Nächste Runde im Insolvenzstreit um Air Berlin-Tochter Niki

Nächste Runde im Insolvenzstreit um Air Berlin-Tochter Niki

Die Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki wird immer difusser. In der Pleite soll der Bieterprozess für Niki neu aufgerollt werden.

Das Landesgericht Korneuburg hat nun ein Hauptverfahren über die Niki-Insolvenz in Österreich eröffnet. Die dramatische Konsequenz: Der Bieterprozess um Niki wird neu aufgerollt. Der deutsche Insolvenzverwalter ist damit nicht einverstanden. Der bisherige Niki-Käufer wartet ab. Niki hat eigenen Angaben zufolge 153 Millionen Euro Schulden.

Wien. Das Gezerre um die insolvente Pleiteairline Niki nimmt kein Ende. Im Konkursverfahren geht es weiter. Und die Übernahme der Assets von Niki durch IAG/Vueling ist nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem der Vertrag niedergeschrieben wurde. Das Konkursverfahren über die NIKI Luftfahrt GmbH wurde nun in Österreich eröffnet, nachdem sich die Gerichte in Berlin und Korneuburg zuletzt nicht einig waren, wo die Niki-Pleite verhandelt werden muss. Mit dramatischen Konsequenzen für die International Airlines Group (IAG), zu der neben Vueling auch British Airways und Iberia gehören. Die IAG hatte in einem Bieterverfahren im Dezember die Tochter der Pleiteairline Niki für rund 36,5 Millionen Euro erworben.

Das Landesgericht Korneuburg holt nun das Insolvenzverfahren nach Österreich. Es wird nun ein Hauptverfahren eröffnet. Ein Tag nachdem der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther ein Sekundärverfahren für das Unternehmen beantragt hatte, nimmt die Causa wieder einmal eine Wende. Und die Uhren werden was die Übernahme anbetrifft wieder auf Null gestellt.

Ein Hauptverfahren in Österreich bedeutet, dass der Bieterprozess um Niki nochmals durchgeführt werden muss. Im Eiltempo soll der Verkauf der Airline samt seinen Assets (Flugrechte, Betriebsgenehmigung, Personal etc.) wiederholt werden. Damit wird der Kauf von Niki durch den britisch-spanischen Investor IAG mit der Billigflugtochter Vueling.com neu aufgerollt. Eine IAG-Sprecherin erklärte gegenüber Reuters, man werde die Lage nach dem Gerichtsentscheid in Österreich weiter beobachten.

Neuer Bieterprozess

Neben IAG haben nun auch Tuifly, der Reisekonzern Thomas Cook (Condor) sowie Unternehmensgründer Niki Lauda noch einmal eine Chance ein Angebot abzugeben. Der ursprüngliche Käufer, der AUA-Mutterkonzern Lufthansa, war nach Bedenken der EU-Wettbewerbshüter abgesprungen. Lauda soll angeblich 32 Millionen Euro geboten haben.

IAG/Vueling hatte diese Woche noch erklärt trotz Rechtsunsicherheiten am Deal und seinen daraus folgenden Konsequenzen festzuhalten. IAG hatte den größten Teil der insolventen Niki übernommen, darunter die Betriebsgenehmigung, die Start- und Landerechte (Slots) sowie 740 der 1.000 Mitarbeiter zu übernehmen. Auch die Markenrechte sind in dem Kaufpreis von 20 Mio. Euro enthalten. Weitere 16,5 Mio. Euro stellte IAG als Liquiditätshilfe bereit, um den derzeitigen Betrieb aufrecht zu erhalten. Davon sind drei Millionen Euro bereits geflossen.

Doch nun ist der Zuschlag Makulatur, weil es zu einer Neuausschreibung kommt.

"Die Angebotsfrist läuft bis 19.01.2018. Zur Angebotslegung sind ausschließlich die von der Insolvenzverwaltung eingeladenen Rechtsträger (das sind die letzten Bieter des früheren vorläufigen Insolvenzverfahrens) legitimiert", erklärte Richter Richard Tschugguel im Konkursedikt. Die entscheidende Gläubigerausschusssitzung findet am 22. Jänner statt.

Der Einspruch

Der deutsche Insolvenzverwalter ist mit dem zweiten Hauptverfahren in Österreich nicht einverstanden. "Diese Eröffnung widerspricht der Europäischen Insolvenzordnung. Die NIKI Luftfahrt GmbH wird nun die zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte prüfen." Priorität habe allerdings der Verkauf an Vueling. "Im Vordergrund steht allerdings, dass der bereits geschlossene Kaufvertrag für den Niki-Geschäftsbetrieb Rechtskraft erlangt und möglichst viele Arbeitsplätze gerettet werden. Kompetenzfragen sind dabei völlig nachrangig. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden wir umgehend die Öffentlichkeit informieren", hieß es in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA.

Doch nun ist Eile geboten. Zur Masseverwalterin wurde die Wiener Anwältin Ulla Reisch bestellt. Die renommierte Insolvenzexpertin, die schon in die Pleiten von Zielpunkt und Alpine involviert war, sagte zur APA, den Verkauf neu starten zu müssen: "Wir werden aber prüfen, inwieweit wir aufsetzen können auf Dingen, die schon passiert sind." Die österreichische Masseverwalterin wiederum kündigte in einer Aussendung an, umgehend mit dem deutschen Insolvenzverwalter Flöther Kontakt aufzunehmen, um ein koordiniertes Vorgehen zu finden.

Es soll so schnell wie möglich geprüft werden, "ob und inwieweit an einem seitens des deutschen vorläufigen Insolvenzverwalters der NIKI Luftfahrt GmbH abgeschlossenen Unternehmenskaufvertrag festgehalten werden kann oder ob diesbezüglich andere Verwertungsalternativen bestehen, um eine den Interessen der Gläubiger und der betroffenen Mitarbeiter entsprechende bestmögliche Lösung zu finden."

Niki hatte am 13. Dezember bereits in Berlin Insolvenz angemeldet. Aus dem vom deutschen Insolvenzverwalter Lucas Flöther gestarteten Notverkauf für große Teil von Niki ging die spanische IAG-Billigtochter Vueling als Bestbieter hervor. Wegen der Rechtsunsicherheit, ob Deutschland oder Österreich für die Niki-Pleite zuständig, hatte Flöther diese Woche in Korneuburg ein sogenanntes Sekundär-Insolvenzverfahren beantragt. Das Landesgericht Korneuburg wies diesen Antrag ab und eröffnete stattdessen ein Hauptverfahren, wie es das Fluggastrechteportal Fairplane gefordert hatte.

Zufrieden mit der Entscheidung ein Hauptverfahren in Österreich zu eröffnen, zeigt sich freilich Fairplane. Der Dienstleister vertritt eigenen Angaben zufolge Forderungen in der Höhe von 1,2 Mio. Euro von 3000 Niki-Passagieren.

Laut Kreditschutzverband KSV1870 hat Niki Verbindlichkeiten gegenüber ca. 200 Gläubigern in Höhe von 153 Mio. Euro bestätigt. 48 Mio. Euro davon betreffen verbundene Unternehmen, also den ebenfalls insolventen Mutterkonzern Air Berlin.

Zwei Hauptverfahren

Doch der juritische Streit um die Zuständigkeit der Insolvnenz ist somit noch nicht vollends geklärt. Damit gibt es derzeit zwei Hauptverfahren, denn das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sah sich ebenfalls international zuständig für das Niki-Insolvenzverfahren. Die deutsche Berufungsinstanz entschied hingegen für ein Verfahren in Österreich. Dagegen läuft noch eine Beschwerde von Niki beim deutschen Höchstgericht.

Die Allgemeine Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung wurde für 31.1.2018, die Prüfungstagsatzung für 28.2.2018 anberaumt. Die Anmeldefrist wurde vom Insolvenzgericht mit 14.2.2018 festgesetzt. Gleichzeitig wurde auch ein aus sieben Mitgliedern bestehender Gläubigerausschuss bestellt, dem unter anderem die Gläubigerschutzverbände angehören.

Bonität

Out of Business: Aktuelle Insolvenzen

Bonität

Massiver Anstieg bei Privatkonkursen

Bonität

Linzer Anlagenbauer Hitzinger insolvent - Sanierung wird angepeilt