Gusenbauer, Genosse, Geschäftsmann: "Ich habe ein reines Gewissen“

Gusenbauer, Genosse, Geschäftsmann: "Ich habe ein reines Gewissen“
Gusenbauer, Genosse, Geschäftsmann: "Ich habe ein reines Gewissen“

One-Man-Show mit vielen Aufgaben: Alfred Gusenbauer.

Der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verdient nicht nur mit den Kasachen Kohle. Auch in anderen Weltteilen ist er gut im Geschäft. Dass der Neo-Kapitalist dabei die Moral links liegen lässt, weist er strikt zurück. Gusenbauer spricht mit FORMAT-Redakteurin Miriam Koch auch über den Auftrag, den er aus Kasachstan angenommen hat und welche Jobs er aus moralischen Gründen ablehnen würde.

Was will Alfred Gusenbauer? Vielleicht ganz Österreich oder, noch besser, der ganzen Welt beweisen, dass man ihn nicht unterschätzen soll? Dass er ein strategisch denkender, polyglotter Visionär ist, dass er sehr erfolgreich sein kann? Als SPÖ-Kurzzeitkanzler war er glücklos, als Unternehmer ist er hoch im Kurs. Der Gewinn seiner Ich-AG ist beachtlich, und sein Terminkalender quillt über.

Innerhalb von sieben Tagen absolvierte der 55-Jährige die Strabag-Hauptversammlung in Wien, war beim Gipfel der Mächtigen, dem Bilderberger-Treffen in Tirol, besuchte in Moskau eine Wirtschafts-Konferenz, in Vancouver Sitzungen von Gabriel Ressources, in St. Michael im Lungau eine Magna-Management-Tagung und hatte einen Termin in Belgrad.

Dazwischen unterstützte er René Benko beim Versuch, um knapp drei Milliarden Euro die Warenhauskette Kaufhof in Deutschland zu übernehmen, und hatte in eigener Sache erheblichen Erklärungsbedarf: Nach einer großen Geschichte im deutschen "Spiegel“ erschien Gusenbauer plötzlich als Mittelpunkt der Kasachen-Verschwörung und wirkte wie ein williger Handlanger eines Diktators.


"Ich habe ein reines Gewissen“

Alfred Gusenbauer über den Auftrag, den er aus Kasachstan angenommen hat und welche Jobs er aus moralischen Gründen ablehnen würde.

Format: Was ist denn aus Ihrer Sicht der Sukkus der "Spiegel“-Geschichte?
Alfred Gusenbauer: Dass es deutsche Politiker gibt, die überlegt haben, für Kasachstan zu arbeiten. Und dass es deutsche Politiker gibt, die Anwälte sind und sich für die Opfer des verstorbenen Rakhat Aliyev einsetzten. Das alles wurde in eine Geschichte vermischt, deren Botschaft ist: Die deutschen Politiker sind Teil einer internationalen Verschwörung.

Und Sie sind das Mastermind im "Maschinenraum des Lobbyismus“.
Gusenbauer: Ich bin der Vorsitzende des Kasachstan-Komitees. Aber das hat nichts mit Aliyev zu tun.

Es gibt aber Dokumente, die das Gegenteil belegen.
Gusenbauer: Jemand, der früher in der Kanzlei Lansky gearbeitet hat, hat offenbar Unterlagen gestohlen, sie zum Teil manipuliert beziehungsweise gefälscht und dann verkauft.

Die Causa Aliyev hat Sie wirklich nie beschäftigt?
Gusenbauer: Ein einziges Mal wurde ich damit konfrontiert, zu meiner Zeit als Bundeskanzler. Damals wurde ich darauf angesprochen, Aliyev auszuliefern. Mein Standpunkt war und ist: Österreich ist ein Rechtsstaat, wenn die Gerichte entscheiden, dass er nicht ausgeliefert wird, wird er nicht ausgeliefert. In seinem ersten Buch hat das Herr Aliyev auch gewürdigt.

Hatten Sie moralische Bedenken, bevor Sie den Auftrag aus Astana übernahmen?
Gusenbauer: Nein. Es geht darum, die Lage auf der Welt zu verbessern. Dass Kasachstan ein spezifisches Land ist, ist völlig klar. Aber ich kann mich nicht nur für die Entwicklung von Ländern, in denen es bereits Demokratie gibt, interessieren und für alle anderen nicht. Wir arbeiten nicht für einen Diktator, sondern für die Regierung, für den Fortschritt dieses Landes. Und Fortschritte sind erkennbar. Etwa wenn die EU ein vertieftes Partnerschaftsabkommen mit Kasachstan macht.

Ihr Jahreshonorar waren 400.000 Euro, wie man las. Ist das vor Steuern?

Gusenbauer: Ich bin nicht befugt, die Summe zu bestätigen. Nur, dass solche Beträge klarerweise immer Bruttobeträge sind. Ich versteuere übrigens alle meine Einkommen, auch wenn ich sie im Ausland generiere, in Österreich. In diesem Fall werden sie nicht über meine Firma versteuert, weil ich ja dort eine Funktion habe, sondern über meine Einkommenssteuer.

Wer genau bezahlt das Honorar?
Gusenbauer: Vertragspartner ist der Staatsfonds.

Wie kommen die Preise zustande?
Gusenbauer: Man weiß, was eine Rede von einer Hillary Clinton kostet (bis zu 300.000 Dollar, Anm.). In Europa gibt es etwas andere Maßstäbe, aber klar ist, dass hochkarätige internationale Beratungsverträge sich ab diesem Bereich abspielen.

=> Lesen Sie das komplette Interview in FORMAT Nr. 25/2015
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Die One-Man-Show mit vielen Aufgaben

Neben seinen Aufsichtsratsmandaten - etwa bei RHI - bietet Alfred Gusenbauer Lobbying an. Ein Überblick zu den Geschäftsfeldern des Ex-SPÖ-Bundeskanzlers.

Chile. Die chilenische Investmentfondsgesellschaft Equitas Capital hat dank Gusenbauer ihren Europasitz in Wien. Sie ist hauptsächlich in Umwelt- und Forstbetrieben in ganz Südamerika engagiert.

Immos. An der im Vorjahr gegründeten Peak Pride Management hält Gusenbauer 14,29 Prozent. Sie setzt auf Immobilien.

Kanada. Gusenbauer ist seit 2010 im Board of Directors des Bergbaukonzerns Gabriel Ressources. Das in Vancouver beheimatete Unternehmen streitet mit Rumänien um Goldschürfrechte.

Kasachstan. Für angeblich 400.000 Euro im Jahr hilft er dem Steppenland bei der Weiterentwicklung und dem Aufbau von demokratischen Strukturen.

Cudos. Private-Equity-Firma, an der Gusenbauer 25 Prozent hält. Cudos hat Backhausen saniert und erwarb nun Anteile an Sky Plastic.

Serbien. Gusenbauer berät das Land bei den Verhandlungen für einen EU-Beitritt.

Novomatic. Den niederösterreichischen Glücksspielkonzern unterstützt Alfred Gusenbauer beim Lobbying in Südamerika und Osteuropa.

Strabag. Gusenbauer leitet den Strabag-Aufsichtsrat und ist Vorstand von zwei Stiftungen des Industriellen Hans Peter Haselsteiner.

Signa. Gusenbauer ist Vorsitzender des Beirats des von René Benko gegründeten Immobilienunternehmens, Aufsichtsratschef von Signa-Firmen und bis ins Detail in jeden größeren Deal involviert.

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