
Alexander Oborny ist Co-Gründer von Lights of Vienna.
©Lukas IlgnerLights of Vienna hat sich vom Nischenanbieter zum globalen Player für sakrale und luxuriöse will man nun auch auf den Privatkundenmarkt.
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„Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen.“ Goethe formulierte einst diesen treffenden Aphorismus. Und was soll man sagen, außer dass der Geheimrat recht hat und wohl staunen würde, wenn er erstmals vom „Al Fath Gate Chandelier“ hörte. Dabei handelt es sich nämlich um einen der größten und prunkvollsten Luster, die je fabriziert wurden. Drei Tonnen wiegt das Ding, bringt es auf einen Durchmesser von sieben Metern und auf eine Höhe von zehn Metern. Zu bewundern ist dieses monumentale Einzelstück in der Mataf-Erweiterung der Heiligen Moschee in Mekka, der Al-Masdschid alHarām. Es ist die größte Moschee der Welt, und der Megaluster muss den extremen klimatischen und betrieblichen Anforderungen in diesem Zentrum des Glaubens aushalten. De facto hält er einer Windlast von 165 km/h und einem Erdbeben der Stärke 6,5 stand.
Entworfen und gebaut wurde der riesige Leuchtkörper in Österreich. Genauer: vom niederösterreichischen Unternehmen Lights of Vienna mit Sitz in Guntramsdorf. Der „Al Fath Gate Chandelier“ war das Herzstück eines Großauftrags, wie Alexander Oborny erzählt. Er hat 1994 gemeinsam mit zwei Partnern das Unternehmen gegründet: „Insgesamt haben wir 550 Kronleuchter und Leuchten für die Moschee hergestellt.“ Mit viel Bling-Bling übrigens. 200 Kilogramm Gold wurden dafür verarbeitet. Der Großauftrag brachte 90 Millionen Euro ein.
Und dauerte auch seine Zeit. Der erste Prototyp ist vor rund zehn Jahren entstanden. Der Großteil des Projekts wurde aber in den vergangenen zwei Jahren abgewickelt. 30 Leute arbeiten an so einem Großprojekt. Und die wissen ganz genau, was zu tun ist, schließlich war es nicht der erste Auftrag für Mekka. Das Unternehmen lieferte bereits für drei vorige Moschee-Erweiterungen über 4.450 Leuchten. Eigenen Angaben zufolge ist man daher in Sachen sakrale Beleuchtung weltweit auch die Nummer eins. Geht es um Weltliches wie etwa maßgeschneiderte Leuchtkonzepte für Luxushotels, Restaurants, Bars, Spas, Yachten und Residenzen, rangiert man global unter den top zehn. In 49 Ländern, verteilt auf alle Kontinente, hat Lights of Vienna Leuchtprojekte umgesetzt.
Anfänge in Saudi-Arabien
Vor allem weil es kleiner Um- und Irrwege bedurfte, ehe das Unternehmen den Pfad des Lichts beschritt. „Anfang der 1980er-Jahre reiste ich nach Kuwait und nach Saudi-Arabien. Ich arbeitete damals für ein Verpackungsunternehmen, das zum Firmengeflecht der Constantia gehörte“, erzählt Oborny. Die Geschäfte gestalteten sich schwierig. Erst in der alten Handelsstadt Dschidda bahnte sich etwas an. „Es wurden Wasserzähler für die Stadt benötigt. Ich vermittelte den Auftrag an das Wiener Unternehmen Bernhardt, das Wasserzähler herstellt.“ Das klappte und schaffte schnell Vertrauen.
Als dann für die Moschee im saudischen Medina Leuchten gesucht wurden, ergriff Oborny die Initiative und entschloss sich, diesen Auftrag selbst zu übernehmen. „Das war der Startschuss für die Leuchtenproduktion“, erinnert er sich. Mit einem Partner, der inzwischen ausgestiegen ist, und einem saudischen Partner gründete der heute 70-Jährige die Marke Lights of Vienna. „Wir haben zunächst mit erfahrenen Traditionsunternehmen auf diesem Gebiet eng zusammengearbeitet und die Vorgaben, Ideen und Pläne der arabischen Architekten umgesetzt“, erinnert sich Oborny. Der erfolgreiche Abschluss des Projekts in Medina führte dann jedenfalls zu zahlreichen Folgeaufträgen.
Ein Licht geht auf
Über die Jahre hat sich dann trotzdem einiges geändert. Know-how gibt es mittlerweile ausreichend im eigenen Unternehmen. Am Firmensitz in Guntramsdorf wird geplant, entworfen, konstruiert, getestet, gefertigt, kontrolliert, verpackt und verschickt. „Natürlich arbeiten wir nach wie vor mit anderen Betrieben und Zulieferern zusammen“, so Oborny, der erzählt, dass beispielsweise das mundgeblasene Glas für die Lampen aus italienischen und aus tschechischen Traditionsbetrieben stammt. Man schaue dabei, dass alles aus Europa kommt, das hielte den CO2Fußabdruck schlank und sei gut fürs Ökosystem: „Aber gefertigt wird alles bei uns.“
Das kann man sich leisten, da der Luxusmarkt einigermaßen krisenfest ist. „Corona hat uns natürlich getroffen und war eine wirtschaftliche Herausforderung“, so Oborny, der aber erzählt, dass das Unternehmen die Krisen der letzten Jahre gut umschiffen konnte. Trotzdem – oder gerade deswegen – rüstet sich das Unternehmen mit seinen 35 Mitarbeiter:innen und zuletzt einem Umsatz von rund 22 Millionen Euro für Zukünftiges. Mit einer eigenen PV-Anlage konnte man die Energiekosten beispielsweise halbieren, und neben Sakralbeleuchtung hat man mit Luxusprojekten im HospitalitySektor ein solides zweites Standbein vor allem in Asien, im Nahen Osten und in Europa. Seit gut zwei Jahren lanciert man zudem eigene Lampenkollektionen, die inhouse in Zusammenarbeit mit renommierten Designer:innen entwickelt und umgesetzt werden.
Getrieben wird diese Produktentwicklung vom Pareto-Prinzip, wie Oborny erklärt. „80 Prozent der Qualität entstehen in 20 Prozent der Zeit. Für die letzten 20 Prozent an Perfektion investieren wir noch einmal 80 Prozent der Entwicklungsarbeit.“ Das sei nötig, denn unterm Strich will man kein Produkt, sondern Emotionen verkaufen: „Eine Leuchte ist dann luxuriös, wenn Materialien, Oberflächen, die Konstruktion und Lichtführung bzw. Lichtqualität in Einklang stehen und wenn sie darüber hinaus eine Geschichte erzählt, eine gewisse Atmosphäre schafft und den Raum stärkt.“ Oder einen zum Staunen bringt.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 22. Mai 2026 erschienen.
