
Lieferketten-Engpässe wirken sich auf die Liquidität aus. Treasury gewinnt an Bedeutung.
©iSTockDas Thema Liquiditätssteuerung ist in der aktuellen Situation wichtiger denn je. KI fördert die Automatisierung in dem Bereich, verändert aber auch das Jobprofil.
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In unsicheren Zeiten gewinnt ein Thema im Unternehmensalltag an Bedeutung, das bisher eher ein Schattendasein geführt hat. „Über Treasury und seine Kernfunktion der Liquiditätssteuerung hat man in den vergangenen Jahren erst geredet, wenn Unternehmen öffentlichkeitswirksam die Luft ausging. Viele Manager sehen darin vor allem eine reine Servicefunktion, ohne strategische Implikationen. Das beginnt sich aber zu ändern“, sagt Peter Zeller, der als neuer Top-Experte der Managementberatung Horváth viele nationale und internationale Konzerne beraten hat. Zeller verweist auf den zunehmendem Inflationsdruck, die steigenden Finanzierungskosten und die geopolitischen Veränderungen: „Der große Treiber für Treasury sind die vielfältigen Unsicherheiten“, sagt er. Unter Treasury – englisch für Schatzkammer- versteht man das Cash-, Liquiditäts- und Risikomanagement von Unternehmen.
Der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus setzen die Lieferketten in vielen Branchen erneut massiv unter Druck. „Die Pandemie hat eindrücklich gezeigt, welche Auswirkungen Lieferketten-Störungen haben können. Unternehmen waren plötzlich gezwungen, deutlich höhere Vorräte vorzuhalten und deren Finanzierung sicherzustellen. Dies führte zu einem veränderten Umgang mit Liquidität“, sagt der Experte. Auch in der aktuellen Situation könnten viele Unternehmen nicht mehr so großzügig wirtschaften wie bisher. „Sie sind immer intensiver gefordert, konzernweit Lösungen zu finden, um entstehende Liquiditätslöcher zu schließen“, ergänzt er. Externe Liquidität aufzunehmen, werde zudem in unsicheren Phasen immer schwieriger. Das mache nicht nur die produzierenden Unternehmen nervös, sondern auch die Finanzierungspartner und Banken, die höhere Risikoaufschläge veranschlagten.
Überzeugende KI-Use-Cases
Um die Unternehmen in Österreich bei dem Thema noch besser begleiten zu können, baut die deutsche Managementberatung an ihrem Wiener Standort nun mit dem gebürtigen Österreicher Peter Zeller als neu gewonnenem Experten den Bereich Treasury auf. Neben mehr Nähe zu den Kunden will man auch die KI-Komponente im Treasury-Bereich stärker betonen. „Einige der überzeugendsten KI-Use-Cases, die bereits operativ laufen, gibt es im Bereich der Liquiditätsplanung“, sagt der Experte. Durch die zunehmende Automatisierung veränderte sich allerdings auch der Joballtag. Das Tagesgeschäft stehe weniger im Fokus, sondern es gehe vermehrt darum, Liquiditätsszenarien zu entwickeln. „Mein Appell an die Unternehmen ist, in der aktuellen Situation ein Auge auf das Liquiditätsmanagement zu legen und es nicht nur als langweilige Servicefunktion zu sehen“, erklärt Zeller.
