
Der Wirtschaftsboom in Spanien hat auch den Aktienmarkt erfasst. Die US-Bank Goldman Sachs rechnet mit einem Anhalten der Rallye und steigt selbst groß bei mehreren Unternehmen ein.
Spanien ist 2026 eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas. Während ein Großteil der Eurozone mit schleppender Erholung kämpft, hat sich das Land mit einem BIP-Wachstum von 2,4 Prozent als wirtschaftlicher Vorreiter des Kontinents positioniert. Das schlägt sich auch auf den Kapitalmarkt nieder. Die Bolsa de Madrid ist in Rekordlaune. Der Ibex 35, der Index mit den 35 größten börsennotierten Unternehmen des Landes, hat mit 2.000 Punkten Anfang August sein All-Time-High erreicht. Der Lauf hat schon 2025 begonnen. Der Amundi-ETF auf den spanischen Leitindex hat in zwölf Monaten um 42 Prozent zugelegt.
Treiber der Rallye sind Spaniens Großbanken Santander (65 Prozent Plus in zwölf Monaten), BBVA und Caixabank (50 Prozent). Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank kommt den spanischen Banken zugute, da ein wichtiger Teil ihrer Darlehen zu flexiblen Raten festgesetzt ist. Laut Bloomberg empfehlen 78 der Analysten den Kauf spanischer Bankaktien. Aber auch der Energieriese Iberdrola ist mit einem Plus von 32 Prozent in einem Jahr ein starker Wert. Und nicht zuletzt der weltweit größte Modehändler Inditex dessen Aktie um 40 Prozent in zwölf Monaten stieg. Der Betreiber internationaler Modeketten wie Zara erreichte Mitte Juni einen neuen Rekordstand von 57,32 Euro. Analysten sehen aber noch weiteres Potenzial bis über 70 Euro.
Spanische börsennotierte Unternehmen sind generell sehr aktionärsfreundlich. Es gibt großzügige Dividenden und starke Aktienrückkaufprogramme. Das gilt vor allem für die Banken, die ihre Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Ein gutes Beispiel ist die BBVA, die nach dem gescheiterten Übernahmeversuch für den heimischen Mitbewerber Banco Sabadell auf einem dicken Kapitalpolster sitzt.
Historische Rekorde im ersten Quartal
Die meisten der 35 Mitglieder des Ibex haben im ersten Quartal des Jahres sehr gute Ergebnisse erzielt, einige sogar historische Rekorde aufgestellt. Die Goldman-Sachs-Analysten erwarten in diesem Jahr für den Ibex einen durchschnittlichen Anstieg des Gewinns pro Aktie von 25 Prozent, was nur noch von der Börse in Oslo übertroffen werden könnte.
Viel Interesse bei Anlegern hat auch der Technologie- und Rüstungskonzern Indra, der in diesem Jahr um mehr als zwölf Prozent zugelegt hat, gefunden. Goldman Sachs hat seinen Anteil an Indra kürzlich auf über zehn Prozent aufgestockt. Die US-Bank kaufte auch Aktien von zwei weiteren Ibex-Werten, dem Immobilienunternehmen Neinor und dem Baukonzern Sacyr. Der Staat will die Wohnungsknappheit, die in Spanien durch den raschen Zuwachs der Gesamtbevölkerung durch die Einwanderung noch ausgeprägter ist als anderswo, mit einem milliardenschweren Bauprogramm bekämpfen. Das schafft Chancen für die Bau- und Immobilienbranche. Neben dem Tourismus ist das Investitionsklima einer der stärksten Treiber des Aufschwungs in Spanien. Die Milliardenförderungen aus dem EU-Next-GenerationFonds laufen zwar demnächst aus, aber Goldman Sachs sieht in seiner aktuellen Analyse „anhaltende Impulse bei Investitionen, die auf eine länger andauernde Wachstumsphase hindeuten“.