AUA-Chefin: „So können wir langfristig nicht überleben“

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Alarmstimmung bei der AUA: Trotz des Rückzugs einiger Low-Coster aus Wien kann die Airline nicht kostendeckend fliegen. Deshalb fordert AUA-Chefin Annette Mann eine Gebührensenkung.

trend: Ihre neue Kampagne lautet „Feels like Flying“. Was wollen Sie damit aussagen?

Anette Mann: Wir wollen damit zeigen, dass wir sehr stark auf den Faktor Mensch setzen. Damit punktet unsere Marke. Uns ist wichtig, damit das Gefühl zu vermitteln, für unsere Gäste ein guter Gastgeber zu sein.

Fühlt sich denn Fliegen wirklich noch wie Fliegen an? Alleine der Buchungs­vorgang mit vier Economy und drei Premium-Tarifen ist eine Hürde …

Die meisten Gäste wissen ja vorab zumindest, in welcher Reiseklasse sie fliegen wollen. Es gibt innerhalb dieser Klassen unterschiedliche Bedürfnisse. Jeder sucht sich das aus, was er braucht. Ein Einheitstarif würde den unterschiedlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Wenn nur ein Joghurt im Regal steht, ist man ja auch unzufrieden.

Überfordert man die Passagiere damit nicht?

Es ist insofern herausfordernd, als sich die Tarifmodelle bei jeder Airline unterscheiden. Aber innerhalb der gesamten Lufthansa-Group sind die Modelle immer gleich.

Würde sich die AUA nicht leichter tun, wenn sie sich klar als Gegenprodukt zu den Low-Cost-Carriern positioniert?

Gegenfrage: Wie sieht denn so ein Gegenprodukt aus? Fragen Sie zehn Leute, was sie unter dem Begriff „Premium“ verstehen, und Sie bekommen zehn Antworten. Schubladen gibt es nicht mehr. Wenn wir an einem Standort wie Wien mit vielen Low-Costern wettbewerbsfähig sein wollen, brauchen wir ein Angebot mit großer Bandbreite.

Wie ist die Nachfrage nach Businesstarifen aktuell?

Die Nachfrage steigt wieder, wobei damit nicht unbedingt Geschäftsreisende gemeint sind. Die Anzahl der Geschäftsreisenden ist noch immer geringer als vor Corona, aber Privatreisende legen zunehmend Wert auf mehr Komfort. Unsere Gäste in der Business-Class sind mittlerweile überwiegend privat unterwegs.

Zum komplizierten Buchungsvorgang kommen oft Streichungen, Streiks, Streckenverlegungen und Gepäck, das nicht ankommt. Wie viel kann man einem Passagier allgemein zumuten?

Zumuten wollen wir unseren Gästen gar nichts, die Reise soll für sie schön sein. Die AUA zählt ja auch zu den zuverlässigsten Airlines Europas mit extrem niedriger Streichquote. Wir verstehen uns als echter Dienstleister und nicht als Transportunternehmen, das seine Gäste von A nach B bringt. Seit eineinhalb Jahren haben wir sogar eigenes Personal dafür abgestellt, knappen Umsteigern behilflich zu sein und deren Koffer höchstpersönlich in die Anschlussmaschine zu bringen. Aber Fakt ist, dass die Geopolitik sehr volatil geworden ist, und darauf zu reagieren, ist eine Riesenherausforderung.

Womit müssen Passagiere im Sommer rechnen? Bereits gekaufte AUA-Tickets sollen ja nicht teurer werden, aber wie wahrscheinlich sind Streichungen, weil Strecken nicht profitabel sind?

Ich denke nicht, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen Flüge annullieren werden müssen. Im Sommer haben wir üblicherweise gute Margen.

Ursprünglich hieß es, die Tickets werden trotz steigendem Kerosinpreis nicht teurer, weil der Konzern gehedgt ist. Das ist nun aber anders …

Der Rohölbedarf der Lufthansa Group einschließlich der AUA ist für 2026 durch Hedging zu rund 80 Prozent abgesichert. Trotz Hedgings wird die Kerosinrechnung für den LufthansaKonzern aber um 1,7 Milliarden Euro ansteigen. Davon entfallen auf die AUA rund zehn Prozent. Also müssen wir mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Zusatzkosten rechnen, der sich auch auf die Ticketpreise auswirken wird.

Wie stark macht sich der WM-Tourismus nach Amerika bemerkbar?

Gar nicht. Wir sehen eher, dass sich „normale“ Touristen in der Zeit zurückhalten. Mit viel Glück wird dieser Ausfall durch Fußballfans kompensiert.

Am Standort Wien sind jetzt weniger Low-Coster. Die AUA hat immer kritisiert, dass deren Anteil in Wien zu hoch ist. Sind Sie zufrieden?

Nein, damit kann man nicht zufrieden sein. Die Low-Coster ziehen sich ja zurück, weil die Bedingungen am Standort so schwierig und die Kosten so hoch sind. Das zeigt umso mehr, dass der Standort Bedarf hat, die Kosten zu senken. Die Flugzeuge der Low-Coster in Wien sind zwar weg, aber die Konkurrenz ist ja nach wie vor da, etwa in Bratislava.

Kann die AUA die so entstandene Lücke ausfüllen?

Nur sehr begrenzt. Die Low-Coster haben ja keine Strecken aufgegeben, auf denen sie viel Geld verdient haben. Wir haben ein paar Strecken ergänzt und gehen mit zwei zusätzlichen Maschinen in den Sommer. Das ändert aber nichts daran, dass Wien der zweitteuerste Standort Europas ist und dass sich daran etwas ändern muss. So können wir langfristig hier nicht überleben. Wir sollten zumindest unsere Investitionen finanzieren können.

Der Staat hat der AUA in der Coronakrise geholfen, und dennoch fordern Sie jetzt in der Wirtschaftskrise eine Senkung der Ticketsteuer. Das können nicht alle nachvollziehen …

Wir haben die Staatshilfe in Rekordzeit zurückgezahlt und mehr als 6.000 Arbeitsplätze hier erhalten. Die Hilfe haben wir also doppelt und dreifach zurückgezahlt. Und wir sorgen für Konnektivität und damit für eine höhere Wertschöpfung am Standort Österreich.

Sehen Sie eine Chance, dass es zu einer Senkung der Abgaben bzw. Gebühren kommt?

Ich hoffe, dass sich die Regierung dazu durchringt, die Standortbedingungen zu verbessern. Wir stehen an einem Scheideweg: Die AUA funktioniert zwar operativ sehr gut und die Kundenzufriedenheit ist groß, trotzdem verdienen wir kein Geld. Wir stoßen mit unseren Forderungen auf offene Ohren in der Regierung, was im Juni passiert, kann ich aber schwer.

Aber verglichen mit anderen Lufthansa-Hubs wie Zürich ist Wien nicht sehr teuer, oder?

Zürich hat aber auch viel mehr Businesskunden und dadurch höhere Einnahmen.

Was machen Sie, wenn es kein Entgegenkommen der Politik und des Flughafens gibt? Denken Sie auch an Abwanderung aus Wien?

Wir können nicht mit einem gesamten Netzwerk an einen anderen Standort abwandern. Wir sind ein in Österreich verwurzeltes Unternehmen. Aber es würden sicher weniger Investitionen getätigt werden können, was längerfristig zu einer Schrumpfung führen würde.

Aber die Personalkosten der AUA sind innerhalb des Konzerns relativ niedrig …

Das stimmt so nicht ganz: Wir haben hier 22 Prozent Lohnnebenkosten, mein Kollege bei der Swiss hat sieben Prozent. Österreich ist sowohl ein Hochsteuer- wie ein Hochlohnland.

In der jüngsten Hauptversammlung hat Lufthansa-Chef Spohr gemeint, er wolle deutlich mehr Synergien in der Lufthansa-Gruppe heben und die Sichtbarkeit des Kranichs soll größer werden. Was genau heißt das für die AUA?

Die Sichtbarkeit der Dachmarke Lufthansa Group soll verstärkt werden. In Österreich ist bekannt, dass ­Austrian Teil des Lufthansa-Konzerns ist – und damit Teil einer der weltweit größten Airline-Gruppen. Im Ausland ist das oft nicht der Fall. Auf allen Flugzeugen steht deshalb auch seit einiger Zeit „Member of Lufthansa Group“.

Zur Person

Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 22. Mai 2026 erschienen.

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