Görög von der Akademie für KI nicht sonderlich überrascht. Er erzählt dass die Verwendung von KI im modernen Bewerbungsprozess mittlerweile Usus ist. Das hätte die HR-Branche auf beiden Seiten verändert, so Görög: „Es gibt längst Tools, die selbstständig Stellen suchen, das Profil pflegen und massenweise Bewerbungen verschicken. Wenn ein Agent fünfzig Bewerbungen pro Woche rausschickt, gewinnt aber nicht mehr die beste Bewerbung, sondern oft die höchste Frequenz.“
Die Spielregeln verschieben sich und zwingen Unternehmen zum Umdenken. Erste Reaktionen sind bereits sichtbar. Es gibt wieder mehr persönliche Gespräche, Live-Assessments und Formate, in denen sich Denk- und Arbeitsweisen zeigen. Görög: „Die Rolle im Recruiting ändert sich, weg vom Verwalter, hin zum Talent Advisor. Daten und KI bringen die richtigen Leute auf den Tisch, wer am Ende zusammenpasst, entscheidet der Mensch.“
Dieser Artikel ist in der trend.EDITION vom 26. Juni 2026 erschienen.