Konsequent am Holzweg: Warum ein steirischer Fensterhersteller aus Überzeugung auf Kunststoff verzichten

In Kooperation mit KAPO Fenster & Türen GmbH
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Moderne Familienvilla im Münchner Osten.

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Die Bauwirtschaft steckt in der Krise, doch beim steirischen Traditionsbetrieb KAPO geht man bewusst einen eigenen, radikalen Weg. Geschäftsführer Stefan Polzhofer erklärt, warum die Verweigerung von Kunststofffenstern und das neue, klimapositive Werk am Ökopark Hartberg jetzt der entscheidende wirtschaftliche Burggraben sind

Holz gewinnt in der Bau- und Fensterbranche zunehmend an Bedeutung – nicht nur als nachhaltiger Rohstoff, sondern als echter Wettbewerbsvorteil. Wo andere in der aktuellen Marktlage den Kopf in den Sand stecken, sieht KAPO-Chef Stefan Polzhofer die Bestätigung für eine jahrelange, harte Haltung. „Der Holzbau boomt, und der Werkstoff Holz wird endlich als das erkannt, was er ist: ein wesentlicher Motor für die dringend notwendige Ökologisierung der Bauwirtschaft“, sagt Stefan Polzhofer.

Wir als KAPO fühlen uns in unserem vermeintlichen "Holzweg" absolut bestärkt. Wir sind der letzte überregionale Fensterhersteller in Österreich, der aus ökologischer Überzeugung, trotz der Verlockung höherer Margen, konsequent auf Kunststofffenster verzichtet.

Stefan PolzhoferGeschäftsführer KAPO

Der Burggraben gegen die Energiekrise

Diese Konsequenz in ökologischen Aspekten spiegelt sich nicht mehr nur im Produkt wider, sondern im gesamten Fundament des Unternehmens. Mit dem Umzug an den neuen Standort am Ökopark Hartberg hat KAPO einen gewaltigen Meilenstein erreicht: Die Produktionsstätte wurde als Brownfield-Investment auf einer ehemaligen Baurestmassedeponie in ressourcenschonender Fachwerk-Holzbauweise errichtet – komplett ohne neue Flächenversiegelung. Viel wichtiger im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld ist jedoch die energetische Unabhängigkeit.

„Ich freue mich riesig über den Meilenstein, dass wir mit unserem neuen Werk nun klimapositiv sind“, so Polzhofer stolz. „Über das Jahr gesehen produzieren wir mehr Energie, als wir für unsere Produktion selbst benötigen. Genau das ist in Zeiten wie diesen unser unschätzbarer Burggraben gegen die aktuelle Energiekrise. Wir steuern unser Werk durch Photovoltaik, ein eigenes Biomasse-Heizkraftwerk und intelligente Energierückgewinnung autark.“

Täglich fallen im Werk rund 1,5 Tonnen Pellets aus Restholz an, die für die eigene Wärmeautarkie sorgen, bei Verkauf des Produktionsüberschusses an einen regionalen Abnehmer. Gekoppelt mit CNC-Maschinen, die Bremsenergie rückgewinnen, und einer hocheffizienten, automatisierten Lackieranlage zeigt KAPO, dass grüne Industrie keine Utopie ist.

Sortenreine Kreislaufwirtschaft statt Verbund-Sackgasse

Nachhaltigkeit hört für den Geschäftsführer aber nicht beim Werkstor auf. Ein massiver Hebel liegt in den Produktionsprozessen. KAPO hat radikal auf biozidfreien Holzschutz umgestellt. Was technisch aufwendig ist, sichert die Zukunft: Nur so können Holzfenster am Ende ihres jahrzehntelangen Lebenszyklus wieder sortenrein in den Kreislauf zurückgeführt werden. Der konsequente Verzicht auf Biozide sorgt darüber hinaus für ein gesundes Arbeitsumfeld und bei Kunden für ein gesundes Wohnklima.  

Selbst bei den beliebten Holz-Aluminium-Fenstern wird nichts verklebt: Die Alu-Schalen werden mechanisch über ein Clip-System verbunden und lassen sich im Rückbau sekundenschnell trennen. Ein Kubikmeter verbautes Holz speichert rund 1.000 Kilogramm CO₂. Damit das so bleibt, forscht KAPO an der Pyrolyse von Altholzfenstern: In einem FFG-Forschungsprojekt wurde bewiesen, dass aus alten, biozidfreien Fenstern hochwertige Biokohle entstehen kann, die den Kohlenstoff dauerhaft, etwa im Beton, bindet. Geplant ist zudem ein umgekehrtes Pfandsystem („Carbon Cashback“) für alte Fenster. Damit zeigt KAPO auch dem Gesetzgeber neue Wege auf, der in der Recyclingholzverordnung noch immer zwingend die thermische Verwertung von Altholz im bewitterten Zustand vorschreibt.

Perfekt aufgestellt für Sanierung und Denkmalschutz

Während der Neubau schwächelt, sieht Stefan Polzhofer die wirtschaftliche Zukunft des Betriebs perfekt abgesichert. Das Zauberwort heißt Flexibilität im Bestand.

 „Wir erkennen aktuell ein riesiges Potenzial im Bereich des Holzbaus und ganz besonders in der Sanierung sowie im Denkmalschutz“, erklärt der Geschäftsführer. „Unsere Fertigung ist radikal auf Losgröße 1 optimiert. Das bedeutet: Wir müssen keine Standard-Massenware fertigen, um rentabel zu sein und sind damit unabhängiger von der volatilen Baukonjunktur. Wir können jedes historische Fenster millimetergenau und nach höchsten energetischen Standards nachbauen. Das macht uns zum idealen Partner für Architekten und Bauherren, die im Bestand Werte erhalten wollen.“

Alternative Finanzierung für das 100-jährige Jubiläum

Um diesen radikalen Modernisierungskurs zu stemmen, geht KAPO auch bei der Finanzierung unkonventionelle, hemdsärmelige Wege abseits der klassischen Hausbank. Über die österreichische Plattform Conda wurde eine nachrangige Unternehmensanleihe aufgelegt, die Anlegerinnen und Anlegern 8 % Zinsen p.a. bei einer Laufzeit von 4 Jahren bietet.

„Durch die Investition in unser neues Werk mit einem komplett modernisierten Maschinenpark hat sich unsere Bilanzsumme verdreifacht und unser Eigenkapital entsprechend reduziert. Die Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals war eine Hauptmotivation für die erste Unternehmensanleihe in unserer beinahe 100-jährigen Geschichte“, erklärt Stefan Polzhofer transparent.

Diese finanzielle Weichenstellung sichert nicht nur das operative Wachstum, sondern schlägt auch die Brücke zu einem historischen Meilenstein: Im Jahr 2027 feiert KAPO sein 100-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das am neuen, zukunftsweisenden Produktionsstandort gebührend gefeiert werden soll. KAPO beweist im Trend-Porträt: Wer Ökologie und Finanzierung nicht als Marketing-Floskeln, sondern als strategische Instrumente versteht, leistet nicht nur einen Beitrag gegen den Klimawandel, sondern schafft sich einen Wettbewerbsvorteil.

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