
„Austrian Business Check“ 2026 des KSV1870: Jedes sechste österreichische Unternehmen überlegt Abwanderung.
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110.000 österreichische Unternehmen und damit 17 Prozent denken über einen Standortwechsel ins Ausland nach, hieß es heute Morgen in der Pressekonferenz des KSV1870 zum diesjährigen Business Check. Einen direkten Vergleich zu den Jahren davor gibt es nicht – denn dieses Thema wurde dieses Jahr zum ersten Mal abgefragt. Die Gründe für die Überlegung zumindest einzelne Geschäftsbereiche oder größere Projekte innerhalb der nächsten drei Jahre ins Ausland zu verlagern sind vielseitig.
Zum einen spielen erhöhte Kosten eine Rolle. Die größten Kostenfaktoren sind laut Umfrage die steigenden Energiekosten mit 48 Prozent, die Preissteigerungen von Lieferanten mit 43 Prozent und steigende Personalkosten mit 41 Prozent. Aber auch die Zurückhaltung von Konsument:innen und die damit geringere Nachfrage macht Österreichs Unternehmen zu schaffen. So ist bei jedem vierten Unternehmen die Auftragslage rückläufig. Zum anderen gestaltet sich die geeignete Personalauswahl für Unternehmen äußerst schwierig.
Auch die politischen Rahmenbedingungen werden nicht optimistisch bewertet. Gerade einmal sechs Prozent geben in der Umfrage an, mit der Anfang des Jahres von der Bundesregierung vorgestellten „Industriestrategie Österreich 2035“ zufrieden zu sein. Die anderen 94 Prozent finden sie zu gleichen Teilen mittelmäßig oder sind unzufrieden. Grund für den Unmut sind fehlende Maßnahmen zur Kostensenkung oder Entbürokratisierung.
Positiver nehmen österreichische Unternehmen immerhin kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen, wie das EU-Mercosur-Abkommen oder das EU-Indien-Abkommen wahr. So versprechen sich 36 Prozent dadurch einen positiven Einfluss auf ihre wirtschaftliche Situation und nur 27 Prozent einen negativen.
Der Ausblick ist alles andere als rosig: Aktuell sind nur 48 Prozent der österreichischen Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. „Wenn die Krise im Nahen Osten noch weiter anhält, könnte dieser eh schon niedrige Wert noch weiter fallen“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. 2021 lag der Wert beispielsweise noch bei 65 Prozent. Besonders unzufrieden mit ihrer Geschäftslage sind die Branchen Gastronomie und Beherbergung mit 35 Prozent,Verkehr und Lagerei mit ebenfalls 35 Prozent oder Telekommunikation- und IT-Branche mit 43 Prozent.
„Die Gastronomie hat sich zum größten Problem-Hotspot des Landes entwickelt. Auch deshalb, weil in diesem Segment hohe Betriebskosten auf eine Vielzahl struktureller Probleme, wie geringe Margen, weniger Konsum und starke Konkurrenz, treffen. Das zeigt sich auch bei den Insolvenzzahlen“, so Vybiral. Besser sieht es in den Branchen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 85 Prozent und der Land- und Forstwirtschaft mit 76 Prozent oder dem Gesundheits- und Sozialwesen mit 59 Prozent aus.
Dennoch glauben gerade einmal 27 Prozent an die Besserung ihrer eigenen Situation in 2026. Zum Vergleich: Von 2024 auf 2025 hatten noch 44 Prozent Hoffnung auf eine Besserung.
85 Prozent der Unternehmen sind im Sparmodus
Aktuell befinden sich 85 Prozent der befragten Unternehmen im Sparmodus – somit gaben nur 15 Prozent an ohne Sparmaßnahmen auszukommen. Gespart wird vor allem beim Einkauf, dem Energieverbrauch, der Kommunikation, Werbung und Events, sowie der Verwaltung und den Reisekosten. Davon betroffen sind vor allem wissenschaftliche oder technische Dienstleister, wie beispielsweise Architekturbüros oder Unternehmensberatungen. Verhältnismäßig gut kommen hingegen das Gesundheits- und Sozialwesen, sowie Unternehmen aus den Sektoren „Erziehung und Unterricht“ ohne Sparen aus.
Wegen den Sparmaßnahmen ist auch der Wille für 2026 Geld in die Hand zu nehmen und in das eigene Unternehmen zu investieren dementsprechend gering. So schließen 47 Prozent der Unternehmen Investments bis Jahresende kategorisch aus. „Die finanzielle Vorsicht der Unternehmen in den vergangenen Jahren und die Zurückhaltung bei Investitionen ist zwar kein Zukunftsmodell, zeigt aber kurzfristige Wirkung“, kommentiert Günther Fasching, Prokurist der KSV1870 Information GmbH die Entwicklung.
Wenn jedoch Unternehmen in etwas investieren, dann mit 59 Prozent in die Digitalisierung bzw. die Implementierung von Künstlicher Intelligenz. Diese zukunftsträchtige Entwicklung begrüßt die KSV1870. Danach folgen die Erhöhung der Kundenzufriedenheit mit 34 Prozent oder reine Ersatzinvestitionen, um den Betrieb am Laufen zu halten, mit 31 Prozent.
