
Fünf Trends, die Unternehmen der Getränkeindustrie Wachstumschancen eröffnen. Sinkende Nachfrage in klassischen Segmenten, neue Konsumgewohnheiten und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen setzen die Branche unter Druck. Wer jetzt Portfolios diversifiziert, Produktionsplanung mit KI stärkt und Investitionen gezielter steuert, kann neue Marktpotenziale erschließen.
Neue Geschäftsmodelle, Nachfragerückgänge in klassischen „Best Selling“-Segmenten wie der Bierbrauerei und gesetzliche Vorgaben zur Nachhaltigkeit verändern die Getränkeindustrie grundlegend. Als Reaktion auf diese und weitere Transformationstreiber nutzen viele Werke u.a. ihre bestehenden Anlagen flexibler für innovative Produkte, um Kapazitäten optimal auszulasten. Zugleich kann der Erfolg auch davon abhängen, einen schnellen „Ramp-Up“ neuer Fabriken zu verwirklichen. Für eine erfolgreiche Positionierung im Wettbewerb sollten Unternehmen der Branche derzeit die folgenden Trends für sich nutzen.
Trend 1: Expansion in Kernmärkten mit Portfolio-Diversifizierung
Die Entwicklung des globalen Biermarktes zeigt beispielhaft, mit welchen Umbrüchen die Getränkeindustrie konfrontiert ist: der Pro-Kopf-Konsum sinkt in zentralen Absatzmärkten wie Deutschland und den USA, ebenso in Österreich mit leicht rückläufiger Tendenz. Den weltweiten Absatz klassischer Biere beziffern Prognosen für die nächsten Jahren mit geringen, einstelligen Prozentzahlen.
Zugleich könnten veränderte Konsumgewohnheiten und der Trend zu einem gesünderen Lebensstil dazu beitragen, dass die Absatzahlen bei alkoholfreien Varianten und Mischgetränken deutlich zulegen. Dem sollten Unternehmen mit einer Diversifizierung ihres Portfolios begegnen, die sich nicht auf alkoholfreie Varianten beschränken muss. Regionale Spezialitäten bieten z.B. ebenfalls die Chance, neue Zielgruppen zu adressieren. Produktionsseitig kann das Investitionen in Anlagen erfordern, die eine flexible, effiziente Produktion kleinerer Chargen und unterschiedlicher Produktlinien ermöglichen.
Trend 2: Expansion in neue Märkte mit neuen Standorten
Einige Akteure der Branche nutzen Wachstumschancen, indem sie mit dem Aufbau neuer Produktionsstandorte expandieren, sowohl in Europa als auch global. Doch das Hochfahren neuer Fabriken – der sogenannte Ramp-Up – ist äußerst anspruchsvoll. Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung hängt davon ab, wie schnell und effizient neue Anlagen ihre volle Leistung erreichen.
Lösungswege liegen u.a. in einer datengetriebenen Inbetriebnahme sowie in der Standardisierung von Ramp-Up-Prozessen mit klaren KPIs, um die Anlaufzeit zu verkürzen. Zudem sind zeitgemäße Planungs- und Steuerungssysteme erfolgskritisch, da sie für eine bessere Synchronisation der Wertschöpfungsprozesse zwischen Produktion, Supply Chain und den Absatzmärkten sorgen.
Trend 3: Professionalisierung des CapEx-Managements
Angesichts steigender Kosten, hoher Marktvolatilität und kürzerer Innovationszyklen muss auch die Getränkeindustrie ihre Investitionen strategisch priorisieren und deren Wirksamkeit sicherstellen. Daher gewinnt in der Branche ein gezieltes und effizientes CapEx-Management an Bedeutung. Bei den Investitionszielen sind punktuelle, hochwirksame Investitionen im Trend – etwa bei Schwerpunkten wie Automatisierung, Nachhaltigkeit oder einem Ausbau regionaler Produktionskapazitäten.
Mit Blick auf die bereits genannten Produktionsthemen sollten sich Getränkehersteller mit der Option „Retrofit statt Neubau“ auseinandersetzen und bestehende Anlagen gezielt modernisieren, um die Kapitalbindung zu reduzieren. Zudem kann eine systematische Verbesserung der OEE (Overall Equipment Effectiveness) den Investitionsbedarf reduzieren oder sogar eliminieren.
Ein professionelles CapEx-Management beschränkt sich allerdings nicht auf Maschinen, Anlagen und Gebäude: der Aufbau einer cross-funktionalen CapEx-Governance ist z.B. ein idealer Weg, um Produktions-, Supply Chain- und Finance-Prozesse frühzeitig zu verbinden und transparenter zu gestalten. Ebenso empfehlenswert ist eine szenariobasierte Investitionsplanung, die Marktveränderungen antizipiert und Risiken minimiert.


Dr. Kai Magenheimer Partner, EFESO
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Trend 4: Produktionsplanung mit KI-Unterstützung
Eine volatile Nachfrage, saisonale Schwankungen und Lieferkettenrisiken werden auch in Zukunft den Alltag der Branche prägen. Selbst bei einem geringen Reifegrad der Digitalisierung im Werk ist daher eine Auseinandersetzung mit KI-Technologien alternativlos. Das gilt insbesondere für die Produktionsplanung: KI-gestützte Systeme ermöglichen eine dynamische Anpassung von Produktionsmengen, optimieren den Ressourceneinsatz und reduzieren Ausschuss.
Ein Unternehmen der Softdrink-Industrie erstellt z.B. Absatzprognosen per KI, wobei u. a. PoS-, Wetterdaten und Social-Media-Trends berücksichtigt werden. Das Unternehmen kann somit den Absatz von z.B. saisonal unterschiedlich nachgefragten Produkten wie Eistee oder Energy-Drinks präziser kalkulieren, Überproduktionen vermeiden und Lagerkosten senken.
Weitere KI-Pioniere der Branche nutzen die bereits vorhandenen Technologien, um mit Simulationen und Szenarioanalysen operative Risiken frühzeitig zu erkennen und alternative Planungen zu entwickeln. So können etwa Brauereien ihren Bedarf an Hopfen, Malz und Verpackungsmaterial dynamisch prognostizieren.
Trend 5: Absicherung industrieller Nachhaltigkeit
Eine bedarfsorientierte Planung schont Ressourcen und ist daher eng mit dem Trendthema „Nachhaltigkeit“ verbunden. Laut Branchenstudien nehmen eine deutlich klimafreundlichere Gestaltung der Produktion sowie eine weitere Reduzierung des CO₂-Ausstoßes einen hohen Stellenwert in vielen Unternehmen ein. Zugleich muss die Getränkeindustrie bestehende und neue Verpackungsgesetze erfüllen, etwa mit einem Einsatz recycelbarer oder biobasierter Verpackungsmaterialien.
Beispielhafte Ansatzpunkte bzw. Lösungswege in der Produktion ist etwa ein Retrofit vorhandener Maschinen- und Anlagen mit IoT-Sensoren, um z.B. Energie- oder Druckluft-Verluste zu vermeiden. Auch modulare Anlagenkonzepte gewinnen an Bedeutung, um bestehende Linien ressourcenschonend nachzurüsten.
Aus Operations-Sicht sollte Operative Exzellenz (Operational Excellence / OPEX) das Zielbild sein. Hierbei richten Unternehmen ihre Strukturen, Führung, Prozesse, Technologien und kulturellen Eigenschaften auf eine kontinuierliche Verbesserung hin aus. Bei der Erfüllung von Nachhaltigkeitsvorgaben kann dabei etwa eine strikte Reduzierung und Eliminierung von Verschwendung einen Schwerpunkt bilden.
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