Ex-OMV-Chef Rainer Seele glaubt an Europa

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XRG-Chemievorstand Rainer Seele

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Der frühere OMV-Boss Rainer Seele, der nun die internationalen Beteiligungen Abu Dhabis managt, setzt auf in Investitionen in Europa und hat große Pläne mit dem neuen, in Wien angesiedelten Konzern Borouge International.

Die aus Abu Dhabi gesteuerte Investmentgesellschaft XRG, eine Tochter der staatlichen Ölgesellschaft Adnoc, verfolgt weitreichende strategische Pläne in Europa. „Wir kommen, um lange zu bleiben", sagte Ex-OMV-Chef Rainer Seele, jetzt President Global Chemicals bei XRG. Ziel sei es, die gemeinsam mit der OMV neu geschaffene Borouge International auf hohe Profitabilität zu trimmen und nach einem Börsengang zum wertvollsten Unternehmen Österreichs zu machen. Dabei orientiere sich das stark wachsende Portfolio konsequent an globalen wirtschaftlichen Megatrends.

„Wir sind ein langfristiger Investor“, sagte der XRG-Manager am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. „Wir kommen nicht, um ein Unternehmen zu optimieren und wieder auszusteigen.“ Die Entscheidung, sich in Österreich zu engagieren, „ist eine langfristige Entscheidung - und da reden wir nicht über Tage, Monate und Jahre, sondern wahrscheinlich Dekaden.“

„Der Innovationsstandort Europa ist unschlagbar“

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Kritik am Standort Europa und der Skepsis vieler Investoren „glauben wir bei XRG an die Zukunft Europas“, erklärt Seele, „und dass es wieder eine führende Rolle spielen kann.“ Denn: „Der Innovationsstandort Europa ist unschlagbar.“ Der Topmanager verweist auf das Beispiel der österreichischen Borealis, jetzt ein Teil von Borouge International, deren „Borstar“ -Technologie der entscheidende Hebel sei, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die Borouge International soll diese Stärken nun weltweit ausspielen. Europa werde auch bei künftigen Akquisitionen von XRG eine große Rolle spielen, weil technologische Führerschaft entscheidend für die Erzielung höherer Margen sei, wie Seele hervorhebt. Dazu komme, dass in Europa Innovationen gut geschützt seien.

Zur Entscheidung, die Zentrale der Borouge International in Wien anzusiedeln, sagt er: „Ich habe auch eine besondere Liebe zu Österreich entwickelt.“

Das Investmentvehikel XRG bündelt die internationalen Beteiligungen des staatlichen Ölkonzerns und OMV-Kernaktionärs Adnoc, die aktuell mit rund 150 Mrd. Dollar (127 Mrd. Euro) bewertet werden. Seele betonte, dass reine Bestandsverwaltung für ihn nicht infrage komme: „Ich mag keinen Stillstand, wenn es ums Geschäft geht.“ Vielmehr fokussiere sich XRG auf tiefgreifende Trends wie das rasante Bevölkerungswachstum und die massiven Veränderungen durch künstliche Intelligenz (KI). KI-Rechenzentren sorgen laut Seele für einen massiv steigenden Energiebedarf und eine „Erdgas-Renaissance“, während das Bevölkerungswachstum den Bedarf an Düngemitteln treibe. Hier mischt XRG über seine mehrheitliche Beteiligung an Fertiglobe, einem der größten Ammoniak-Produzenten der Welt, bereits maßgeblich mit.

Die massiven Energiekosten in Europa bereiten der Industrie Kopfzerbrechen - das Preisniveau sei „vier bis fünf Mal so hoch“ wie in den USA. Seele rechnet in diesem Bereich auch nicht mit einer raschen strukturellen Entspannung. Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass Europa bei den Kosten „mit Asien wettbewerbsfähig sein kann“. Der Schlüssel liege in der Produktion hochwertiger Spezialprodukte, für die Kunden entsprechende Preisaufschläge zu zahlen bereit seien.

„Die Wüste ist echt groß“

Zum aktuellen Iran-Krieg und den daraus resultierenden logistischen Blockaden gab sich Seele pragmatisch. Zwar könne derzeit nicht die gesamte in der Golfregion produzierte Menge reibungslos verschifft werden, doch die Produktion laufe weiter. „Die Wüste ist echt groß, wir können viel lagern“, kommentierte der Manager die temporäre Praxis, auf Halde zu produzieren. Langfristig rechnet er fest mit einer diplomatischen Lösung für die Region und einer Normalisierung der Transportwege.

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