
Michael Pollaschak schafft als Manager bei Cewe Österreich elegant die Grätsche zwischen analoger und digitaler Fotoproduktion. Schwierigkeiten meistert er mit Bravour, das bewies er beim härtesten Hindernisrennen der Welt.
Die Menschen zücken bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Handys, um Augenblicke fotografisch festzuhalten. Die Datenspeicher sind voll von Hunderten, wenn nicht Tausenden Bildern. Obwohl die Digitalisierung ihren Siegeszug angetreten hat, sind gedruckte Fotokalender oder -bücher beliebt wie eh und je, weiß Michael Pollaschak, verantwortlicher Österreich-Manager für Marketing und E-Commerce bei Cewe, dem europäischen Marktführer im Bereich Foto-Dienstleistungen. Auch er selbst verschenkt jährlich zu Weihnachten Cewe-Fotobücher, die übrigens ihr 20-jähriges Jubiläum feierten: „Während andere Geschenke rasch ausgepackt sind, wird dem Fotobuch die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Die Familienmitglieder nehmen auf dem Sofa Platz, blättern die Seiten durch und lassen Erinnerungen lebendig werden. Foto ist das Festhalten einer Situation, eines Moments. Und bei uns hat das Foto erst dann einen Wert, wenn es gedruckt und haptisch erlebbar ist.“ Große Worte, doch Cewe, im SDAX gelistet und mehrheitlich im Familienbesitz, erzielt immerhin gut 40 Prozent von 832,8 Millionen Euro Umsatz zu Weihnachten mit personalisierten Fotoprodukten.
Das 1912 von Carl Wöltje – der Name geht auf die Initialen des Gründers zurück – in Oldenburg gegründete Unternehmen ist in 21 europäischen Ländern tätig und beschäftigt 3.959 Mitarbeiter. In Österreich ist Cewe neben dem Online-Shop auch stationär bei Bipa, Müller, Hartlauer, dm und Interspar vertreten. „Wir verstehen uns als Premiumanbieter, sind ausgerichtet auf Innovation und Kreativität.“ Vor allem KI-Unterstützung hat bei der Erstellung von Fotoprodukten nicht zuletzt für die Kund:innen einen hohen Stellenwert. „KI wird den Prozess weiter verändern, aber nicht das Ziel. Erinnerungen sollen bleiben. Gedruckt. Greifbar. Und mit Bedeutung.“
In Oldenburg arbeitet ein eigenes Team am Mobile & Artificial Intelligence Campus (MAIC) daran, Fotobücher einfacher, individueller und ästhetischer zu gestalten. KI wählt Bilder aus, optimiert sie, arrangiert Layouts – wenn gewünscht. „Die Kundinnen können die KI jederzeit einoder ausschalten“, betont Pollaschak. Datenschutz habe oberste Priorität. Das Ziel sei nicht Automatisierung um jeden Preis, sondern Entlastung: mehr Zeit für Kreativität, weniger Frust bei der Gestaltung. Ein weiteres Asset: Cewe bietet eine 100-Prozent-Geld-zurück-Garantie inklusive Neudruck, falls etwas nicht passt.
Ausgleich findet Pollaschak dort, wo es unbequem wird, beim Tough Guy Race, dem legendären extremen Hindernislauf in Wolverhampton, England, der als „Mutter aller Hindernisläufe“ gilt. Auf den Killing Fields müssen bei Temperaturen um die null Grad 21 schwere Hürden genommen werden. „Wir mussten unter 50 Zentimeter hohem Stacheldraht durch Matsch robben, durch dunkle 30 Meter lange Röhren kriechen, die zu einem Drittel mit Wasser gefüllt waren, dass es dir das Hirn vor Kälte zusammenzieht, oder durch brennende Heuballen laufen.“ Vorbereitet hat er sich jedes Mal ein halbes Jahr auf seinen Camps mit hartem Traning bei Schnee und Kälte.
Für ihn bedeutet diese Challenge auch einen spirituellen Wendepunkt. „Ich habe meine individuellen Glaubenssätze je nach Situation. Meditation, Disziplin und Vorbereitung helfen mir, den Tag zu verarbeiten und runterzukommen.“ Prinzipien, die Pollaschak auch ins Management überträgt: „Der Unterschied zwischen sehr gut und exzellent liegt nur im Kopf.“
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2026 erschienen.
