Synfia: KI macht jetzt die Umfragen

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SYNFIA-GRÜNDER. René Mähr (l.) war jahrelang in der Innovationsberatung (u. a. für Pioneers) tätig und hat bereits mehrere Unternehmen gegründet. Er entwickelte das initiale Synfia-Konzept vor eineinhalb Jahren. Simon Rutar stieg heuer ein und bringt Erfahrung aus früheren Start-up-Gründungen mit.©beigestellt
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Die Sprach-KI Synfia aus Österreich ist für Umfragen und Marktforschung im Einsatz, und kann eine Vielzahl an Interviews parallel „führen“ und unmittelbar auswerten.

Reiche Erfahrung mit Innovationsarbeit bringen die beiden Gründer von Synfia aus ihrem beruflichen Vorleben mit. Was die Kunden mit ihrem neuartigen Umfragetool tatsächlich machen, überrascht René Mähr und Simon Rutar immer wieder. „Wir haben einen großen Industriebetrieb als Kunden, mit hoher Fluktuation und vielen Blue-Collar-Workern. Die nutzen es fürs Offboarding, weil sie verstehen wollen, warum diese Personen das Unternehmen verlassen“, erzählt Co-Founder Simon Rutar: „Eine andere Umfrage führen gerade 1.000 Kommunal­betriebe in Deutschland durch, um ihre KI-Adoption zu messen.“ Über 65.000 Interviews haben Kunden im letzten Jahr mithilfe von Sprach-KI durchgeführt. Die Einsatzgebiete für diese Art der Marktforschung reichen von Architekturbüros bis zu Universitäten, die Synfia offenbar besonders spannend finden und im Rahmen von wissenschaftlichen Kooperationen nutzen.

KI versteht einfache Sprache und Dialekte

Die Funktionsweise ist simpel: Die Auftraggeber legen das Fragenset und die maximale Gesprächsdauer fest und definieren Tonalität und Geschlecht des Interviewers. Die Empfänger:innen öffnen dann am Smartphone einen Link und können mit der Umfrage direkt sprechen. „Diese Unmittelbarkeit erhöht die Teilnahmequoten, und die Antworten fallen tiefgründiger aus“, sagt Co-Founder und CEO René Mähr. Die Sprach-KI versteht auch einfache Sprache und Dialekte. „Mit unserer Sprach-KI kann die qualitative Tiefe beliebig skaliert werden. Ob das System 50 oder 1.000 Interviews führt, macht keinen Unterschied“, sagt Rutar. Unmittelbar nach der Befragung werden die Gespräche transkribiert, aufbereitet und von den Auftraggebern über ein Dashboard ausgewertet. „Wir stellen die Ergebnisse strukturiert zur Verfügung. Kunden können mit den Daten sogar chatten“, erklärt Mähr.

Anthropic, OpenAI und Google im Einsatz

Hinter Synfia stehen die großen Sprachmodelle von Anthropic, OpenAI und Google. Die Synfia-Entwickler evaluieren laufend, welches Modell die beste Performance liefert. „Zur Zeit arbeiten wir sehr viel mit Google Gemini“, sagt Mähr, der die technologische Entwicklung führt. „Bei größeren Projekten können die Kunden auch selbst eine Modellentscheidung treffen. Falls die Möglichkeiten und das Personal im Haus sind, bieten wir das auch on premise an.“ Neben Leistungsparametern wie Latenz oder Reasoning Power, also dem Verständnis von Kontexten, zieht das Synfia-Team die Sicherheitsbarrieren so hoch wie möglich auf, damit auch regulierte Branchen mit dem Tool gesetzeskonform arbeiten können. „Die Audiodatei wird von uns unmittelbar nach der Transkription gelöscht, und das gesamte Design ist auf Datensparsamkeit und -souveränität ausgerichtet.“

Die Anbieter der Sprachmodelle haben keine Berechtigung, auf Prompts oder Auswertungen zuzugreifen: „No Retention ist bei uns Werkseinstellung, und der Datenraum ist selbstverständlich in der EU“, kommentiert Mähr das technische Setup. Abgerechnet wird pro Sprachminute mit 49 Cent. „500 Interviews kosten rund 1.000 Euro“, rechnet Rutar ein Standardbeispiel vor, denn „viele dieser Umfragen dauern oft nur wenige Minuten“. Dazu kommen zwischen 100 und 500 Euro monatliche Kosten für den Zugang zur Plattform und dem Data-Studio.

Finanziert ist Synfia bislang aus eigener Kraft und einer Innovationsförderung der Wiener Wirtschaftsagentur. Dem vierköpfigen Kernteam stehen vier Freelancer und im Hintergrund „eine Schar von Entwicklern“ zur Seite, erzählt Rutar. Im Sommer wollen die Gründer eine erste Finanzierungsrunde starten. Mit der Teilnahme am Web Summit in Lissabon konnten sie 2025 ihre Sichtbarkeit in der Investorenszene erhöhen. „Wir hatten am Web Summit einen eigenen Stand und fuhren mit ein paar sehr guten Kontakten heim“, erzählt Mähr. Synfia ist auch Teil des Web-SummitAlpha-Programms, das un- oder frühfinanzierte Start-ups mit Investoren- und Kundenkontakten versorgt. „Darüber sind wir etwa mit einer italienischen Bank ins Geschäft gekommen, deren Open-Innovation-Prozesse wir begleiten dürfen.“ – ein weiteres überraschendes Einsatzgebiet für Synfia. In toughen Zeiten stellen sich eben viele Fragen.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.

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