Tourismus und Klimawandel: Zweckoptimismus und Anpassung

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Artikelbild
 © Pia Jungbauer

Sommer-Pressegespräch der WKÖ-Fachverbände Hotellerie und Gastronomie, 2026

©Pia Jungbauer
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

Hotellerie und Gastronomie sind mit der Sommersaison großteils zufrieden. Beim Umgang mit Hitze, Dürre und Klimawandel zeigt sich die Branche zurückhaltend.

Als die WKO-Fachverbände Hotellerie und Gastronomie heute ihre Pressekonferenz hielten, war das Wetter mit bewölkten 27 Grad zwar vergleichsweise kühl. Die Extremwetterlage der vergangenen Wochen war aber dennoch Thema bei den Wirtschaftsvertretern.

Denn der Klimawandel stellt Hotellerie und Gastronomie vor neue Bedingungen: Häufigere Hitzeperioden, Dürre und mögliche Wasserknappheit könnten den Tourismus in den kommenden Jahren ebenso beeinflussen wie die Wahl der Reiseziele und die Saisonverläufe. Für eine Branche, die stark vom Wetter abhängig ist, wird die Klima-Frage immer dringlicher.

Die Frage nach dem Klima

Alois Rainer, Obmann des Fachverbands Gastronomie, verwies zunächst darauf, dass der Vorjahressommer von viel Regen geprägt gewesen sei, und schloss daraus: „Man kann nicht davon ausgehen, dass wir jetzt jedes Jahr im Sommer durchschnittlich 35, 40 Grad haben.“ Der heurige Sommer sei zwar heiß gewesen, „aber es war Sommer, ist auch klar“.

Die Hitze sollte ernst genommen werden, zeigt sich Wifo-Experte Oliver Fritz überzeugt. Denn die Extremwetterereignisse werden mit fortschreitender Klimakrise zunehmen. Der aktuelle Sommer mit Hitze und Dürre könne schon bald das „neue Normal“ sein.

Georg Imlauer, Obmann des Fachverbands Hotellerie, bezeichnete den Klimawandel als Chance für die Branche. Als Beleg führte er an, dass der Herbst mittlerweile die stabilste Wetterlage im Jahr sei und sich damit ideal für Wander-, Rad- und Golfangebote eigne.

Der Wifo-Experte stimmt dieser Aussage - mit Vorsicht - zu. Alpine Regionen bleiben zwar nicht von der Hitze verschont, bieten aber im Vergleich zu Flachland und Städten ein erträglicheres Klima, besonders in den Nächten. Erwartet wird eine Verschiebung der europäischen Reiseströme: Im Hochsommer könnten nördlichere und alpine Regionen profitieren, während Südeuropa durch Hitze, Dürre und Waldbrände Gäste verliert. In den Nebensaisonen wiederum könnten umgekehrt mehr Reisen Richtung Mittelmeer führen.

Konkrete Anpassungsmaßnahmen nannte die WKO vor allem in der betriebsinternen Organisation. Mitarbeiter:innen bekommen mittags frei und beginnen dafür abends früher, um das durch die Hitze verlorene Mittagsgeschäft zumindest teilweise zu kompensieren. Dass eine vollständige Kompensation ohnehin nicht möglich sei, wurde dabei offen eingeräumt: „Man kann ja nicht doppelt so viele Sitzplätze anbieten“, so Rainer. Auf Investitionen in Energieeffizienz setzen laut Umfrage 24 Prozent der Betriebe. Das Thema Klimaanlagen kam vor allem als bürokratisches Genehmigungsproblem in Wien zur Sprache.

Das Wifo fordert ein deutlich aktiveres Vorgehen der Branchen: Klimaschutz und Klimawandelanpassung seien „das Gebot der Stunde, auch wenn diese Stunde eigentlich vor Jahrzehnten eingeläutet wurde“. Konkret müsse der Tourismus möglichst ressourcenschonend wirtschaften und für ausreichend begrünte, baumbestandene Flächen sorgen. Diese würden die Dürre nicht nur lindern, sondern zugleich neue, für Gäste attraktive Naturräume schaffen. Bei der Energieversorgung führe zudem kein Weg an einer vollständigen Umstellung auf Erneuerbare vorbei. Dazu gehört laut Wifo auch, Widerstände gegen Windräder und großflächige Solaranlagen aufzugeben.

Hotellerie und Gastronomie stehen vor einer Entwicklung, deren konkrete Folgen heute noch schwer abzuschätzen sind. Die Frage nach dem Umgang mit einem sich verändernden Klima dürfte sie zunehmend begleiten.

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages