Swarovski-Familienstreit: „Der Coup einer kleinen Gruppe“

trend-EXKLUSIV: Der Konflikt im Tiroler Kristallkonzern um die Neuausrichtung eskaliert. Die widerständige Familiengruppe spricht vom Versuch einer „internen Übernahme“ und hat erste Klagen eingebracht.

Swarovski-Familienstreit: „Der Coup einer kleinen Gruppe“

Der Streit im Tiroler Kristallkonzern Swarovski eskaliert. Die bei einer Abstimmung am 30. Oktober unterlegene Familiengruppe hat „mehrere Schiedsgerichtsklagen in Österreich und der Schweiz“ eingebracht, wie ein Sprecher dem trend bestätigte. Außerdem wurde ein Antrag auf Sonderprüfung beim Landesgericht Innsbruck gestellt. Das Vorgehen der Konzernführung wird als Versuch einer „internen feindlichen Übernahme“ unter dem Vorwand der Coronakrise bezeichnet.

Ende Oktober hatten rund 80 Prozent der Gesellschafter dem vom neuen CEO Robert Buchbauer angestrebten Konzernumbau zugestimmt. Er will eine Familienholding mit Sitz in Wattens schaffen, unter der alle Kristallgeschäfte vereint werden sollen. Die Kritiker interpretieren das Manöver als Entmachtung und als Vorzeichen für einen geplanten raschen Verkauf des Traditionskonzerns mit drei Milliarden Euro Umsatz.

Das Pikante: Der Widerstand spielt sich nicht etwa zwischen den drei großen Familienstämmen – nach den Söhnen des Gründers Daniel Swarovski benannt - ab, sondern innerhalb des Stamms „Fritz“. Buchbauer, der am Beginn der Corona-Krise den bisherigen Chef Markus Langes-Swarovski (Stamm „Alfred“) abgelöst hat, kommt aus diesem Stamm ebenso wie Paul Swarovski und Nadja Swarovski-Adams, die sich in der Auseinandersetzung nun als Stamm „Manfred“ – benannt nach einem Fritz-Sohn – bezeichnen.

Die Protagonisten der Rebellen sind bekannt. Zu ihnen gehören u.a. Paul Swarovski, der bereits 2013 im Streit aus dem Management ausgeschieden ist, und mit Nadja Swarovski-Adams das bekannteste Gesicht des Konzerns. Die Erfinderin der Highend-Schmucklinie Atelier Swarovski ist formell zwar noch Mitglied des Executive Boards, des obersten Leitungsgremiums, wurde aber mit Antritt von Buchbauer im April de facto entmachtet und auf ihre Rolle in der wohltätigen Swarovski Foundation reduziert.

Die Familiengruppe geht in ihrer Reaktion auf die Abstimmungsniederlage nun in die Vollen: Für die Abstimmung sei Einstimmigkeit erforderlich gewesen, zudem seien die Gesellschafter unvollständig informiert worden. „Eine Armada von Anwälten unterstützt auf Kosten des Konzerns den Coup einer kleinen Gruppe“, heißt es in der verteilten Hintergrundinformation harsch.

Selbst die Rechtswirksamkeit von Buchbauers Bestellung wird angezweifelt. Der neuen Konzernführung wird ein „aggressiver, rücksichtsloser Stil ohne die geringste Bereitschaft zum Dialog vorgeworfen.“ Ansatzpunkte für die Klagen sind u.a. „Nicht- und Fehlinformation“ sowie „bewusste Nichteinhaltung des Einstimmigkeitserfordernisses“.

Swarovski, vor 125 Jahren gegründet, ist durch die Corona-Krise schwer getroffen und erwartet für 2020 einen Umsatzrückgang von 35 Prozent oder rund einer Milliarde Euro. Bereits 2019 soll der Konzern Verluste in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren haben, die sich 2020 steigern dürften. Diese Zahlen wurden von der Konzernzentrale bisher aber nicht kommentiert. Am Hauptstandort in Wattens werden heuer 1.200 Mitarbeiter und im kommenden Jahr weitere 600 Mitarbeiter abgebaut. Weltweit wurde der Beschäftigtenstand um 6.000 reduziert. Laut trend-Ranking TOP500 beschäftigte Swarovski im Jahr 2019 weltweit 34.980 Mitarbeiter. Der Tiroler Kristallkonzern ist im Ranking der umsatzstärksten Luxusgüterkonzerne auf Rang 24.

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

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