Knackpunkte zwischen OMV und Borouge

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Rainer Seele, früher CEO der OMV, verantwortet nun bei der Abu-Dhabi-Holding XRG die Beteiligung an Borouge International. 

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Der Iran-Konflikt stört die Pläne zur rasanten Entwicklung des Chemieriesen Borouge International. Die Aktionäre OMV und Abu Dhabi haben die gleichen Ziele, aber es gibt Knackpunkte auf beiden Seiten.

Eine schwierige Aufgabe wartet schon kurz nach ihrem Antritt am 1. September auf Emma Delaney, die neue OMV-Chefin. Ein zentraler Strategiebaustein, die Fusion der OMV-Tochter Borealis mit Borouge in Abu Dhabi und der kanadischen Nova zum Chemiekonzern Borouge International (BI) mit Sitz in Wien läuft nicht so rund an wie erwartet. OMV und die arabische Beteiligungsgesellschaft XRG, wo Delaneys Vorvorgänger Rainer Seele nun das Chemiegeschäft verantwortet, halten je 50 Prozent – und haben einigen Abstimmungsbedarf. Auch der künftige Boss der ÖBAG, Thomas Arnoldner, wird gefordert sein.

Mit dem Ausstieg von Stefan Doboczky, dem einzigen Österreicher im BI-Vorstand, sehen sich Kritiker vor allem in den Arbeitnehmervertretung bestätigt, dass die Machtverhältnisse doch nicht ganz gleich verteilt sind – auch wenn -Doboczky von sich aus ging, weil er anderswo CEO wird. Umstrittenen war die Megatransaktion hierzulande schon zuvor nicht.

Dazu trägt bei, dass es der BI im Moment an Kapital mangelt. Die erwartete Garantiedividende von je einer Milliarde Dollar wurde kurz nach Gründung des Unternehmens am 1. April für dieses Jahr halbiert. Der Börsengang samt Kapitalerhöhung von bis zu vier Milliarden Dollar ist auf 2027 verschoben – und somit auch das fixierte Zweitlisting in Wien. Das nährt die Skepsis ebenso wie der Umstand, dass sich die Integration der neuen Chemieanlage Borouge 4 in die BI bis 2029 verzögert.

Schuld daran ist vor allem der Iran-Konflikt beziehungsweise dessen negative Folgen für die Golfstaaten, die Kapitalmärkte und die Nachfrage im Chemiesektor.

Das operative Geschäft der BI lief bislang zufriedenstellend. Im allerersten Quartal des Konzerns (April bis Juni) lag der Umsatz bei 5,5 Milliarden, der Periodenüberschuss bei 763 Millionen Dollar. Ein Teil der angekündigten Synergien von 500 Millionen Dollar wurde schon realisiert. „Während der Konflikt im Nahen Osten die weltweite Verfügbarkeit von Polyolefinen eingeschränkt hat, konnte BI dank der globalen Produktions- und Vertriebsbasis kommerzielle Erfolge erzielen“, gibt die OMV an. Und weist auf die Investment-Grade-Ratings von S&P, Moody’s und Fitch hin.

Knackpunkte

Tatsache ist aber auch, dass die Story vom Weltkonzern schwieriger zu erzählen ist als bei der Bekanntgabe der Fusion. Denn es gibt weitere Knackpunkte. Einer davon: BI-Aktionäre aus den Emiraten müssten nach derzeitiger Rechtslage in Österreich eine Quellensteuer von zehn Prozent auf Dividenden abliefern, was nicht akzeptabel für sie ist. Finanzminister Marterbauer hat Lösungsbereitschaft signalisiert, die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Auch die XRG in Abu Dhabi steht unter Druck von Investoren bei der BI-Tochter Borouge Plc., die bereits an der dortigen Börse notiert. Deren Aktien sollen in BI-Papiere getauscht werden, sind aber seit Jahresbeginn um zehn Prozent gefallen.

Bei der OMV wiederum sind die Finanzexperten dem Vernehmen nach pessimistisch in Bezug auf die Aktienmärkte – und brachten schon eine Verschiebung des IPOs bis Ende 2027 ins Spiel. Was etwa der Sultan in Abu Dhabi strikt ablehnt. Die Öbag drückt ebenfalls aufs Tempo und dachte schon über eine Variante nach, in der die Borouge Plc. -vorübergehend weiter getrennt notiert.

Beide Seiten wollen den optimalen Zeitpunkt abwarten, haben aber Druck, Kapital zu sammeln. Die BI muss einen Bond refinanzieren, der für die 9,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Nova Chemicals begeben wurde, für die der Abu-Dhabi-Staatsfonds IPIC 2009 nur 2,3 Milliarden bezahlte – was hierzulande auch hinterfragt wird. Aktuell finanzieren OMV und Abu Dhabi zudem die 7,5 Milliarden Dollar für Borouge 4 über die B4 Investmentgesellschaft. Die BI muss das Werk dann später kaufen.

„Die Ziele sind die gleichen, aber hier wie dort besteht der Eindruck, die jeweils andere Seite sei bevorzugt“, analysiert eine mit der Sache vertraute Person.

Österreich-Paket

Um Wogen in Österreich zu glätten, verlautet von BGI, dass hier und im deutschen Burghausen keine Kapazitäten reduziert werden. Die Senkung der Kosten betreffe nur die Administration. Das frühere Forschungszentrum der Borealis in Linz, die größte Patentmaschine in Österreich, bleibt der zentrale Innovationsstandort der BGI.

Auch an der Dividendenpolitik samt Garantieausschüttung werde mittel- bis langfristig nicht gerüttelt, weil sie das Hauptargument für Investoren darstellt. Das Börsenlisting in Wien soll erfolgen, sobald die BGI-Aktie im MSCI-World-Chemicals-Index aufgenommen ist.

Indes meint ein Kapitalmarktexperte: „Es geht nicht um kleine Planabweichungen, sondern um eine Veränderung des Investment Case, der auf anderen weltwirtschaftlichen Annahmen beruhte. Abu Dhabi hat seine strategischen Interessen erfolgreich eingebracht. Die OMV-Aktionäre haben Anspruch darauf, zu erfahren, ob die wirtschaftliche Balance heute noch jener entspricht, die ihnen 2025 präsentiert wurde.“

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