
Rund 60 Prozent der heimischen Industrieunternehmen wollen bis 2030 Stellen in Österreich streichen. Dafür entstehen laut aktueller Studie neue Jobs in Indien, Nordamerika und Westeuropa.
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Die deutsche Autoindustrie ringt um ihre Zukunft – allen voran Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume hat jetzt erstmals das mögliche Ausmaß des erwarteten Jobabbaus beziffert. Demnach sollen 50.000 weitere Jobs weltweit wackeln. Aber nicht nur bei der Autoindustrie und ihren Zulieferern stehen Arbeitsplätze zur Disposition. Auch andere produzierende Branchen setzen den Rotstift an. Heuer könnten bis zu 100.000 weitere Industriejobs in Deutschland wegfallen. Das schlägt bis nach Österreich durch, die Wirtschaften sind eng verzahnt.
Ganz oben auf der Strategieagenda der hiesigen Unternehmen stehen Kostenoptimierungen – noch vor dem Thema KI, das weltweit absolute Priorität hat. Nachhaltigkeit spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Knapp 60 Prozent der Unternehmen planen, in Österreich in den nächsten fünf Jahren Stellen zu streichen, geht aus einer Umfrage der Managementberatung Horváth hervor, die rund 100 Topmanagerin:innen zwischen März und Mai befragt hat.
Supply Chain neu gedacht
Es wird zwar auch weiterhin in Österreich investiert. Dabei handelt es sich aber vor allem um Ersatzinvestitionen. „Das exportorientierte Geschäftsmodell verliert zunehmend an Schlagkraft, weil Handelsbarrieren zunehmen und dadurch die Supply Chain neu gedacht werden muss“, sagt Christoph Kopp, Associate Partner bei Horváth. Gleichzeitig lassen sich Personalkostenvorteile in anderen Regionen einfach heben, da der Pool an gut qualifiziertem Personal in diesen Regionen wachse. Und marktseitig erweise es sich als Wettbewerbsvorteil, nahe am Kunden zu sein, und das nicht nur mit einem kleinen Vertriebsbüro. In Österreich belasten insbesondere die hohen Energie- und Personalkosten, gepaart mit hoher Bürokratie, die Industrieunternehmen, so Kopp. Inzwischen lägen die Lohnstückkosten über denen von Deutschland: „Das ist ein massiver Standortnachteil. Deshalb bauen viele hierzulande kein Personal mehr auf.“
Nur knapp ein Viertel der Produktionsbetriebe plant, bis 2030 in Österreich neue Mitarbeitende einzustellen. Längst werden andere Regionen priorisiert – allen voran Indien. „Für all die Unternehmen, die global aufgestellt sind, ist Indien als Wachstumsmarkt hochgradig relevant“, sagt der Experte. In Indien und in Nordamerika wollen 58 bzw. 53 Prozent der befragten Unternehmen neue Jobs schaffen, gefolgt von Westeuropa, China, Osteuropa und Asien.
Rund 48 Prozent der Investitionsbudgets sind in den nächsten fünf Jahren für Österreich reserviert. Weniger Geld geht hingegen nach Osteuropa. Auf die Region entfallen nur noch zwölf Prozent der Budgets – in der Vorjahresumfrage waren es noch 20 Prozent. Die USA bleiben wichtig, wenngleich der Anteil an den Investitionsbudgets auf sieben Prozent sinkt. In Deutschland ist der USA-Fokus deutlich stärker ausgeprägt.
Dieser Artikel ist im trend.PREMIUM vom 17. Juli 2026 erschienen.
Horváth-Partner und Industrie-Experte Christoph Kopp.