
Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG
©APA/AFP/Ina FASSBENDERWeltgrößter Telekomkonzern in Planung: Deutsche Telekom und US-Tochter T-Mobile steuern auf eine Rekordfusion zu, berichten Insider.
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Noch sind die Gespräche in einem frühen Stadium, doch Insider berichten von einer Rekordfusion im Telekomsektor. Die Deutsche Telekom erwäge eine Verschmelzung mit ihrer US-Tochter T-Mobile, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Mittwoch. Mit einem gemeinsamen Börsenwert von knapp 390 Milliarden Euro entstünde der weltweit größte Telekomkonzern.
Dieses Transaktionsvolumen würde die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone in den Schatten stellen und wäre die weltweit größte Verschmelzung zweier börsennotierter Unternehmen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuerst über die Pläne berichtet. Die Telekom und der Bund als ihr wichtigster Aktionär wollten sich zu diesem Thema nicht äußern. T-Mobile war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Eine Holding, zwei Listings
Zur Diskussion steht den Insidern zufolge die Gründung einer Holding, die ein Übernahmeangebot sowohl für die Aktien des Bonner Konzerns als auch für die der US-Tochter abgeben würde. Das fusionierte Unternehmen solle voraussichtlich an der Wall Street und einer europäischen Börse gelistet werden. Die Überlegungen befänden sich in einem frühen Stadium und Details könnten sich noch ändern. Die Telekom erhoffe sich offenbar einen Kursschub durch die Schaffung eines transatlantischen Champions. Dessen verbesserte Finanzkraft könnte bei künftigen Übernahmen von Nutzen sein, ergänzte einer der Insider.
Dabei habe die Telekom wohl vor allem den US-Markt im Visier, erläuterten die Experten des Research-Hauses New Street. Bei einer größeren Übernahme drohe der Anteil der Bonner an T-Mobile unter die 50-Prozent-Marke zu rutschen. In einem fusionierten Unternehmen behielte der Konzern dagegen die Kontrolle über das wachstums- und ertragsstarke US-Geschäft. In Europa sind die Chancen für Übernahmen und Fusionen dagegen geringer. Hier agieren Telekomfirmen in vergleichsweise kleinen, hart umkämpften und streng regulierten Märkten. Die jeweiligen Aufsichtsbehörden bestehen meist auf einer Mindestanzahl von Anbietern.
Gleichzeitig müssen die Unternehmen Milliarden in den Ausbau ihrer Mobilfunk- und Glasfasernetze investieren. Die Telekom sitzt aktuell auf einem etwa 200 Milliarden Euro hohen Schuldenberg. Bei T-Mobile sind es umgerechnet rund 100 Milliarden Euro.
Keine Begeisterung an den Börsen
An der Börse stießen die Pläne auf Skepsis: Die Telekom-Titel fielen am Mittwoch um etwa drei Prozent. Die Papiere von T-Mobile hatten am Dienstag an der Wall Street mit einem Minus von 1,5 Prozent unter dem Niveau vor Veröffentlichung der ersten Medienberichte über die mögliche Fusion geschlossen. „Wir glauben nicht, dass Anleger auf diesen Deal gewartet haben“, kommentierten die Experten des Vermögensberaters Kepler Cheuvreux. Vor allem US-Investoren würden sich wohl kaum bei einem europäischen Unternehmen mit schwächerem Wachstum engagieren wollen.
Eine Fusion sei kein Allheilmittel, um den Unternehmenswert zu steigern, schrieb Analyst Robert Grindle von der Deutschen Bank. Das Einsparpotenzial sei bei Telekomfirmen überschaubar. Ähnlich wie bei anderen, international agierenden Wettbewerbern wie Vodafone werde voraussichtlich auch der kombinierte Telekom/T-Mobile-Konzern niedriger bewertet als die Summe seiner Teile. Die Marktkapitalisierung der Telekom liegt aktuell bei knapp 135 Milliarden Euro. T-Mobile kommt auf umgerechnet 252 Milliarden Euro.
Eine Verschmelzung von Telekom und T-Mobile müsste einige Hürden überwinden: Der Bund ist mit insgesamt rund 28 Prozent der größte Aktionär des Bonner Konzerns. Bislang ist unklar, wie er einen Zusammenschluss beurteilen würde. Da die Telekom aktuell etwa 53 Prozent an T-Mobile hält, würde der Staatsanteil bei einer Fusion verwässert. Bloomberg zufolge sehen die Pläne vor, die geplante Holding im Ausland anzusiedeln, was den Verlust nationaler Kontrolle bedeuten würde. Darüber hinaus fallen die Überlegungen in eine Zeit erhöhter politischer Spannungen zwischen den USA und Deutschland. „Das sind Spekulationen, zu denen wir uns grundsätzlich nicht äußern“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Er kenne keine Pläne des Bundes, Anteile an der Deutschen Telekom zu verkaufen.
US-Tochter: Vom Sorgenkind zum Wachstumsträger
Die Telekom stieg im Jahr 2000 mit der Übernahme von Voicestream in den US-Markt ein. Der anfänglichen Euphorie folgte Ernüchterung. T-Mobile wurde zum Sorgenkind des Konzerns und stand zeitweise sogar zum Verkauf. In den vergangenen Jahren mauserte sich die US-Tochter jedoch zum Wachstumstreiber der Bonner. Sie lässt beim Kundenzuwachs die US-Rivalen AT&T und Verizon regelmäßig hinter sich.
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete T-Mobile einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 29 Milliarden Euro. Die Telekom kam auf ein Betriebsergebnis von etwa 44 Milliarden Euro.