Klanguhren: Meisterwerke der Uhrmacherkunst

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Roségoldene Uhr mit schwarzem Zifferblatt und schwarzem Lederarmband
 © JACOB&CO.

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Tongebende Zeitmesser gehören zu den absoluten Highlights jeder Uhrensammlung. Bei passionierten Uhrenliebhabern lösen sie Gänsehaut aus.

Wenn eine Armbanduhr zusätzlich zur visuellen Zeitanzeige auch noch wohlklingende Töne von sich gibt, gehört das im wahrsten Sinne des Wortes zu den faszinierendsten Spielformen der Uhrmacherkunst. Doch woher kommen derartig komplexe Mechanismen eigentlich?

Nachdem die erste Turmuhr mit Stundenschlag in Florenz 1336 dokumentiert und die erste Taschenuhr mit Viertelstundenrepetition Ende des 17. Jahrhunderts von Daniel Quare in England gebaut worden war, wo auch dem Uhrmachermeister Thomas Mudge gut ein halbes Jahrhundert später die technische Meisterleistung einer Minutenrepetition gelungen war, war es einmal mehr Abraham Louis Breguet, der 1783 das bis dahin verwendete Glöckchen durch eine Tonfeder ersetzte, die um das Uhrwerk herum gewunden wurde. Ihm ist also das optimierte Klangerlebnis zu verdanken und die deutlich reduzierte Bauhöhe – zwei entscheidende Faktoren, die die nächste Ära einläuteten. Die erste Armbanduhr mit Schlagwerk anno 1892 ging dann auf das Konto von Audemars Piguet.

Wie viele andere Komplikationen der Uhrmacherkunst, die uns heute vielleicht wie nutzlose Spielereien erscheinen, war das Schlagwerk zur Zeit seiner Erfindung durchaus von Nutzen. Schließlich gab es noch keinen Strom und schon gar keine Leuchtmasse. Zum Ablesen der Uhrzeit im Dunkeln musste erst umständlich eine Kerze oder Öllampe entzündet werden. Eine mittels leicht ertastbaren Hebels auslösbare akustische Zeitanzeige erwies sich da als wahrer Luxus.

Seit der technische Fortschritt Repetitionsuhren von ihrer Pflicht entbunden hat, gelten sie als Kür der namhaftesten Manufakturen – ihre Faszination haben sie jedenfalls nicht verloren, ganz im Gegenteil. Alljährlich werden neue Varianten vorgestellt, die sich gegenseitig übertrumpfen sollen. Während die einen mit neuen Gehäusematerialien experimentieren, um die Resonanz zu verbessern, versuchen andere, ohne Klangqualitätsverlust die Dimensionen der Werke zu reduzieren oder das Schlagwerk mit weiteren Komplikationen zu kombinieren. Als herausragendes Beispiel wäre hier die kürzlich vorgestellte „Grande Sonnerie“ zu nennen, die nicht nur das Thema Repetition auf ein völlig neues Niveau hebt, sondern es auch noch mit zwei weiteren großen Komplikationen in einer Uhr vereint.

Melodien am Handgelenk

Nicht jede Uhr, die Klänge erzeugt, ist eine Repetitionsuhr – es gibt auch Armbandwecker und Uhren mit sogenannten Animationen. Letztere funktionieren wie Miniaturspieluhren und geben bei Betätigung eines Hebels eine spezifische Melodie wieder. Diese Form einer uhrmacherischen Finesse wird in der Regel durch das Zusammenwirken von Kamm und Zylinder erzeugt. Die unterschiedlich langen Stahlzinken des Kamms erzeugen verschiedene Töne, während der mit Stiften besetzte Messingzylinder diese nacheinander zum Klingen bringt. In der soeben in Wien neu eröffneten Boutique von Jacob & Co. können derartige Spezialitäten live erlebt werden. Firmengründer Jacob Arabo, Spross usbekischer Auswanderer, lancierte 2019 die „Opera Godfather“ als Hommage an seinen ersten Kinobesuch in Amerika. Mehrere Sondereditionen sollten folgen. Mit der „Godfather II“ geht er nun noch einen Schritt weiter: Mittels Wahlschalter bei zehn Uhr kann der Träger zwischen zwei Melodien auswählen, die über den Drücker bei acht Uhr aktiviert und jeweils 15 bis 20 Sekunden lang abgespielt werden. Beide Filmmelodien werden von ein und demselben Zylinder abgespielt – eine Weiterentwicklung, die ein kompakteres Gehäuse ermöglicht und sogar noch einem fliegenden Tourbillon Platz bietet.

Wecker mit Stil

In Zeiten des Handyalarms werden mechanische Armbandwecker nur mehr selten gebaut – umso größer ist die Freude in Liebhaberkreisen, wenn ein „Alarm“ neu aufgelegt wird. So gesehen bei Patek Philippe anlässlich der Watches and Wonders in Genf: Die Referenz 5322G bietet einen 24-Stunden-Alarm und eignet sich nicht nur als Wecker, sondern für Erinnerungen jeder Art. Und es wäre keine Patek Philippe, wenn sie nicht das gewisse Etwas hätte: Während bei den meisten „Alarmuhren“ ein Hammer direkt auf den Gehäuseboden schlägt und ein metallisches Rasseln erzeugt, schlägt hier – wie bei einer Minutenrepetition – ein kleiner Hammer auf eine klassische, akkurat gestimmte, um das Uhrwerk gewundene Tonfeder. Zudem sorgt ein Fliehkraftregler für einen gleichmäßigen Rhythmus von konstant 2,5 Schlägen pro Sekunde. Auf dem höchsten Niveau der Uhrmacherkunst machen kleine Details eben den großen Unterschied aus.

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