The Hans an der Nordsee: Von Strandbuden und 10.000-Euro-Flaschen

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 © STEFANIE HILGART

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Nach dem heißen Sommer zog es unseren Autor an die Nordsee, wo er auf den Inseln Sylt und Föhr nicht nur die Champagnerluft, sondern auch echten Champagner genoss, vor allem aber die mitunter deftige nordfriesische Küche - von den Sylter Krabben bis zum Matjes mit Bratkartoffeln.

Vor 50 Jahren schlug ein kleiner Schwabe erstmals in Sylt auf, kaufte sich einen kleinen Kiosk an ­einer Düne am westlichen Strand von Sylt, der leider ein paar Jahre später in Flammen aufging. Der Neubau fiel etwas größer aus, später kam ein unterirdischer Weinkeller dazu – und heute ist ­Herbert Seckler der Herr über die berühmteste Strandbude der Insel.

Strandbude ist natürlich weit untertrieben, seine „Sansibar“ mit dem berühmten Piratenlogo hat Platz für bis zu 600 Gäste und verpflegt im Sommer an schönen Tagen zwischen 4.000 und 5.000 Menschen mit Blick auf die Nordsee. Für die Reichen und Schönen von Sylt ist es der Hotspot Nummer eins. Von den Legenden Gunter Sachs und Karl Lagerfeld bis zu den heutigen VIPs wie Thomas Gottschalk oder Fußballtrainer Jürgen Klopp. Ich persönlich hab schon drei Hochzeiten in der „­Sansibar“ mitgefeiert und noch mehr Geburtstage.

Dabei bin ich nicht der größte Sylt-Fan. Der böige Wind treibt einen in die Strandkörbe und Sonne/Regen wechseln sich oft im Viertelstundenrhythmus ab, da bin ich schon lieber am Mittelmeer. Aber was mich nach Sylt bringt, ist die großartige Kulinarik. Von teurem Fine Dining über unkomplizierte, gute Restaurants bis Austern- und Currywurst-Buden gibt es alles auf der Insel. In der „Sansibar“ lieb ich den Nordseesteinbutt in der Senfsoße mit Sahnekartoffeln und für die Kinderlein ein Backhendl mit Kartoffel-Vogerlsalat, danach einen fast perfekten Kaiserschmarren. Und beim Wein schlägt niemand den Herbert Seckler: 30.000 Flaschen hat er unter der Düne gelagert, da ist für jeden was dabei – von 40 bis 10.000 Euro. Ich schlag eher bei Ersterem zu. Sohn Niklas hat schon einige Aufgaben übernommen, aber: „Ich bleib, bis ich umfalle“, sagt der Vater, und hoffentlich bleibt er noch lange.

Gemeinsam mit auf Sylt wohnenden Freunden hab ich die Kulinarik auf Sylt durchforstet und kann nun berichten. Haken wir schnell die Fine-Dining-Restaurants ab, da gibt’s einige hervorragende, die allerdings auch dramatische Preise aufrufen. Gut, sind ja auch ausreichend viele reiche Hamburger auf der Insel. Beim „Söl’ring Hof“ im Norden sitzt man vor dem Essen mit einem Glas Champagner auf der Bank vorm Haus und schaut aufs Meer, bevor man sich dem exquisiten 319-Euro-Menü mit Nordseekrabben/Hummer/Tintenfisch/Kabeljau hingibt. Man kann auch à la carte essen, zum Beispiel eine Nudelsuppe (natürlich mit Kaviar) um wohlfeile 79 Euro, na servus. Wer die Küche preiswerter probieren will, dem rat ich, eher im „Wohnzimmer“, dem Zweitlokal, zu reservieren. Ähnliches gilt für das vornehmere „Bodendorf“ im Landhaus Stricker, auch dort empfehle ich das billigere, aber genauso gute „Siebzehn84“ im gleichen Haus, man sitzt einfacher, aber mit mehr Spaß, vor allem wenn man an die Brieftasche denkt.

Im ebenfalls nicht gerade extrem erschwinglichen „Kai3“ in Hörnum gibt’s zumindest kulinarische Herausforderungen, die originell sind. Die Jakobsmuschel kommt mit Blutwurst, der Hummer mit Paprika, das Reh mit Roten Rüben, das Perlhuhn mit Pfifferlingen und Cognac. Und im „Tipken“ zeigt Altmeister Nils Henkel, dass er nach wie vor zu den besten Gemüseköchen zählt: Kopfsalat mit Grapefruit und Pistazien, Ravioli mit glasierter Gurke und Blumenkohl mit Linsen und geröstetem Mohn – nicht nur für Vegetarier ein Geschmackserlebnis.

Aber jetzt runter vom hohen Gourmet-Ross und rein ins leistbare Vergnügen. Das finde ich am besten bei „Johannes King“, einem ehemaligen Sternekoch, der in seinem Sylter Genuss-Shop nicht nur Delikatessen zum Mitnehmen, sondern hervorragende Küche zum Vor-Ort-Essen anbietet. Ich liebe seine „Dosensuppe“, ist natürlich eine leichte Hummerbisque, die Kartoffelpuffer mit hausgebeiztem Lachs, Krabben-Pasta, die Hörnumer Mischmuscheln mit Kräuterbaguette und die geflämmte Makrele mit Tomate und Kapuzinerkresse.

Gemütlich ist’s auch in der „Vogelkoje“ mitten auf Sylt im Naturschutzgebiet. Draußen watscheln die Enten – und drinnen kommen sie auf den Tisch, die halbe Ente ist das Signature-Gericht. Aber keine Angst: Die hier im Naturschutzgebiet ansässigen Enten werden nicht behelligt, die Tiere kommen von anderswo. Auch bei „Oma Wilma“, in der „Kleinen Küchenkate“ in Keitum und bei „Manne Pahl“, einem zugewanderten Schweizer, in Kampen kann man gediegene Hausmannsküche finden – und das zu zivilen Preisen.

Apropos preisgünstig: zum Abschluss eines Besuchs auf Sylt pilgere ich immer in den Norden nach List. Zuerst einmal zum „Dittmeyer“, der größten Austernzucht in der Nordsee, dort kommt die berühmte Sylter Royal direkt vom Meeresbecken vor der Tür, frischer geht’s nicht. Sechs Stück um 27 Euro, dazu eine Bloody Mary, das ist die Sylter Melange, und sie schmeckt.

Und weiter geht’s zu Fuß zu einem weiteren Sylt-Liebling von mir, zum fünf Minuten entfernten „Gosch“. Es gibt fünf „Gosch“-Restaurants auf Sylt, aber am urigsten und besten isst man in der „nördlichsten Fischbude“ am Lister Hafen. An einer 20 Meter langen Fischtheke such ich mir aus, worauf ich Lust habe: Die gute „Gosch“-Fischsuppe, Brathering, Matjes, die kleinen Sylter Krabben, acht verschiedene Back- und Bratfische und, und, und – es ist ein richtiges Schlemmerparadies ohne viel Chichi. An der Kasse wird bezahlt, mit dem Teller in der Hand such ich mir einen schönen Platz, am besten zu zweit im Strandkorb, und genieße einfach, was ich erstanden habe. Die echten Sylter rümpfen zwar die Nase über den Touristenrummel – da bin ich eben kein echter Sylter und ess dafür viel, gut und preiswert. Schlecht?

Wem der Trubel auf Sylt und das manchmal schnöselige Gehabe mancher Wochenendbewohner auf die Nerven geht, der kann auf die Nachbarinsel Föhr ausweichen, das Klima ist milder und man kann dort sogar besser baden als auf Sylt – dank eines 15 Kilometer langen Sandstrandes an der Westküste. Das Herz der Insel ist der Hafen von Wyk, der 4.000-Einwohner-Hauptstadt. Und dort kann man auch die besten Restaurants finden. Nummer eins ist unbestritten das „Alt Wyk“ mit langen Tischtüchern und richtig friesischem Charme. Ein Vier-Gänge-Menü kostet 135 Euro, da könnte sich Sylt was abschauen. Und im nahen Nieblum mit seinen herzigen Reetdächern speist man im „Alten Landhaus“, dort gibt’s Hausmannskost vom Matjes mit Bratkartoffeln bis zur frisch geangelten Scholle vom Grill. Oder man holt sich bei „Käpt’n Nolte“ einen der herrlichen Seafood-Salate und dann einen gegrillten Hummer und genießt alles in der kleinen, aber feinen Stube.

Die nordfriesischen Inseln haben schon ihren Reiz. So ein Herbstwochenende zahlt sich aus, auch kulinarisch – samt friesischem Trinkspruch: „Rüm Hart – klaar Kiming“, also weites Herz, klarer Horizont!

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 25. September 2026 erschienen.

The Hans

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