Borouge International: OMV und ADNOC schließen Fusion ab

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Mit Borouge International entsteht der viertgrößte Kunststoffproduzent der Welt. OMV und ADNOC halten je 50 Prozent. Wien wird zum globalen Steuerungssitz.

Die OMV und der Energiekonzern ADNOC (Abu Dhabi) haben die Fusion ihrer Chemiesparten zur neuen Borouge International mit Sitz in Wien abgeschlossen. Der Zusammenschluss von Borealis, Borouge und Nova Chemicals schafft einen globalen Kunststoff-Riesen im Wert von rund 60 Mrd. US-Dollar (52,1 Mrd. Euro). Borouge International ist damit der viertgrößte Produzent von Polyolefin-Kunststoffen. OMV und ADNOC halten als gleichberechtigte Partner je 50 Prozent.

Aufseiten Abu Dhabis wird dieser 50-Prozent-Anteil - ebenso wie die bestehende 24,9-Prozent-Beteiligung der ADNOC an der OMV - künftig vom neuen Investmentarm XRG gehalten.

Die Basis des neuen Konzerns bilden die in Wien ansässige Borealis sowie Borouge. Bei Borouge handelt es sich um einen 1998 gegründeten, in Abu Dhabi ansässigen Petrochemie-Konzern und führenden Hersteller von Polyolefinen (Kunststoffen), der in der Al Ruwais Industrial City einen der weltgrößten Anlagenkomplexe betreibt. Das Unternehmen gehörte zu 54 Prozent der ADNOC und zu 36 Prozent der Borealis. Die restlichen zehn Prozent befinden sich seit einem Börsengang im Jahr 2022 im Streubesitz und notieren an der Börse in Abu Dhabi (ADX).

In die neue Borouge International bringt ADNOC nun ihren 54-Prozent-Anteil an Borouge ein, während die OMV über ihre Tochter Borealis deren 36-Prozent-Anteil an Borouge beisteuert, womit die Borouge International vorerst 90 Prozent an Borouge hält.

Ein geplantes Übernahmeangebot für den restlichen, an der Börse gelisteten Streubesitz soll eine vereinfachte Unternehmensstruktur schaffen. Dabei werden die bestehenden Borouge-Aktien in Borouge-International-Anteile umgewandelt. Dieser Schritt wurde marktbedingt auf 2027 verschoben, um ihn optimal mit einer künftigen Kapitalerhöhung der Borouge International abzustimmen. Zusammen mit der geplanten Übernahme des nordamerikanischen Herstellers Nova Chemicals verfügt die Borouge International künftig über Produktionskapazitäten von 13,6 Millionen Tonnen auf drei Kontinenten.

Management steht fest

Das Management der Borouge International steht bereits fest: CEO ist der bisherige Nova-Chemicals-Chef Roger Kearns, während Borealis-Chef Stefan Doboczky als Chief Commercial Officer (CCO) fungiert. Hasan Karam agiert als Chief Operating Officer (COO), der aktuelle Borealis-Finanzchef Daniel Turnheim übernimmt interimistisch die Position des CFO. Im paritätisch besetzten Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von ADNOC-Chef Sultan Ahmed Al Jaber sitzen seitens der OMV unter anderem Konzernchef Alfred Stern und Finanzvorstand Reinhard Florey. Ebenfalls von österreichischer Seite in das Gremium entsandt wurden ÖBAG-Vorständin Edith Hlawati und der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Knill.

Für die OMV-Aktionäre bringt der Deal angepasste Ausschüttungen mit sich: Grundsätzlich sollen künftig 50 Prozent der der OMV zurechenbaren Dividenden der Borouge International sowie zusätzlich 20 bis 30 Prozent des operativen OMV-Cashflows ausgeschüttet werden. Allerdings wurde für das Jahr 2026 zuletzt eine Halbierung der Ausschüttung der neuen Dachgesellschaft an die OMV auf 250 Mio. US-Dollar (217 Mio. Euro) vereinbart, was die OMV-Dividende um rund 0,6 bis 0,7 Euro je Aktie schmälern wird. Neben dem globalen Hauptsitz in Wien wird der Standort Österreich auch durch Ausbauten gestärkt: Die Borealis betreibt in Schwechat einen wichtigen Polyolefin-Produktionsstandort, der derzeit für über 100 Mio. Euro ausgebaut wird, um die Versorgung in Österreich und in Exportmärkten abzusichern.

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