„Das Elektroauto bleibt auch mit Sachbezug wirtschaftlich attraktiv“

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Nikolaus Engleitner, CCO von Alphabet Austria, über den Aufschwung im Flottengeschäft, die Folgen des neuen Sachbezugs und die Frage, warum Digitalisierung persönliche Betreuung nicht ersetzen kann.

Trend: Wie entwickelt sich das Flotten- und Leasinggeschäft derzeit, und welche Veränderungen beobachten Sie bei den Unternehmensflotten?

Nikolaus Engleitner: Wir verzeichnen heuer ein starkes Wachstum. Aber auch der Gesamtmarkt zeigt nach mehreren stagnierenden Jahren wieder ein Plus. Während der Rezession haben sich manche Unternehmen beim Fuhrpark zurückgehalten oder diesen verkleinert. Jetzt wächst wieder ein zartes Pflänzchen. Gleichzeitig ist die Transformation zur Elektromobilität bereits weit fortgeschritten. Mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge in unserem aktuellen Bestelleingang sind elektrifiziert, wenn man Plug-in-Hybride einrechnet. Der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge liegt über 70 Prozent. Im B2B-Bereich ist das vollelektrische Auto inzwischen der Hauptantrieb des klassischen Firmenfahrzeugs. Deshalb finde ich es amüsant, wenn Elektromobilität noch immer als alternativer Antrieb bezeichnet wird.

Was gibt bei Flottenentscheidungen derzeit den Ausschlag: Kosten, Flexibilität oder Nachhaltigkeit? Der Preis muss stimmen. Die Kosten stehen ungebrochen an erster Stelle, vielleicht mehr denn je. Wir sehen ein hohes Anfrage- und Ausschreibungsvolumen, weil ­Unternehmen Einsparungen suchen, auch im Fuhrpark. Gleichzeitig bleiben Firmenfahrzeuge wichtig für Mitarbeitermotivation und Arbeitgeberattrak­tivität. Nachhaltigkeit ist in der Priori­tätenliste etwas zurückgefallen, unter anderem aufgrund regulatorischer Aufschübe. Verschwunden ist das Thema aber keineswegs.

Was verändert der neue Sachbezug für rein elektrische Dienstwagen ab 2027 an deren Wirtschaftlichkeit? Das Elektroauto bleibt auch mit dem neuen Sachbezug wirtschaftlich attraktiv. Entscheidend ist, nicht nur den Kaufpreis zu vergleichen, sondern sämtliche Kosten über die Nutzungsdauer – die Total Cost of Ownership. Elektrofahrzeuge sind beim Kauf vielfach noch teurer als vergleichbare Verbrenner, der Abstand ist aber deutlich kleiner geworden. Teilweise liegt der Listenpreis bereits darunter. Gleichzeitig haben sich Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Produktqualität stark verbessert. Die Wartungskosten sind deutlich niedriger, und auch die motorbezogene Versicherungssteuer fällt geringer aus als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Der neue Sachbezug schmälert einen Vorteil, kippt die Gesamtrechnung aber nicht. Laut einer Umfrage des Fuhrparkverbands sind zwar mehr als 70 Prozent der Unternehmen verunsichert. Wir sehen jedoch keine Gegenbewegung zurück zum Verbrenner. Auch unser Bestelleingang zeigt sich relativ unbeeindruckt. Die Unternehmen fragen aber zu Recht, wie es mit der Kostensicherheit weitergeht und ob neue Regelungen auch bestehende Fahrzeuge betreffen.

Stärker spürbar ist die Verunsicherung offenbar bei Gehaltsumwandlungsmodellen. Warum? Hier wurde teilweise die Handbremse gezogen. Beschäftigte verzichten bei diesem Modell auf einen Teil ihres überkollektivvertraglichen Bruttogehalts und erhalten dafür ein Elektrofahrzeug. Wenn sich die steuerlichen Vorzeichen ändern, muss die Kalkulation neu erstellt werden. Einige Unternehmen, die ein solches Angebot einführen wollten, haben ihre Entscheidung daher vorerst zurückgestellt. Wir haben das Modell mit mehreren Fahrzeugen durchgerechnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Es bleibt auch mit Sachbezug attraktiv. Die Un­sicherheit darüber, was nach 2027 und 2028 kommt, spielt aber eine große Rolle, emotional ebenso wie kaufmännisch.

Für den „European Fleet Emission Monitor 2026“ hat Alphabet mehr als 630 Flottenverantwortliche in zwölf europäischen Ländern befragt. Was zeigt die Studie über die Bedeutung von Nachhaltigkeit? Europaweit ist Nachhaltigkeit in der Prioritätenliste zurückgefallen, weil Unternehmen bei manchen Berichtspflichten mehr Zeit erhalten haben. Bemerkenswert ist aber, dass dieser Rückgang in Österreich deutlich geringer ausfällt als im europäischen Durchschnitt. Hier wird Nachhaltigkeit weiterhin besonders hoch bewertet. Idealerweise stehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auch nicht im Widerspruch: Die Flotte wird emissionsärmer und zugleich günstiger. Dafür darf eine Kalkulation allerdings nicht ausschließlich auf den Bedingungen von heute beruhen. Globale Krisen verändern Energiepreise und Lieferketten. Auch Steuern, Wiedervermarktungserlöse und Restwerte können sich verschieben. Beim Restwertrisiko wird meist nur über Elektroautos gesprochen. Man muss aber ebenso fragen, welchen Wert ein Verbrenner in fünf oder zehn Jahren noch haben wird.

Die Kosten stehen bei Flottenentscheidungen ungebrochen an erster Stelle, vielleicht mehr denn je.

Nikolaus Engleitner, CCO von Alphabet Austria

Alphabet setzt verstärkt auf digitale Werkzeuge. Was nehmen diese den Fuhrparkverantwortlichen konkret ab? Sie sollen den Alltag erleichtern, Prozesse vereinfachen und bessere Entscheidungen ermöglichen. Unser Onlinereporting verfügt seit 2024 über einen KI-Assistenten. Kunden können damit ihre Fuhrparkdaten analysieren und gewissermaßen mit ihnen sprechen. Hinzu kommen die Alphabet App, das 360 Fleet Portal sowie die Lösungen Carbon Manager und Connected Fleet. Mit Zustimmung des Kunden können Fahrzeugdaten über Telematik direkt in das Reporting einfließen. Ein einfaches Beispiel sind Kilometerstände. Früher waren wir auf Meldungen von Werkstätten oder Fahrern angewiesen. Diese Angaben waren nicht immer vollständig oder plausibel. Bei Elektroautos fehlen zudem häufig jene Eingaben, die man vom Bezahlen an der Tankstelle kannte. Werden die Kilometerstände direkt aus dem Fahrzeug übernommen, lassen sich Laufleistungen präzise analysieren. Fuhrparkverantwortliche erkennen frühzeitig, welche Fahrzeuge über oder unter der geplanten Laufleistung liegen, und können kostenoptimierende Maßnahmen treffen. Das schafft Planbarkeit und reduziert das Risiko unerwarteter Budgetüberschreitungen.

Warum betont Alphabet trotz dieser digitalen Angebote weiterhin die persönliche Betreuung? Digitalisierung darf nicht Depersonalisierung bedeuten. Unsere Kunden haben eine konkrete Ansprechperson, mit der sie Fragen klären können. Der Alltag folgt nicht immer einem linearen Algorithmus. Auch nach 20 Jahren in der Branche begegne ich noch Situationen, die ich so nie gesehen habe. Dann braucht es Menschen, die flexible und manchmal kreative Lösungen finden. Digitale Instrumente unterstützen diese Betreuung, ersetzen sie aber nicht. Dass dieser Ansatz geschätzt wird, zeigen eine sehr hohe Kundenloyalität, hohe Zufriedenheitswerte und eine starke Weiterempfehlungsrate. Zudem wurden wir heuer zum vierten Mal in Folge mit einem Best4Fleet Award in Silber ausgezeichnet. Das macht mich besonders stolz auf unser Team, denn dahinter steckt harte Arbeit in der täglichen Betreuung.

Wie werden sich Unternehmensflotten in den kommenden Jahren verändern? Die Elektrifizierung wird weitergehen, bei Pkw ebenso wie bei leichten Nutzfahrzeugen. Nachhaltigkeit wird spätestens dann wieder stärker in den Fokus rücken, wenn derzeit aufgeschobene Vorgaben wirksam werden. Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung voran. Unser Anspruch ist, die vorhandenen Werkzeuge laufend auszubauen und neue Lösungen zu entwickeln. Sie bleiben aber immer Mittel zum Zweck: Unternehmensmobilität einfacher zu machen und Kunden persönlich und langfristig zu begleiten.

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