Wasseraktien: Das vergessene Milliardenbusiness

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Eine Hand unter Wasser.
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Anleger blicken derzeit gebannt auf die Kurssprünge von KI- und Energieaktien. Wasseraktien liefern hingegen keine Schlagzeilen. Doch gerade in diesem Sektor locken in den nächsten Jahren Milliardeninvestments.

Die Hitzewellen zu Beginn des Sommers machen Österreichs Bevölkerung schwer zu schaffen. Bauern blicken besorgt auf ihre Felder, der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter ab. Und das nach dem bereits trockensten Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Laut Klimabilanz von Geosphere Austria gab es im metereologischen Frühling, also zwischen März und Mai, in den vergangenen 169 Jahren noch nie so wenig Regen wie heuer.

Dabei steht Österreich im internationalen Vergleich noch gut da. Ganze Landstriche in Afrika und Asien sind von permanenter Dürre bedroht. „Die Welt ist von einer Wasserkrise in einen globalen Wasserbankrott geschlittert“, warnt eine Anfang des Jahres von den Vereinten Nationen veröffentlichte Studie.

Doch die UN planen Gegenmaßnahmen. Kaveh Madani, Direktor des UN University Institute for Water, Environment and Health, kündigt Aktionen an: „Das ist der Beginn eines strukturierten Reparaturplans. Wir müssen grundlegende Serviceleistungen schützen, nicht nachhaltige Nutzung einschränken und in die Wiederherstellung investieren.“ Die Höhe dieser Investments schätzt das World Economic Forum bis zum Jahr 2030 auf die Summe von 70 Billionen US-Dollar. Profitieren werden davon die Aktionäre jener Unternehmen, die sich mit Wasseraufbereitung, Logistik, Meerwasserentsalzung und Entsorgung beschäftigen. „Noch nie war der Bedarf für Investitionen in Wasserinfrastruktur und den Schutz des Wasserkreislaufs größer als jetzt“, ortet Marc-Olivier Buffle, Leiter der thematischen Client-Portfolio-Manager und Research bei Pictet Asset Management, beachtliche Chancen für Anleger. Die Vermögensverwaltung der Schweizer Privatbank war eine der ersten, die vor 25 Jahren einen spezialisierten Wasserfonds, den „Pictet Water“ (ISIN: LU0104884860), auflegte.

Das Wasseruniversum ist seither kräftig gewachsen: „Seit den 1990er-Jahren ist die Zahl investierbarer Unternehmen von rund 30 bis 40 auf heute etwa 360 gestiegen. Treiber sind Urbanisierung, steigender Konsum, strengere Regulierung und wachsender Infrastrukturbedarf“, so Saurabh Sharma, Fondsmanager in der Investmentboutique J O Hambro.

Für Anleger ist es allerdings nicht ganz einfach, sich in diesem vielfältigen Sektor zurechtzufinden. „Der Markt unterteilt sich in zahlreiche Subthemen wie Wasserversorgung und -verteilung, Wiederaufbereitung, Wassereffizienz, Bewässerung und Ernährung oder Sanitärinstallationen“, erklärt Clemens Klein, Fondsmanager des „Erste WWF Stock Environment“ (ISIN: AT0000705678). Anlegern, die sich durch die Auswahl einzelner Aktien überfordert sehen, bieten gemanagte Fonds wie jener von Pictet, aber auch eine Reihe börsennotierter, passiv gemanagter Fonds (ETFs) die Chance, am Wachstum der Branche zu partizipieren.

So bildet etwa der „iShares Global Water UCITS ETF“ (ISIN: IE00B1TXK627) den S&P Global Water Index nach, der einen Zugang zu den 50 größten börsennotierten Unternehmen weltweit, die in der Wasserversorgung und -aufbereitung tätig sind, bietet. Der „Amundi MSCI Water UCITS ETF“ (ISIN: FR0010527275) orientiert sich hingegen am MSCI ACWI IMI Water Filtered Index. Dieser eröffnet den Zugang zu Unternehmen aus dem Wassersektor weltweit, die nach ESG-Kriterien gefiltert werden.

Auf Unternehmen, die einen positiven Beitrag zum Ziel sechs (sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen leisten, hat sich der „Xtrackers MSCI Global Clean Water & Sanitation UCITS ETF 1C“ (ISIN: IE0007WJ6B10) spezialisiert. Der MSCI ACWI IMI SDG 6 Clean Water and Sanitation Select Index, dem dieser ETF folgt, beinhaltet mittelgroße und kleine Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weltweit.

Spannende Investments

Für erfahrene Investoren bietet der Sektor aber auch interessante Einzelinvestments. Im Vergleich mit anderen Beteiligungspapieren sind hier noch durchaus günstig bewertete Aktien zu finden. „Während der vergangenen Jahre standen vor allem AI und Energie im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Daher gerieten die Kennzahlen immer wieder unter Druck. Doch wir denken, dies wird sich wegen der fundamental günstigen Aussichten ändern“, prognostiziert Marc-Olivier Buffle dem Sektor, der während der vergangenen Jahre eher zu den Underperformern zählte, längerfristig positive Aussichten.

Tatsächlich sollten einige Megatrends für Aufwind sorgen. Fondsmanager Klein nennt hier Bevölkerungswachstum, Urbanisierung sowie einen global wachsender Mittelstand. „Das alles sind Faktoren, die eine dynamisch steigende Nachfrage erwarten lassen“, so Klein. Sein Resümee: „Wasseraktien stellen langfristig eine interessante Investitionsmöglichkeit dar, insbesondere unter Berücksichtigung des kurz-, mittel- und langfristigen Wachstumspotenzials.“ In einem global aufgestellten Portfolio sollte der Sektor daher mit fünf bis zehn Prozent vertreten sein.

Fakten zum Thema Wasser

Der Artikel ist im trend.INVEST vom Juni 2026 erschienen und wurde aktualisiert.

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