Spar-Chef Reisch: „Konsumenten werden Preisreduktion kaum merken"

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min
Artikelbild
 © Apa
Hans K. Reisch, Spar: „Effekt wird auch sehr schnell verpuffen"©Apa
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

Spar-Chef Hans K. Reisch über Preisgarantien, das Match rund um VKI-Klagen und warum er bei der Mehrwertsteuersenkung die Sinnhaftigkeit vermisst.

TREND: Wann werden die steigenden Energiepreise in den Regalen durchschlagen? Immerhin ist die Inflation im April schon wieder auf 3,4 Prozent geklettert, nachdem man schon mal bei zwei Prozent angelangt war.

HANS K. REISCH: Derzeit hält sich der Einfluss der Energiepreise noch sehr in Grenzen. Wahrscheinlich auch, weil unsere Lieferanten aus der Energiekrise vor zwei Jahren gelernt haben und diesmal vorgesorgt haben. So wie wir: Auch wir haben unsere Stromkosten jedenfalls für 2026 abgesichert, großteils auch für 2027, Sprit zumindest bis Jahresmitte.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat freilich bereits davor gewarnt, dass die Produktionskosten der Landwirtschaft steigen werden – etwa bei Düngemitteln – und von dieser Seite auch die Lebensmittelproduktion betroffen sein könnte. Nein, angesichts stabiler Rindfleisch- und Schweinepreise kommt auch aus der Landwirtschaft derzeit noch kein anderes Signal, auch da haben sich die Hersteller offenbar abgesichert. Und wir sind Optimisten und hoffen, dass diese internationalen Konflikte sehr rasch beigelegt werden, damit es dann auch keine weiteren Auswirkungen hat.

Das Problem in der Kundenwahrnehmung ist ja, dass selbst eine sinkende Inflation immer noch steigende Preise bedeutet – und das von hohem Niveau aus. Können Sie also so etwas wie eine Preisgarantie abgeben? Nein, Preisgarantie können wir leider nicht abgeben. Es könnte wie beim letzten Mal eine Verzögerungsphase geben, bis die aktuellen krisenhaften globalen Entwicklungen auf die Preise durchschlagen.

Immerhin hat die Regierung ja mit einer Reihe von Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Konsumenten zumindest nicht über den Tisch gezogen werden. So muss jetzt Shrinkflation – also eine Inhaltsreduktion, ohne die Verpackungsgröße zu ändern – deutlich gekennzeichnet werden. Hat Spar das umgesetzt? Die Auszeichnung für Shrinkflation haben wir insofern hinbekommen, als es in unseren Geschäften keinen einzigen Fall dafür gibt. Wir wollen das auch nicht und wären sogar bereit, ein solches Produkt auszulisten – oder gegebenenfalls Preisdifferenzen selbst zu tragen.

Auch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel wird bald dafür sorgen, dass Konsumenten mehr im Börsel bleibt. Auch wenn die konkrete Ausgestaltung der Maßnahme ein wenig – äh – unübersichtlich ist: Semmelwürfel sind begünstigt, Nockerlgrieß nicht, Eierspätzle schon. Semmeln sind begünstigt, Wurstsemmeln nicht, es sei denn, Sie verkaufen die Wurstsemmel mit zwei getrennten Rechnungen für Semmel und Wurst. Sie treffen das Problem genau. Aber immerhin sind die Produktgruppen mittlerweile klar, unlogisch manchmal, aber definiert. Dennoch ist es ein irrsinniger Aufwand. Alleine IT-technisch kostet uns die Mehrwertsteuersenkung auf 4,9 Prozent über zwei Millionen Euro. Von den manuellen Umstellungsarbeiten in den Filialen ganz zu schweigen. Und das alles bei einer Sinnhaftigkeit, die man durchaus hinterfragen kann.

Weil? Weil die Konsumenten die Preisreduktion kaum merken werden und der Effekt auch sehr schnell verpuffen wird.

Von der Gegenfinanzierung durch eine zusätzliche Plastiksteuer ist die Regierung wieder abgekommen. Ihr Verdienst? Gott sei Dank, und sagen wir so: Wir hatten auch unsere Bedenken dazu eingebracht. Viele Regierungsmaßnahmen der letzten Zeit bedeuten für uns Händler einen Riesenaufwand, bringen aber ein minimales Ergebnis für Konsumenten. Kürzlich gab es übrigens ein Treffen zwischen dem Bundes­kanzler und den CEOs der vier großen Lebensmittelhändler. Das muss man auf der Haben-Seite verbuchen, dass unsere Botschaften ankommen.

Der Lebensmittelhandel ist immer ein dankbares Feindbild, wenn man sich politisch profilieren will. Etwa ein Fairness-Büro gegen angeblichen Machtmissbrauch des Handels im Landwirtschaftsministerium oder wenn das Sozialministerium den VKI beauftragt, wegen angeblich unzulässiger Rabattauszeichnung zu klagen? Ich kann und will zu den laufenden Verhandlungen in der Rabattklage wenig sagen, nur dass wir uns grundsätzlich immer konsumentenfreundlich verhalten. Zudem kann ich bestätigen, dass wir unsere Rabattkultur weiterführen, weil es für den Erfolg notwendig ist. Österreich ist ein Rabattland.

Auch gegen andere Regierungen nimmt sich Spar kein Blatt vor den Mund, etwa in Ungarn, weil diese mit einer Margenkappung und einer Sondersteuer das Ergebnis der SparTochter in Ungarn jahrelang ins Minus gedrückt hat. Wird sich mit dem Regierungswechsel dort nun etwas ändern? Der neue Regierungschef könnte an den unfairen Steuern etwas ändern. Ob er es tut, bleibt abzuwarten. Es läuft ein EU-Vertragsverletzungsverfahren und wir hoffen auch noch auf ein Beihilfeverfahren.

Für Spar insgesamt könnte im nächsten Jahr jedenfalls eine Weichenstellung bevorstehen. Bisher waren immer Vertreter der Eigentümerfamilie an der Spitze – mit Ihrem planmäßigen Ausscheiden laut internen Altersregeln könnte aber erstmals ein externer Manager an die vorderste Stelle rücken. Immerhin hat man mit Markus Kaser jüngst einen Stellvertreter nominiert, der den Job übernehmen könnte. Tatsächlich läuft meine Funktionsperiode Ende 2027 aus, aber die Eigentümerfamilien behalten sich die Entscheidung über die Nachfolge noch vor. Ob das wie bisher jemand aus den Eigentümerfamilien sein wird, wird sich noch zeigen, wir wissen es selber noch nicht. Sicher ist: Der Job wird nicht leichter, weil sich die Zeiten und die Herausforderungen immer rascher ändern. ­

Das Interview ist der Titelgeschichte der trend.PREMIUM-Ausgabe vom 8. Mai 2026 entnommen.

Über die Autoren

Logo
trend. Abo

Holen Sie sich trend. jetzt im bequemen Jahresabo!