The Hans auf den Seychellen: Sonne, Meer und etwas Salz

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 © STEFANIE HILGART

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Neun Stunden flog unser Autor, um auf die Seychellen zu gelangen, in Bungalows am Meer und Villen über dem Meer zu wohnen – aber vor allem, um sich durch die exzellente und kreative kreolische Küche zu kosten.

„Nimm einfach den Kübel und lass uns zum Strand gehen“, kommandiert Lucio, der mexikanische Koch, der mir zeigen will, wie er sein spezielles Salz auf der Insel gewinnt. Gesagt getan. Knöcheltief im Meer stehend fülle ich den Kübel mit Wasser und mache mich zurück auf den Weg zur Küche. Das Meerwasser wird ganz flach aufs Backblech gegossen und in den Ofen geschoben. Zehn Minuten später ist das Wasser verdampft, das Meersalz bleibt auf dem Blech zurück, kann abgekratzt und ein bisserl gemörsert in den Salztigel befördert werden. Am Abend nutze ich das selbstgewonnene Salz zum Würzen meines Fischleins. „Das Salz hab ich selbst produziert“, erzähl ich meiner Frau. „Da bin ich stolz auf dich, war aber nicht sonderlich schwer“, antwortet sie mir unbeeindruckt. „Der Fisch ist jedenfalls grandios!“

Chef Lucio Hage aus Mexiko City serviert im „Maison des Espices“ des Seychellen-Resorts „Platte Island“ frisches Seafood zum Niederknien: einen drei Tage lang eingelegten Red Snapper mit Muscheln im Krabbensud, aber auch schon das Ceviche vorher und die gebackene Rote Bete mit Feta-Eis (ja, auch das schmeckt!) waren großartig. In den acht Tagen im „Waldorf Platte Island“ hab ich fünf bei meinem Lieblingskoch verbracht. Ein großes Talent, der sicher einmal auf einer der weltweiten Gourmetlisten landen wird. 

Überhaupt hab ich selten ein Resort erlebt, in dem ich so gut gegessen habe. Das azurblaue Meer, die kleine Villa am Strand, Schildkröten beim Eierlegen und Sonne pur sind natürlich die Hauptingredienzien eines solchen Urlaubs, neun Flugstunden von zu Hause entfernt, aber für mich ist das gute – lieber: hervorragende – Essen genauso wichtig. Denn das schmeckt auch, wenn’s mal regnet. An einem solchen Tag (offensichtlich hat sich die Regenzeit etwas verspätet) folgt im Restaurant „Moulin“ auf der anderen Seite der Insel eine kulinarische Inszenierung, bei der der Chefkoch mit einem halben Dutzend Helferlein riesige Lammkeulen in einem unterirdischen Sandofen stundenlang garen und sie dann für die Inselbesucher mit viel Tamtam ausgraben und servieren lässt. Ein bisserl fett, aber herrlich gewürzt und zubereitet, sodass das Fleisch fast schon von selbst vom Knochen fällt. Ja, hat schon was, die alte, traditionelle Garmethode hier im Indischen Ozean. 

Aber nicht nur in diesem Resort kann man einen Sonnenurlaub herrlich verbringen. Im „Six Senses Zil Pasyon“ wohnt man in minimalistischen Baumhäusern mit hohen Glasfenstern, aber – keine Angst – nicht weit von Strand entfernt. Als einziges Resort gibt’s dort auch einen Weinkeller (Achtung: keine Flasche unter 100 Euro!) und einen Chef’s Table mit Cooking Classes, um die Feinheiten der Seychellen-Küche selbst zu lernen.

Auf „Alphonse Island“, einem weiteren Insel-Resort, erlebt der Besucher die Natur hautnah. Schildkröten sowieso, aber auch die zahlreichen bunten Vögel, die sich ohne Angst vor den Menschen von einem Baum zum nächsten schwingen, Manta Rays und Delfine, alle nur wenige Meter vom Strand entfernt. Beim Essen und Trinken gibt es nichts Besonderes zu vermelden – außer die Rum-Cocktails bei Kerzenlicht, immerhin.

Im Four Seasons Resort auf der ehemaligen Kokosplantagen-Insel Desroches spart man bei der Kulinarik nicht: Im „Lighthouse“ werden bei einem 180-Grad-Meerblick Seafood und Dry-aged Steaks serviert, im „Ahi“ wird japanisch gekocht, im „Claudine“ mediterran und in der „La Pizzeria“ – erraten! – italienisch. Und der letzte Insel-Tipp: „Denis Island“ für alle, die tatsächlich hundertprozentig entspannen wollen. Denn hier gibt es in den Bungalows kein WLAN, nix Mail, nix Social Media, nur Entspannung pur und viel Flora und Fauna, zu Lande und zu Wasser.

Aber auf eine Problematik, die für alle diese Inseln gilt, sollte ich aufmerksam machen. Und die betrifft den Preis: Abseits der reinen Regenzeit muss man 1.000 Euro pro Tag für eine dieser Villen hinlegen, außer man macht’s wie ich und bucht auf Punkte, die ich mir übers Jahr bei Hilton, Marriott, Intercontinental & Co. mühsam erschlafen habe. Deutlich billiger wird es auf der Hauptinsel Mahé, wo man ja erstmals landet, wenn man von Europa auf die Seychellen kommt. Zwei Resorts kann ich da empfehlen: das „Hilton Northolme“ und das „Mango House“. Letzteres war einmal das Privathaus des italienischen Modefotografen Gian Paolo Barbieri und ist jetzt ein Boutiquehotel an der Südküste, wo man auch in der Hochsaison ein Zimmer um 400 Euro bekommt. Hier ist’s nicht neureich, sondern gemütlich, nicht Chichi, sondern einheimisch-freundlich. Und im hoteleigenen „Moutya“ Restaurant mit schönem Meerblick gibt’s eine der besten kreolischen Küchen der Insel, da vereinigen sich die afrikanisch-indischen-karibischen Einflüsse zu einer würzig-scharfen Cuisine. 

Das „Northolme“ an der Nordküste ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber die Villen auf Stelzen mit Pool und Ausblick aufs Meer sind tadellos, genauso wie der kleine, aber feine Sandstrand. Ich habe mich da jedenfalls sehr wohl gefühlt und den schönsten Sonnenuntergang auf den Seychellen erlebt – von Hellgold über Rosa bis Pechschwarz in einer halben Stunde, faszinierend. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nähe zur Hauptstadt Victoria und den vielen bunten Shops in der Nähe. 

Die besten Restaurants sind über die ganze Insel verteilt. Im Süden die „Maison Marengo“, ein Haus aus der Kolonial-Ära mit Fisch-Barbecue auf Bananenblättern für den Magen und jede Menge Livemusik für die Ohren. Ein paar Hundert Meter weiter im „Kafe Kreol“ geht’s ein bisserl romantischer zu, mit Kerzen am Tisch und einem schönen Strandspaziergang nach dem Essen. Im Westen am Anse- oder Beau-Vallon-Beach kann ich das „Del Place“ und das „Boat House“ empfehlen. Das kreolische Buffet lässt keinen Wunsch offen, und dazu gönnt man sich ein Sey-Brew, das typische Seychellen-Bier. 

Am besten hat es mir aber im einfachen „Marie Antoinette“ in der Hauptstadt Victoria geschmeckt. Das Menü kostet 35 Euro, und in Minutenschnelle werden kleine Schüsseln auf den Tisch gezaubert – mit Papaya und Coconut-Chutney, mit Mangosalat und frittierten Auberginen, mit Fish-Fritters und gegrilltem Fisch, mit Chicken und Coconut-Curry, einfach kreolisch at its best. Dazu südafrikanischen Wein, der Abend hätt’ nicht schöner sein können –  wenn, ja wenn meine liebe Katja nicht unbedacht zwei Eiswürfel ins Glas geworfen hätte, was sie dann zwei Tage lang aufs Heftigste bereut hat. Offenes Wasser, sei es auch in gefrorenem Zustand, kann auf den Seychellen außerhalb der Touristenhotels nämlich böse Folgen haben …

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 26. Juni 2026 erschienen.

The Hans

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