Raiffeisen schreibt BayWa komplett ab

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 © Raiffeisen-Holding NÖ-Wien

Raiffeisen Österreich kommt das Desaster bei der deutschen Agrarbeteiligung BayWa teuer zu stehen. Die Suche nach Schuldigen dauert an.

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Die jahrelange Partnerschaft mit dem deutschen Agrarriesen endete für die Österreicher mit einer Totalbereinigung der Buchwerte und steigenden Verlusten in der Beteiligungsbilanz.

Weiter schlechte Nachrichten von Raiffeisen Österreich in Bezug auf ihre Beteiligung am deutschen Agrarkonzern BayWa: Zum einen geht aus der jüngst veröffentlichten Bilanz des Beteiligungsvehikels Raiffeisen Agrar Invest AG (für die Hauptaktionäre Leipnik Lundenburger Invest und RWA eGen mit zusammen 30,56 Prozent Anteil an der BayWa) hervor, dass das Engagement im Jahr 2024/25 ein Bilanzminus von 236 Millionen Euro verursacht hat, nach minus 176 Millionen Euro im Bilanzjahr zuvor.  

Zudem bestätigt die Raiffeisen Holding auf trend-Anfrage, dass mittlerweile die Buchwerte aller Anteile an der BayWa in der übergeordneten Raiffeisen Holding vollständig wertberichtigt wurden: „Selbst im Falle einer Insolvenz der BayWa kann es daher zu keiner weiteren negativen Auswirkung mehr kommen.“

Der deutsche Agrarhandelsriese hatte sich mit einer stark fremdkapitalfinanzierten Expansion (auch in Erneuerbare Energieprojekte) in den Vorjahren schwer überhoben, Raiffeisen Österreich musste (wie auch deutsche Raiffeisengenossenschaften als zweiter große BayWa-Aktionär) einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag nachschießen, teils über Kapitalerhöhungen, teils über den Rückkauf der Aktienanteile, die die BayWa in einer Art Überkreuzbeteiigung seit 2011 an der österreichischen Lagerhausgesellschaft RWA hielt.

Sanierungsplan geplatzt

Die Schritte sind bitter für den Sektor, aber wohl notwendig, denn das Unternehmen kommt mit wesentlichen Sanierungsschritten seit seiner Beinahepleite im Sommer 2024 nicht wirklich voran. So platzte der ursprüngliche Rettungsplan über den Verkauf von Beteiligungen wie der Grünenergie-Tochter BayWa r.e. (geplanter Erlös 1,7 Milliarden Euro) oder der Obsttochter T&G Global in Neuseeland. Nachdem schon die BayWa-Bilanz für 2025 nicht rechtzeitig vorgelegt werden konnte, fehlen auch im eben veröffentlichten Abschluss für das erste Quartal 2026 wichtige Ertragskennziffern. Berichtet wird nur ein von 3,6 auf 2,3 Milliarden Euro eingebrochener Umsatz.

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Solveig Menard-Galli, Ex-Wienerberger-CFO, soll für Raiffeisen im Aufsichtsrat die Sanierung der Agrartochter BayWa überwachen.

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Weiter offen ist auch die Aufarbeitung, wie es zu der Schieflage kommen konnte; interne und gerichtliche Untersuchungen dazu sind im Gange. Auf Druck der Haupteigentümer Raiffeisen Österreich und Deutschland wurde ein Großteil des Aufsichtsrates ausgetauscht, auch einer der beiden Vertreter aus Österreich ist mittlerweile ausgeschieden. Für Michael Höllerer – bis Anfang Juli noch Chef der Raiffeisen Holding, ab da neuer Vorstand der RBI – rückte vor wenigen Wochen Solveig Menard-Galli, Ex-Finanzvorständin bei Wienerberger nach. Ihr Zugang zu der nicht gerade leichten Aufgabe: „Die BayWa ist in ihren Kernmärkten – von Agrarhandel bis Baustoffgeschäft – breit aufgestellt, muss aber in volatilen Marktumfeldern stetig agil bleiben. Aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Baustoffindustrie und als Finanzverantwortliche großer Unternehmen kenne ich solche Marktdynamiken und Steuerungsanforderungen sehr gut.”

Auch wenn sich das Sanierungsmanagement der BayWa laut Finanzvorstand Matthias Rapp und Sanierungsmanager Michael Baur zumindest operativ trotz aller Kalamitäten noch im Plan sieht, drängt die Zeit. Das neue Stillhalteabkommen mit den finanzierenden Banken zur Anpassung des Sanierungskonzepts gilt nur bis Herbst 2026. Einer Umfrage von Agrarfachmedien zufolge sei das Vertrauen der Landwirte in den Agrargroßhändler zudem stark getrübt: Etwa die Hälfte gab an, die heurige Ernte über andere Kanäle vermarkten zu wollen.

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