Was bei Österreichs Fußballklubs unrund läuft

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
9 min
Artikelbild
 © APA-IMAGES/SEPA.MEDIA/THOMAS PICHLER

Die Suche nach Sponsoren wird für die heimischen Bundesliga-Vereine immer schwieriger. Das hat man sogar bei Austria Wien zuletzt gesehen.

©APA-IMAGES/SEPA.MEDIA/THOMAS PICHLER
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

Zum Frühlingsauftakt der Bundesliga: Die anhaltende Wirtschaftskrise hat einige heimische Vereine an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht. Die WM-Teilnahme Österreichs verdeckt finanzielle und sportliche Probleme.

Fünf Monate ist Bernhard Schmidt nun als Geschäftsführer des niederösterreichischen Traditionsvereins Admira Wacker im Einsatz, und es waren keine leichten Monate. Rund 130 Gespräche mit möglichen Investoren hat er seither geführt. Bislang allerdings erfolglos. In der Bilanz des Zweitligisten klafft knapp vor dem Liga-Frühjahrsauftakt ein Loch von rund zwei Millionen Euro. Dabei hatte es zuletzt ganz gut ausgesehen. Eine Kryptobörse war bei Admira vorstellig geworden und hatte signalisiert, mit einem sechsstelligen Betrag einsteigen zu wollen. Doch die Gespräche verliefen im Sand. „Unsere wirtschaftliche Lage ist angespannt, aber wir arbeiten hart daran, in naher Zukunft eine Lösung zu finden“, bleibt Schmidt zuversichtlich. Ende Oktober wurde öffentlich, dass sich Hauptsponsor Flyeralarm von Admira zurückziehen wolle. Und Präsident Christian Tschida, langjähriger Geldgeber des Vereins, stellte klar: „Wir öffnen neue Sponsoringmöglichkeiten und Partnerschaften, um gemeinsam das nächste Kapitel der Vereinsgeschichte zu schreiben.“ Sprich: Neue Investoren und Sponsoren werden dringend gesucht.

Obwohl die Admira zuletzt sportlich aufzeigen konnte und das Halbjahr auf dem ansehnlichen dritten Tabellenplatz beenden konnte, ließ sich der Erfolg nicht monetarisieren. Das Geschäftsjahr, das Ende Juni endete, bescherte der Admira einen Verlust in Höhe von 354.000 Euro, das Eigenkapital war mit minus 1,37 Millionen Euro klar negativ. Besonders bitter: Infolge ausbleibender Zahlungen hat das Bundessportzentrum der Admira sogar einmal das Licht während des Trainings von Nachwuchssportlern abgedreht. Auch Bundessportminister An­dreas Babler und das Land Niederösterreich zeigen sich bislang wenig entgegenkommend, wenn es um die Übernahme von Kosten für die Ausbildung der Jungfußballer geht – und das kurz nach dem beachtlichen Erfolg der U17-Fußballer, die Vizeweltmeister wurden.

Rote Zahlen

Die Admira ist nicht der einzige Bundesliga-Verein, der finanziell zu kämpfen hat. So hat Austria Klagenfurt erst vor wenigen Tagen die Insolvenz im letzten Moment abwenden können. Ende 2025 ging der SV Stripfing pleite. Auch die Finanzsituation von Schwarz-Weiß Bregenz und des SKN Sankt Pölten soll schon besser gewesen sein. In der Admiral Bundesliga sticht Austria Wien seit Jahren mit roten Zahlen hervor. Zuletzt stand bei den Favoritnern ein Verlust von 7,7 Millionen Euro zu Buche. Da kam es gerade recht, dass die Stadt Wien den Violetten mit dem Kauf des ­Stadions um knapp 40 Millionen Euro zur Hilfe eilte.

„Die Finanzierung der Vereine basiert in Österreich stark auf einem Sponsoringmodell“, erläutert WU-Professor Jonas Puck, Sportmanagementexperte und selbst Mitglied im Präsidium der First Vienna. Wobei viele Vereine stark auf einen großen Sponsor setzen. „Als wirtschaftlich am nachhaltigsten hat sich eine breit aufgestellte Sponsorenpyramide herausgestellt“, so Puck. Über die verfügen aber nur die wenigsten Vereine, vor allem jene in der zweiten Liga liefern sich auf Gedeih und Verderb oft einem großen Sponsor aus. Jetzt, da es der Wirtschaft schlecht geht, ziehen sich diese aber recht rasch aus dem Sport zurück oder gehen pleite wie Sponsor Kirisits beim SV Stripfing. „Geht’s den Firmen schlecht, geht’s auch den Sportarten schlechter, die vom Sponsoring leben. Denn oft wird zuerst beim Marketingbudget gekürzt“, bedauert Bundesliga-Geschäftsführer Christian Ebenbauer.

Laut UEFA beträgt der Anteil des Sponsorings an den Gesamteinnahmen (271 Millionen Euro) der Admiral Bundesliga 35 Prozent. Auch international sind Einnahmen aus Sponsoring zuletzt stark angestiegen (UEFA-Schnitt: 39 Prozent), während Einnahmen aus TV-Rechten sukzessive weniger wurden. Nicht berücksichtigt in der Aufstellung der UEFA sind Transfereinnahmen, die auch für österreichische Klubs immer wichtiger werden. Laut Bundesliga machten sie zuletzt rund 15 Prozent der Gesamteinnahmen aus.

Doch nicht nur die Sponsoren müssen sparen. So hat die Bundesregierung angekündigt, die Bundessportförderung heuer um zehn Prozent auf 202 Millionen Euro zu kürzen, was sich bei Nachwuchsförderung und Infrastruktur der Klubs schmerzhaft niederschlägt. Auch der Medienkuchen ist empfindlich kleiner: Waren es bislang 42 Millionen Euro, zahlen Sky & Co. ab heuer nur mehr etwas mehr als 30 Millionen Euro. Sogar der ÖFB setzt den Sparstift an und gibt ab diesem Sommer die Kosten für Schiedsrichter (rund eine Million Euro) an die Klubs ab.

„Es ist nicht auszuschließen, dass wir heuer noch weitere Insolvenzen im Sport sehen“, erwartet Ebenbauer. Nachsatz: „Genau so, wie es mehr Insolvenzen in der Wirtschaft gibt.“ Dennoch stehen österreichische Klubs im europäischen Vergleich finanziell noch gut da. Im Wirtschaftsranking der UEFA belegt Österreich gemessen an den Einnahmen den 15. Rang. In der letzten Saison wiesen nur drei Vereine ein negatives Eigenkapital aus: Austria Klagenfurt, Austria Wien und Blau-Weiß Linz. In Belgien etwa, das in der FIFA-Weltrangliste den ersten Platz belegt, gibt es gleich neun Klubs mit negativem Eigenkapital, in England sieben. „In der Premier League schreiben fast alle Vereine Verluste“, weiß WU-Professor Puck. Denn, so der Experte: „Die meisten Investoren haben kein nachhaltiges Interesse an den Vereinen.“ In England wie in nahezu allen Ländern Europas gilt die in Österreich und Deutschland vorherrschende „50+1-Regel“ nicht. Sie verunmöglicht es Investoren, mehr als die Hälfte am Verein zu besitzen. „Ich weiß nicht, ob wir uns ein Aus dieser Regel wünschen sollten“, meint Puck. Denn über Investoren käme meist nur einmalig ein größerer Geldbetrag in den Klub. Das zeigt auch ein Blick in die Bücher der Topklubs, von denen viele rote Zahlen schreiben. Die Premier League etwa hat in der letzten Saison insgesamt Verluste von 877 Millionen Euro geschrieben, während die Admiral Bundesliga-Vereine kumuliert immerhin ein Plus von 42 Millionen Euro schreiben.

Sportlicher Rückschritt

Auf einem anderen Blatt steht die schwache sportliche Performance der heimischen Klubs. Zuletzt ist Österreich ja in der Fünf-Jahreswertung der UEFA vom 13. auf den 17. Platz abgerutscht, weil man international zuletzt wenig aufzeigen konnte. „Wenn man sieht, wie wir international dastehen, muss man sich Gedanken darüber machen, wie wir es schaffen, dass mehr Geld in den Fußball kommt“, gibt Ebenbauer zu bedenken, der durchaus bereit wäre, über die 50+1-Regel zu diskutieren. Für Bernhard Schmidt ist klar, dass mehr Hilfe für den Fußball aus der Politik kommen muss. „Die zweite Liga, die hauptsächlich eine Ausbildungsliga ist, muss mehr gefördert werden bzw. müssten die Lohnnebenkosten gesenkt werden“, fordert er. Und Puck wünscht sich eine Professionalisierung der Zweitligavereine durch eine Art „Vereinsführerschein“ für verantwortliche Funktionäre. In vielen Fußballvereinen werden ja wichtige Arbeiten großteils von Ehrenamtlichen erledigt.

Aber bringt die heurige WM-Teilnahme Österreichs den Vereinen nicht auch einen finanziellen Schub? „Für die Stimmung im Land ist die Teilnahme schon sehr gut. Allerdings wirkt sich das finanziell in erster Linie auf das Sponsoring der Nationalmannschaft aus, nicht automatisch auf jeden Klub“, glaubt Ebenbauer. Aber immerhin: Von dem Geld, das die Nationalmannschaft in den USA erspielt, geht ein kleiner Anteil an die Klubs. Die Daumen sind dort also fest gedrückt. Denn der Weltmeister bekäme 50 Millionen Euro aus dem UEFA-Topf. Daran würden auch die Klubs gerne mitnaschen.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 6. Februar 2026 erschienen.

Zur Magazin-Vorschau: Die aktuelle trend. Ausgabe

Zum trend. Abo-Shop

Über die Autoren

Logo