Familienzwist bei Swarovski: Gutachter, Drohungen, Kränkungen

Auch ohne das Urteil gegen das angeheiratete Familienmitglied Karl-Heinz Grasser ist das Jahresfinale im Kristallkonzern Swarovski dramatisch genug. Im Gebälk des Familienkonzerns knirscht es gewaltig. Die Strukurreform von CEO Robert Buchbauer wird bekämpft. Eine seiner schärfsten Gegnerinnen ist Nadja Swarovski-Adams.

Harte Kontrahenden im Familienzwist: Nadja Swarovski-Adams aus dem Stamm "Manfred" und CEO Robert Buchbauer.

Harte Kontrahenden im Familienzwist: Nadja Swarovski-Adams aus dem Stamm "Manfred" und CEO Robert Buchbauer.

Das nicht rechtskräftige Urteil gegen Karl-Heinz Grasser im Buwog-Prozess versetzt das Haus Swarovski in zusätzliche Unruhe. Grasser ist der Mann von Fiona Pacifico Griffini-Grasser aus dem „Fred“-Stamm der Kristalldynastie. Die 500.000 Euro „Schwiegermuttergeld“ von Fionas Mutter Marina Giori-Lhota waren im Strafprozess immer wieder Thema.

Noch deutlich nervenraubender ist für die Tiroler Großfamilie, die dieses Jahr das 125-Jahresjubiläum hätte feiern wollen, derzeit der Kampf zwischen den Stämmen. Wie der „trend“ in den letzten Wochen berichtete, hat sich inzwischen eine Familiengruppe abgespalten und den „Stamm Manfred“ gebildet, der gegen die geplante Strukturreform von CEO Robert Buchbauer kämpft (siehe Stammbaum). Wie es dabei zu geht, zeigt ein dem trend vorliegender Schriftwechsel zwischen Mitgliedern des mächtigen Swarovski-Beirates.

Darin drohen die Befürworter der Reform, darunter Giori-Lhota, Buchbauer und der bisherige Chef Markus Langes-Swarovski, dem Beiratsvorsitzenden seit 1978, Helmut Swarovski, mit Absetzung. Der Showdown könnte bei einer Gesellschaftersitzung der Swarovski-Auslandsholding am 9. Dezember über die Bühne gehen.

Der Stammbaum der Familie Swarovski

Der aktuelle Streit macht Konfliktlinien in der Glitzerdynastie sichtbar, die bisher nur im Familienkreis bekannt waren. Die Nachfahren von Manfred Swarovski (rot), einem Enkel des Gründers, kämpfen gegen die Strukturreform von CEO Robert Buchbauer, einem Cousin zweiten Grades (blau) der Hauptopponenten. Die Pläne des Konzernchefs werden vom anteilsmäßig stärksten Stamm („Fred“, rechts) der Familien Langes-Swarovski und Giori unterstützt. Die Gegner der Manfredianer sind als Großverband syndiziert und kontrollieren geschätzt mindestens 60 Prozent der Stimmen.

Der aktuelle Streit macht Konfliktlinien in der Glitzerdynastie sichtbar, die bisher nur im Familienkreis bekannt waren. Die Nachfahren von Manfred Swarovski (rot), einem Enkel des Gründers, kämpfen gegen die Strukturreform von CEO Robert Buchbauer, einem Cousin zweiten Grades (blau) der Hauptopponenten. Die Pläne des Konzernchefs werden vom anteilsmäßig stärksten Stamm („Fred“, rechts) der Familien Langes-Swarovski und Giori unterstützt. Die Gegner der Manfredianer sind als Großverband syndiziert und kontrollieren geschätzt mindestens 60 Prozent der Stimmen.

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Offener Konflikt in der Familie

Die Zeilen vom 17. November lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Solltest du deinen Standpunkt nicht ändern wollen (...), sind wir zu unserem Bedauern genötigt, den Gesellschaftern zu empfehlen, dich aus den Funktionen als Beiratsmitglied der Kommanditgesellschaften und Geschäftsführer der Swarovski Auslandsholding (SAH) am 9. 12. 2020 abzuwählen.“

Adressiert ist das Schreiben an Helmut Swarovski. handschriftlich unterfertigt ist es von den anderen fünf Beiratsmitgliedern Monika Schiestl-Swarovski, Marina Giori-Lhota, Robert Buchbauer, Mathias Margreiter und Markus Langes-Swarovski.

Schon einen Tag nach der Absetzungsdrohung, am 18. November, antwortet Helmut Swarovski, Vater von Nadja Swarovski-Adams, dem international wohl bekanntesten Gesicht des Tiroler Kristallkonzerns, den „lieben Beiratsmitgliedern“. Er müsse zur Kenntnis nehmen, „dass ihr und eure Berater in rücksichtsloser Weise versucht, eure Interessen und Pläne umzusetzen“. Er werde jedoch „an einer solchen Vorgehensweise nicht mitwirken.“

Alle Beteiligten sind Nachfahren von Daniel Swarovski, dem Gründer des berühmten Tiroler Kristallkonzerns. Vor dem 9. Dezember halten sich die Protagonisten mit öffentlichen Stellungnahmen zurück, lediglich Paul Swarovski, Frontfigur des „Stamm Manfred“, äußert sich in der trend-Ausgabe 47/2020 kämpferisch zu Wort: „Wir sind entschlossen, diesmal unsere Rechte durchzusetzen.“ Eine Antwort gibt es auf trend-Anfrage auch von Swarovski-Familienrätin Diana Langes, Präsidentin der WSG-Tirol und Mitglied der die Reform befürwortenden Familien Langes und Giori: Sie sei „betroffen und traurig“ über die aktuellen Entwicklungen. Die Konflikte seien „nicht im Sinne des Großteils der Familie“.



Lesen Sie mehr zum Familienstreit im Hause Swarovski und einer Gutachterschlacht in der Story "Glanz ohne Gloria" in der trend-Ausgabe 49/2020 vom 4. Dezember 2020.

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