Österreich, Land der guten Zahlungsmoral

Österreich, Land der guten Zahlungsmoral

Der Kreditschutzverband KSV1870 stellt Österreichs Gemeinden, Behörden und Unternehmen ein gutes Zeugnis aus. Die Zahlungsmoral im Land hat sich demnach weiter verbessert. Rechnungen werden zum Großteil binnen der vereinbarten Zahlungsfrist beglichen.

In Zeiten von E-Mail und anderen elektronischen Kommunikationswegen ist der Blick in den eigenen Briefkasten nur selten ein Grund zur Freude. Abgesehen von Werbematerial finden sich darin zumeist nur Rechnungen und das eine oder andere offizielle Schreiben.

So ungern man Rechnungen in der Post findet - in Österreich werden sie in der Regel dennoch pünktlich gezahlt. Zu diesem Schluss kommt der Kreditschutzverband KSV1870 in seiner neuen Trendstudie zur Zahlungsmoral in Österreich.

Besonders zufriedenstellend ist demnach die Zahlungsmoral der Gemeinden, Bundesbehörden und Länder. Die öffentlichen Stellen begleichen ihre Rechnungen zu rund 80 Prozent pünktlich. Nur unwesentlich niedriger ist die Zahlungsmoral der heimischen Unternehmen. 76 Prozent überweisen die fälligen Beträge innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels. Im Durchschnitt werden Verbindlichkeiten nach spätestens 29 Tagen beglichen.

In Österreich werden Rechnungen rasch beglichen. Besonders die Gemeinden zahlen deutlich schneller als in den Vorjahren.

Etwas verzerrt wird das Bild dadurch, dass die öffentliche Hand bei den Zahlungsfristen mehr Spielraum als Unternehmen hat. Sie hat im Schnitt 32 Tage Zeit, während Unternehmen ihre Rechnungen innerhalb von 24 Tagen zahlen müssen. Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, streut der öffentlichen Hand dennoch Rosen: „Ein Zahlungsverzug ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verlust für die Gläubiger, und der kann drastische Folgen haben. Das Bundesvergabegesetz mit seinen 30 Tagen Zahlungsfrist dürfte bei den öffentlichen Institutionen das Bewusstsein dafür geschärft haben, dass Dienstleister und Zulieferer ihrerseits ihre Mitarbeiter und Verbindlichkeiten bezahlen müssen.“

Auch Unternehmen sind mit dem Zahlungsverhalten ihrer Kunden zufrieden. Das gilt sowohl für Firmenkunden als auch für Privatkunden, Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zufriedenheit sogar leicht verbessert. Besonders gut zahlt man im Westen des Landes, Richtung Osten nimmt die Zahlungsmoral etwas ab.

Schnelles Mahnen wirkt

Doch was tun Gläubiger, um im Fall des Falles die Zahlungsmoral anzukurbeln? Nur 18 Prozent der Unternehmen tun nichts. Der Rest setzt zunächst zuerst auf eigene Versuche, schriftliche, telefonische, oder persönliche Mahnungen. Das tun sie auch sehr schnell, ein Drittel der Unternehmen schickt bereits eine Woche bis zehn Tage nach nach Fälligkeit eine erste Mahnung. Das ist auch gut, wie Johannes Eibl, Chef der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH erklärt: „Die Chancen auf Bezahlung sinken mit jedem Tag nach Fälligkeit rapide. Daher raten wir keinesfalls dazu, abzuwarten. Nur schnelle und effiziente Schritte führen zum Ziel“

Leider helfen auch Mahnungen nicht immer. Am Ende müssen 28 Prozent, also mehr als ein Viertel aller offenen, fälligen Rechnungen, extern zur Betreibung gegeben werden. Die dabei eingeforderten Verzugszinsen sind gesetzlich geregelt und auch Mahnkosten werden gesetzlich als Schadenersatz gewertet. Trotzdem geben sich 64 Prozent der Unternehmen letztlich bei Privat- und Firmenkunden mit der Bezahlung der Kapitalforderung zufrieden, von den öffentlichen Stellen verzichten sogar 72 Prozent auf Zinsen und Spesen.

Der durchschnittliche Forderungsverlust von Unternehmen liegt dem KSV zufolge bei etwa zwei Prozent des Umsatzes. Um diesen Verlust auszugleichen, stellt die Hälfte der Unternehmen einzelne, als schwierig bekannte Kunden auf sichere Zahlungsarten, wie Vorauskassa oder Nachnahme um. Etwa ebenso viele versuchen, Forderungsverluste durch Liefersperren zu vermeiden.

Generell steigt auch der Optimismus in Österreichs Unternehmen. 53 Prozent, etwas mehr als im Vorjahr, schätzen ihre momentane Geschäftslage positiv ein. Die befragten Unternehmen blicken auch optimistisch auf die kommenden Monate: 41 Prozent erwarten eine gute Geschäftsentwicklung, acht Prozent sogar eine sehr gute. Und auch das Zahlungsverhalten der eigenen Kunden wird von 55 Prozent entsprechend positiv erwartet, vier Prozent prognostizieren sogar weitere Verbesserungen.


Weitere Informationen Rund um das Thema Bonität, Gläubiger- und Kreditschutz finden Sie auf der Website des KSV1870

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