Warum nachhaltige Aktien ein Comeback erleben

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Symbolbild Grüne Energie
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ESG-Aktien waren die Verlierer der letzten Jahre. Doch 2026 bringt nachhaltigen Investoren die Wende zum Besseren. Welche Investments ein gutes Gewissen und auch wieder gute Gewinne bringen.

Nachhaltige Anleger haben schwere Jahre hinter sich. Steigende Zinsen, eine starke Performance fossiler Energieunternehmen und geopolitische Krisen setzten ESG-Strategien stark zu. Die Trump-Regierung in den USA wettert gegen Nachhaltigkeit, weil sie damit „Wokeness“ verbindet. In Europa belasteten wiederum Regulierung und Green­washing-Vorwürfe das Vertrauen – und die Performance. Wer nach den ESG-Kriterien, also Ecological, Social und Governance, in nachhaltige Aktien, Fonds oder ETFs investiert hat, musste schwere ­Verluste einstecken. Doch jetzt ist der Stimmungsumschwung da.

Der MSCI World Socially Responsible Index etwa zählt zu den angesehenen Messgrößen in Sachen Nachhaltigkeit. Er schließt Unternehmen aus den Bereichen Rüstung, fossile Brennstoffe oder Tabak aus. Seit Jahresbeginn hat er bereits um acht Prozent zugelegt. In einem Jahr um 15 Prozent.

Das Comeback der grünen Geldanlage hat mehrere Gründe: Zum einen wird die Bedeutung von erneuerbaren Energiequellen immer größer. Zum anderen ­werden auch die anderen ESG-Kriterien, sozial und gerecht, im Wirtschaftsleben immer wichtiger. Unternehmen übertreffen sich förmlich mit ihren Bemühungen, Mitarbeitenden ein optimales Arbeitsumfeld zu bieten. Und die Korruptionsbekämpfung ist mittlerweile auch in vielen osteuropäischen Ländern klar ­angekommen.

Auch E-Mobilität ist ein Treiber des Wandels: In Ländern wie Japan, Korea und Neuseeland haben sich die Zu­lassungen von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. In Europa hinkt das Wachstum jedoch noch hinterher.

Nicht zuletzt ist Wassermanagement zu einem wichtigen Green Biz geworden. Das global immer knapper werdende Gut hat finanzielle Auswirkungen für die meisten Unternehmen – es gibt kein Geschäftsmodell, das direkt oder indirekt ohne Wasser auskommt. Wasserverknappung kann sowohl zu höheren Kosten als auch zu einer kompletten Stilllegung der Produktionsstätte bzw. des Transports führen.

Energieversorgung

Aber vor allem das Thema Energiesicherheit hat Grün wieder in den Vordergrund gerückt. Der russische Angriff auf die Ukraine hat den europäischen Staaten – und damit auch Österreich – ihre Abhängigkeiten von Öl und Erdgas fördernden Ländern deutlich aufgezeigt. Russland war vor dem Ukrainekrieg der mit Abstand größte Exporteur fossiler Brennstoffe. Dann kam auch noch der Krieg im Nahen Osten. Seitdem die USA und Israel Iran angegriffen haben, sind die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschnellt. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent schoss von 70 Dollar bis auf 126 Dollar nach oben und erreichte damit ein Vierjahreshoch.

Das verstärkt den Wunsch vieler ­Länder nach Energiesouveränität – und könnte nun Investitionen in Alternativen zu Öl und Gas beschleunigen. Hannes Loacker, Energie- und Rohstoffexperte, Raiffeisen KAG: „Investitionen in erneuerbare Energien sind der günstigste Weg, um solche Abhängigkeiten am Energiesektor zu reduzieren.“

Das Comeback von grünem Strom hat noch einen weiteren wichtigen Hintergrund: Erneuerbare Energien spielen in der KI-getriebenen Tech-Branche eine elementare Rolle. Sie sind die günstigste und sauberste Möglichkeit, um den steigenden Strombedarf von Rechenzentren für künstliche Intelligenz zu decken. ­Erneuerbare Energie ist die Ressource, die man am schnellsten ans Netz bringen kann. Bei der Errichtung eines Atomkraftwerks spielt sich unter zehn Jahren nichts ab. Gasturbinen sind bis auf fünf Jahre ausverkauft.

Im Vergleich dazu sind die drei Technologien Wind, Solar und Batterien recht rasch verfügbar. In weniger als einem Jahr können Datenzentren mit grünem Strom versorgt werden. ­Alexander Weiss, Fondsmanager für den Umweltaktienfonds Erste Green Invest: „Für Big Tech ist das Wichtigste, dass Strom schnell da ist. Man will hier nicht ins Hintertreffen gelangen, sondern vorne mitspielen, und dafür brauchen sie den Strom heute bzw. teilweise schon gestern.“

Grüne Renaissance

An der Börse sind deshalb Aktien, die mit der Energiewende verbunden sind, nach Jahren enttäuschender Kursentwicklung plötzlich wieder gefragt. „Wir sehen hier eine ­deutliche Renaissance der Aktien, die mit erneuerbaren Energien zu tun haben“, erklärt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege der deutschen Fondsgesellschaft Acatis. Und es sind global agierende Energiekonzerne aus Europa, die bei den Renewables jetzt die Nase vorn haben.

Der grüne Platzhirsch ist eindeutig RWE. Das Unternehmen wandelt sich vom auf Kohlekraft fokussierten Stromerzeuger hin zum führenden Anbieter ­erneuerbarer Energien. Bei RWE werden bereits 50 Prozent der Gewinne aus Offshore-Wind- und Solaranlagen erzielt. Der deutsche Energieriese hat vor wenigen Monaten einen Stromliefervertrag über 110 Megawatt mit Amazon in Form eines sogenannten Power Purchase Agree­ments (PPA), einer langfristigen Liefer­garantie, abgeschlossen. Dafür errichtet RWE eigens einen Offshore-Windpark in der Nordsee. Der Vertrag zeigt die wachsende Nachfrage großer Technologiekonzerne nach langfristiger Versorgung mit grünem Strom. Die Aktie hat in einem Jahr um 70 Prozent zugelegt.

Neben RWE steht auch Siemens Energy als Lieferant von grünem Strom hoch im Kurs. Fast 60 Prozent werden aus Windenergie oder Solaranlagen produziert. Die Aktie hat in einem Jahr um 112 Prozent zugelegt. Zuletzt gab es ­jedoch Gewinnmitnahmen.

Ein weiterer grüner Stromerzeuger: Die italienische Enel S.p.A. ist einer der global größten Energieversorger und nimmt nicht nur in Europa, sondern weltweit eine wichtige Rolle in Sachen Energiewende ein. Der Konzern ist in 28 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Bereits 73 Prozent der Erzeugungskapazität entfallen auf erneuerbare Energiequellen.

Während Aktien von E-Auto-Herstellern aufgrund der Zoll- und Förderpolitik Chinas und der EU unter die Räder gekommen sind, bleiben Wasseraktien durchaus auf der Erfolgsspur. Aufgrund des sehr komplexen Marktes empfiehlt sich hier aber eine grüne Investment­strategie mittels Fonds oder ETFs. Sie ­erzielen Renditen zwischen zehn und 15 Prozent im Jahr.

Wer bei seiner nachhaltigen Veranlagung generell nicht auf Einzeltitel setzen möchte, findet auch eine Vielzahl an ESG-Aktienfonds oder -ETFs. Speziell die Fonds von Raiffeisen Capital Management oder Erste Asset Management bestechen mit überdurchschnittlichen Performance-Ergebnissen.

Grüne Hightech

Dem Bedenken, dass in manchen ESG-Fonds auch Tech-Konzerne ganz oben gelistet sind, kann entgegengehalten werden, dass sich diese Unternehmen auch gezielt für den Klima­wandel engagieren. Neben Amazon setzt auch die Google-Mutter Alphabet bei der Energieversorgung ein deutliches Zeichen in Richtung grün. Mit der Übernahme des Erneuerbare-Energie-Entwicklers Intersect für rund 4,75 Milliarden US-Dollar sicherte sich der Konzern langfristig die Energieversorgung seiner Datenzentren durch Solar- und Windkraftanlagen. Auch der Softwareentwick­ler Microsoft ist eine Partnerschaft mit Brookfield Renewable Partners eingegan­gen, einem Anbieter von erneuerbaren Energiequellen in den USA.

Grüne Anleger wollen aber oft nicht nur passiv durch ihre nachhaltige Anlagestrategie profitieren, sie wollen mit ihrem Geld etwas bewegen. Es soll gezielt in Unternehmen fließen, die einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Umwelt leisten. Der Rize Environmental Impact ETF hat sich diese Aufgabe zum Ziel ­gesetzt. Der aktiv gemanagte ETF beinhaltet Unternehmen, die nicht im Mainstream der nachhaltigen Aktienfonds zu finden sind. Ganz oben im Portfolio findet sich etwa Planet Labs. Das Unternehmen liefert über seine Satelliten Daten, deren Analyse über die Umweltsituation der Erde Aufschluss gibt.

Auch die Meidensha Corporation, ein japanischer Spezialist für Wasseraufbereitung, findet sich darunter. Oder Dowa Holdings. Das Unternehmen ist führend in der Nichteisenmetallurgie. Anders ausgedrückt: der Erzeugung von Stahl aus Recyclingmaterial. Der Impact ETF zeigt auch bei der Performance Wirkung. Seit dem Start im Juni 2025 ist der Kurs um 25 Prozent gestiegen.

Der Artikel ist im trend.female vom 29. Mai 2026 erschienen. Hier geht's zum E-Paper.

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