
Moderatorin Magdalena Wallis führte durch den Austausch mit Bernhard Gehmayr (ROXCEL), Anna Buchegger (Glacier), Klimaökonom Gernot Wagner, Denise Kovarik (Glacier), Barbara Freiler (HANDLER) und Andreas Zahradnik (DORDA).
©Tim Dornaus epilogy.photographyBeim Climate Leaders Circle von Glacier diskutierten Expertinnen und Experten, warum Nachhaltigkeit über Reporting und Compliance hinausgeht. Entscheidend sind ihre Verankerung in der Unternehmensstrategie, belastbare Daten und der Rückhalt der Führung.
Die gute Nachricht gleich vorweg: Bis 2050 werden weltweit 75 Prozent der globalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammen. Davon ist Klimaökonom Gernot Wagner überzeugt. Er prophezeit: „Der Wettbewerb findet künftig vor allem zwischen Solar- und Windkraft statt, nicht mehr zwischen erneuerbaren und fossilen Energieträgern.“
Ist mit diesen Aussichten das Thema Nachhaltigkeit als strategischer Hebel endgültig in den Unternehmen angekommen?
Die Diskussion beim Climate Leaders Circle, den Glacier gemeinsam mit der HANDLER Gruppe und der Wirtschaftskanzlei DORDA veranstaltete, zeigte jedoch: Noch ist das nicht überall der Fall. Eine der größten Herausforderungen bleibt die Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen. „Es ist oft schwierig, alle handelnden Personen im Unternehmen zu überzeugen und mitzunehmen“, sagte Barbara Freiler, Geschäftsführerin der HANDLER Holding. Damit langfristige Maßnahmen mitgetragen werden, brauche es eine klare Strategie, eine verständliche Vision und intensive Kommunikation. „Nachhaltigkeit hat sich vom Nice-to-have zum Must-have entwickelt“, betonte Andreas Zahradnik, Partner und Co-Head der Sustainability Group bei DORDA. Banken, Investoren und Kunden würden ESG-Kriterien zunehmend in ihre Entscheidungen einbeziehen. Das betreffe Finanzierung und Risikomanagement ebenso wie den Marktzugang. Investitionen in Nachhaltigkeit seien zwar ebenfalls mit Risiken verbunden. „Das Risiko, wenn ich nichts tue, ist aber größer“, so Zahradnik.
Wie dieser Wandel in der Praxis gelingt, zeigten Barbara Freiler, Geschäftsführerin der auf Bau und Immobilien spezialisierten HANDLER Gruppe, und Bernhard Gehmayr, Head of ESG bei der international tätigen ROXCEL Gruppe. Beide Unternehmen setzen ihre Nachhaltigkeitsstrategie trotz gelockerter regulatorischer Vorgaben konsequent fort. „Die Dinge, die wir tun, machen wir nicht wegen der Berichte, sondern weil sie unser Unternehmen wirtschaftlich weiterbringen“, sagte Freiler. Deshalb müsse Nachhaltigkeit fest in der Unternehmensstrategie verankert und von der gesamten Organisation mitgetragen werden.
Wer Nachhaltigkeit strategisch verankert, baut sich einen strukturellen Vorteil auf.
Einen entscheidenden Erfolgsfaktor sieht Gehmayr im klaren Commitment von Eigentümern und Geschäftsführung. Darüber hinaus betonte er, dass sich der Aufbau einer belastbaren Datenbasis auch über die Berichtspflicht hinaus auszahlt. ROXCEL berechnet monatlich den CO2-Fußabdruck zweier Werke und nutzt die Ergebnisse für Investitionsentscheidungen. Zugleich lassen sich auf dieser Grundlage Kundenanfragen und unterschiedliche Reporting-Anforderungen leichter beantworten. „Eine gute Datenbasis ist Gold wert“, sagte er.
Die Dinge, die wir tun, machen wir nicht wegen der Berichte, sondern weil sie unser Unternehmen wirtschaftlich weiterbringen.
Für Klimaökonom Gernot Wagner ist die technologische Entwicklung ein weiterer Grund, Nachhaltigkeit nicht länger als Belastung zu sehen. Solarenergie, Windkraft und Batteriespeicher würden mit zunehmender Verbreitung leistungsfähiger und günstiger. So seien Batterien innerhalb von 14 Monaten um rund die Hälfte billiger geworden. „Wir unterschätzen die Kosten der Ungewissheit“, sagte Wagner. Planbare, erneuerbare Energien könnten Unternehmen langfristig unabhängiger von Preisschwankungen und geopolitischen Risiken machen.
Wir unterschätzen die Kosten der Ungewissheit
Damit Unternehmen diese Entwicklungen in ihre eigene Strategie übersetzen können, braucht es auch den Austausch untereinander. „Der Climate Leaders Circle ist ein Raum für Führungskräfte und Nachhaltigkeitsverantwortliche, die Transformation wirklich gestalten wollen“, sagte Denise Kovarik, Head of Climate Ranger Academy bei Glacier. Ziel sei es, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Mit Blick auf die Zukunft betonte Kovarik: „Wer Nachhaltigkeit strategisch verankert und im Unternehmen wirklich lebt, baut sich einen strukturellen Vorteil auf.“