Unternehmensgründung: Vor- und Nachteile der Rechtsformen

Einzelunternehmen, GmbH, gründungsprivilegierte GmbH, Kommanditgesellschaft oder Offene Gesellschaft? Die Wahl der Rechtsform ist für Firmengründer oft nicht leicht. Georg Lugert, Partneranwalt der D.A.S. Rechtsschutz AG, erklärt die wichtigsten Merkmale im Überblick.

Thema: Rechtstipps
Nicht immer fällt die Entscheidung, welche Unternehmensform gewählt werden soll, leicht. Experten können helfen.
Nicht immer fällt die Entscheidung, welche Unternehmensform gewählt werden soll, leicht. Experten können helfen.

Nicht immer fällt die Entscheidung, welche Unternehmensform gewählt werden soll, leicht. Experten können helfen.

Wer ein Unternehmen gründen will, steht unter anderem vor der schwierigen Frage, welche Rechtsform man dafür wählt. Denn ob Einzelunternehmen, GmbH, Kommanditgesellschaft oder Offene Gesellschaft, jede dieser Rechtsformen zieht unterschiedliche zivilrechtliche, sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Konsequenzen nach sich.

Für welche Rechtsform man sich entscheidet, hängt vor allem von der Größe des Unternehmens, von der Anzahl der Tochtergesellschaften, von den gewerberechtlichen Voraussetzungen, Haftungsfragen und der Finanzierung ab.

Die Vor- und Nachteile der gängigsten Rechtsformen im Überblick:

Einzelunternehmen:

Ist die beliebteste Rechtsform. Der Inhaber bringt das Unternehmenskapital alleine auf, führt das Unternehmen alleine und trägt auch das Risiko alleine. Der Einzelunternehmer haftet allerdings für Schulden aus seiner Tätigkeit unbeschränkt und persönlich, das bedeutet auch mit seinem Privatvermögen. Die Vorteile: Rasche und einfache Gründung samt Gewerbeanmeldung und die unkomplizierte steuerliche Handhabung in Form einer Einnahmen-Ausgabe-Rechnung - sofern der Jahresumsatz nicht 700.000 Euro übersteigt. Der Einzelunternehmer ist in der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (GSVG) pflichtversichert.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH):

Diese Gesellschaftsform ist nach dem Einzelunternehmen die am häufigsten gewählte Rechtsform. Sie kann von mehreren Personen, aber auch von einer einzelnen Person gegründet werden und ist somit eine Alternative zum Einzelunternehmen. Die Gründung einer GmbH setzt einen Gesellschaftsvertrag voraus, der schriftlich in der speziellen Form eines Notariatsaktes erfolgen muss. Die Gesellschaft selbst entsteht letztlich erst mit der Eintragung im Firmenbuch. Der Vorteil einer GmbH besteht darin, dass das Risiko grundsätzlich auf die Kapitaleinlage der Gesellschafter reduziert ist. Zudem ist die Bindung zwischen mehreren Gesellschaftern einer GmbH weniger stark ausgeprägt als bei den Personengesellschaften (OG, KG).

Eine GmbH ist jedoch im Gegensatz zum Einzelunternehmen zu strengen Rechnungslegungsvorschriften (doppelte Buchführung) verpflichtet. Zudem sind die Kosten für die Gründung einer GmbH höher als für ein Einzelunternehmen. So fallen bei einem Einzelunternehmen üblicherweise nur die Gebühren für die Gewerbeanmeldung an. Um eine GmbH gründen zu können, ist dagegen ein Mindestkapital in Höhe von 35.000 Euro erforderlich, wobei allerdings bei einer Bareinlage nur die Hälfte einbezahlt werden muss.

Gründungsprivilegierte GmbH

Wer diesen Betrag nicht aufbringt, hat die Möglichkeit eine sogenannte „Gründungsprivilegierung“ zu nutzen. Das bedeutet, dass Neugründungen mit einem Stammkapital von 10.000 Euro und einer bar einzuzahlenden Einlage von nur 5.000 Euro möglich sind. Allerdings besteht die Vorgabe, spätestens nach Ablauf der Gründungsprivilegierung (10 Jahre) das Stammkapital auf 35.000 Euro der Höhe nach beziehungsweise 17.500 Euro der Einlage nach aufzustocken.

Im Ergebnis eignet sich die GmbH besonders für Gesellschaften mit wenigen Gesellschaftern, die zum Teil oder alle an der Geschäftsführung beteiligt sein können, folglich insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe.

Offene Gesellschaft (OG):

Für diese nur verhältnismäßig selten gewählte Rechtsform sind mindestens zwei Personen nötig, die einen Gesellschaftsvertrag abschließen. Dieser Vertrag ist an keine Form gebunden. Die Beziehungen zwischen den Gesellschaftern sind meist persönlich ausgeprägt und weisen eine große Flexibilität auf. Die Vorteile liegen in der raschen und einfachen Form der Gründung einer Offenen Gesellschaft. Ein erheblicher Nachteil ist jedoch, dass die Gesellschafter für die Verbindlichkeiten – im Gegensatz zur GmbH - persönlich und unbeschränkt haften.

Kommanditgesellschaft (KG):

Diese stellt eine Spezialform der Offenen Gesellschaft war, bei der zumindest ein Gesellschafter (Kommanditist) nur beschränkt haftet. Die Stellung des Kommanditisten ist flexibel gestaltbar. Diese kann auf eine reine Kapitalbeteiligung beschränkt sein oder aber Kommanditisten arbeiten im Unternehmen mit und üben diese Tätigkeit in Form eines echten Dienstverhältnisses aus oder sind selbstständig erwerbstätig. Es muss jedoch weiterhin zumindest ein Gesellschafter persönlich und unbeschränkt haften (Komplementär). Am gebräuchlichsten ist dabei die GmbH & Co KG, eine Spezialform der KG. Anders als bei einer typischen Kommanditgesellschaft ist der persönlich und unbegrenzt haftende Gesellschafter (Komplementär) keine natürliche Person, sondern eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Ziel dieser Konstruktion ist es, Haftungsrisiken für die hinter der Gesellschaft stehenden Personen auszuschließen oder zu begrenzen.

Neben den österreichischen Gesellschaftsformen können auf Grund der Liberalisierung im Zuge der EuGH-Rechtsprechung auch ausländische Gesellschaftsformen (insbesondere Kapitalgesellschaften) in Österreich tätig werden.

Rechtsanwälte und Steuerberater können helfen

Letztlich stellt die Wahl der Rechtsform meist einen Kompromiss dar. Vor der Unternehmensgründung sollte man sich dabei umfassend mit der Thematik auseinanderzusetzen und am besten mit Experten wie Rechtsanwälte und Steuerberater die geeignete Rechtsform finden. Doch eine einmal gefundene Rechtsform muss nicht auf Dauer vorteilhaft sein. Denn so vielfältig die Gründe für die konkrete Auswahl zunächst waren, so können sich diese früher oder später bei entsprechender Unternehmensentwicklung wie neu hinzugekommen Gesellschaftern oder Vergrößerung des Unternehmens ändern und damit eine Änderung erforderlich machen.

Weitere Informationen zum Thema Unternehmensgründung erhalten Sie unter:
Dr. Georg Lugert
Rechtsanwalt
Dr.-Karl-Renner-Promenade 10
3100 St. Pölten
Tel: 02742/70707-0
Fax: 02742/70707-4
Email: office@beratungshaus.at


Weitere Informationen unter:
D.A.S. Rechtsschutz AG
www.das.at
Info-Hotline: 0800 386 300
Mail: info@das.at
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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und beispielgebende RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 400 Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien (seit 2014). In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet.

Seit 1928 steht die D.A.S., das Original für Rechtsschutz, für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG, einer der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa.

Haftungsauschluss:
Antworten auf Fragen und bereitgestellte Texte haben lediglich Informationscharakter. Sie wurden von den Rechtsexperten der D.A.S. bzw. durch deren Partneranwälte gründlich recherchiert. Trotzdem übernehmen trend online und die D.A.S. Rechtsschutz AG keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

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