
Ein Space-X-Raumschiff dockt bei der Internationalen Raumstation am.
©IMAGO / Pond5 ImagesMehr als die Hälfte aller Börsengänge werden langfristig betrachtet ein Flop, warnt Experte Ken Fisher.
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Große Namen wie SpaceX, OpenAI, Anthropic, Databricks und Anduril wollen an die Börse. Anteile an diesen Unternehmen gelangen damit erstmals auf den freien Markt. Das heizt die Stimmung an. Anleger hoffen auf schnellen Reichtum.
Aber Vorsicht vor diesem Hype: Der Kauf von Neuemissionen (IPOs) bringt erfahrungsgemäß eher Enttäuschung als Jubel.
Zwar haben auch europäische Rüstungsfirmen für einige IPO-Schlagzeilen gesorgt, generell konzentriert sich die Euphorie aber vor allem auf US-Tech- und KI-Unternehmen. Alles spektakulär! Aber warum gerade jetzt? Über Monate hat die Begeisterung für diese Branchen an Fahrt aufgenommen. Gründer und Frühinvestoren wollen beim Börsengang maximale Gewinne erzielen. Der Enthusiasmus treibt die Kurse; so auch bei SpaceX, dessen IPO im Juni Rekorde brach.
Ein Spannungsfeld entsteht: Gründer wollen hohe Kurse oder günstiges Kapital. Gleichzeitig wollen IPO-Käufer günstig einsteigen. Aber wer kennt den wahren Unternehmenswert besser? Berücksichtigt man das vom Hype geprägte Marketing der Investmentbanken, wird klar, warum ich seit Langem sage, dass IPOs meist zu teuer sind.
Ja, manche starten mit Höhenflügen. Häufiger aber stolpern sie. In Europa gelang CSG Defence Systems aus Prag im Jänner mit 3,8 Milliarden Euro das größte Rüstungs-IPO aller Zeiten. Und seither? Minus 49 Prozent. Erinnern Sie sich an den Kurssprung der Auto1 Group am ersten Börsentag 2021? Seitdem ein Minus von 57 Prozent! Und auch die SpaceX-Aktie ist unter ihren Ausgabepreis gefallen.
Betrachten wir US-Aktien: Seit 1990 blieben 52 Prozent der Neuemissionen im ersten Monat hinter dem S&P 500 zurück – im Median um 0,3 Prozentpunkte. Nach drei Monaten lagen 60 Prozent um fünf Prozentpunkte zurück. Nach sechs Monaten? 63 Prozent um elf Prozentpunkte. Nach einem und zwei Jahren nähert sich die Quote der 70 Prozent-Marke, mit Rückständen von 20 bis 35 Prozentpunkten. Ernüchternd!
Für Aktien ist Zeit meist ein Verbündeter. Das gilt leider nicht für IPOs. Von den 48 Prozent mit gutem Start fielen 56 Prozent nach einem Jahr zurück. Sie aber glauben fest an die langfristige Zukunft der Lieblinge von heute? Gut. Aber gilt das auch für die nächsten drei bis 30 Monate – den Zeitraum, den Aktien einpreisen? Unwahrscheinlich. Die Geschichte zeigt: Der bessere Einstiegsmoment ist oft nach dem Abklingen des IPO-Hypes.
Manche halten große Namen hier für die Ausnahmen. Das bezweifle ich aber! Denken Sie an den Fehlstart von Facebook 2012, oder an das enttäuschende Debüt von Uber 2019. Fragen Sie sich: Was wissen Sie über diese Aktien, was andere nicht wissen?
Vielleicht können Sie ein paar glückliche Gewinne mitnehmen. Aber wie schnell werden Sie wieder verkaufen? Am stärksten profitieren jene Investoren, die sich schon vor dem Börsengang eines Unternehmens Aktienpakete sichern konnten. Sie zahlen den Ausgabepreis, können wegen Haltefristen aber oft nicht schnell verkaufen.
Zudem werden bei heutigen Mega-IPOs viele Aktien direkt an institutionelle Anleger, ETF-Anbieter und andere Investoren gehandelt. Viele wollen wohl verkaufen. Aber wer macht den Anfang?
Sogar positive Szenarien bergen ein Risiko, nämlich jenes des übersteigerten Selbstbewusstseins. Wenn Ihr IPO-Kauf steigt, fühlt sich das großartig an. Der Stolz wächst. Mehr IPOs, bitte! Doch die Vergangenheit zeigt, dass dadurch die Renditen eher leiden.
Können Sie überhaupt genug Aktien eines Unternehmens einsammeln, um echten Einfluss zu haben? Unwahrscheinlich, denn der Hype treibt die Nachfrage massiv an. Wenn doch, haben Sie ein weiteres Problem: Konzentrierte Positionen erhöhen das Risiko im Portfolio erheblich. Erfolgreiches Investieren erfordert Geduld und Disziplin; kein Weg zum schnellen Reichtum.
Zwar herrscht noch keine allgemeine Euphorie, doch die Erwartungen an KI, die USA und Tech sind hoch. Unternehmen stehen Schlange, um endlich an die Börse zu kommen. Die gute Grundstimmung macht positive Überraschungen selten. Das begünstigt Unternehmen außerhalb von Tech und der USA.
Der IPO-Hype ist gefährlich. Denken Sie daran.
Über die Autoren
Ken Fisher
Kenneth Lawrence Fisher, geb. 1950, ist Investment-Analyst und einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA. Er ist zudem Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Fisher ist Gründer und Vorsitzender von Fisher Investments, einer Firma für Finanzberatung und Vermögensverwaltung mit Sitz in Camas, Washington.