
Clemens und Lara Bechter gründeten vor sechs Jahren die Naturkosmetikmarke Phystine.
©Markus GmeinerDas Vorarlberger Beauty-Start-up Phystine denkt Naturkosmetik konsequent nachhaltig und fair. Mit so hochwertigen Produkten, dass man sie essen kann.
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Will man etwas verkaufen, ist es ein Wettbewerbsvorteil, die hohe Kunst der Zuspitzung zu beherrschen. Die Biomedizinerin Lara Bechter kann das. „Man soll sich nichts auf die Haut schmieren, was man selbst nicht essen würde.“ Ein Satz, der hängen bleibt und genau beschreibt, worum es ihr und ihrem Mann Clemens geht: derart hochwertige Naturkosmetik herzustellen, dass sie essbar wäre. Aus dieser Haltung heraus entstand vor sechs Jahren in Egg im Bregenzerwald das Unternehmen Phystine. Der Name ist Programm: „Es ist ein Kofferwort aus dem griechischen physis für Natur und Körper und dem englischen pristine für unberührt und rein“, so Clemens Bechter.
Gegründet kurz vor der Pandemiezeit, war der Start alles andere als ideal. „Nicht unbedingt der beste Zeitpunkt“, wie Clemens Bechter rückblickend kommentiert. Heute arbeitet ein fünfköpfiges Kernteam an der Marke und erwirtschaftet sechsstellige Umsatzzahlen. Vieles wird ausgelagert: „Buchhaltung, Design, Abfüllung und Versand laufen über spezialisierte Partner“, so Bechter, der als Betriebswirt Management-Know-how mitbringt. Vertrieben werden die Produkte primär über den eigenen Onlineshop, daneben aber auch über ein exklusives Netzwerk ausgewählter Partner, darunter Apotheken, Kosmetiker:innen, Arztpraxen und Hotels. „Unser wichtigster Markt ist der D-A-CH-Raum, aber wir verschicken unsere Produkte mittlerweile in die ganze Welt“, so Clemens Bechter. Den Hauptgrund dafür sieht er in den fast 70 internationalen Auszeichnungen, die in den letzten Jahren eingeheimst wurden.
Konsequente Nachhaltigkeit
Grund für den Preisregen ist der radikale Ansatz, den das Duo verfolgt. Man verzichtet vollständig auf Wasser. „Wasser braucht in Formulierungen Stabilisierung, Emulgatoren und Konservierungsmittel. Vieles davon kann die Haut belasten. Also haben wir es einfach weggelassen“, erklärt Lara Bechter. Die studierte Biomedizinerin bringt das Pharma-Wissen mit. „Unsere Produkte bestehen aus hochkonzentrierten, naturreinen Ölen und pflanzlichen Extrakten.“
Auch in der Verpackung wird dieser Gedanke konsequent weitergeführt. Kein Plastik heißt die Devise, stattdessen wird auf Materialien wie Glas, Karton, Kork und Holz gesetzt. „Das ist uns wichtig, obwohl wir wissen, dass diese Faktoren für die Kaufentscheidung bei Kund:innen zweitrangig sind“, so Clemens Bechter.
Diese Konsequenz bei Inhalt und Verpackung macht Phystine zu einem Paradebeispiel für ein modernes KMU, das Entscheidungen viel direkter umsetzen kann als träge Konzerne. Auch wenn das mehr Risiko bedeutet. Schließlich kosten nachhaltige Materialien mehr Geld und Aufwand. Dass das Modell trotzdem funktioniert, liegt an der klaren Positionierung im Premiumsegment. Und an der internationalen Aufmerksamkeit, die Phystine über Awards und Messen generiert.
Jüngster Baustein dieser Entwicklung ist übrigens ein rein mineralischer Sonnenschutz, der ohne synthetische Filter auskommt. Und jeder, der will, kann sich den nicht nur auf die Haut, sondern auch aufs Brot schmieren.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 22. Mai 2026 erschienen.
